Hertha gegen Leverkusen

Arne Maier vs. Kai Havertz – Duell der Goldjungs

Herthas Arne Maier und Bayers Kai Havertz brillieren seit Jahren im DFB-Trikot. Nun spielen die Talente erstmals gegeneinander.

Herthas Arne Maier (l.) und Leverkusens Kai Havertz führten die deutsche Auswahl vor zwei Jahren ins Halbfinale der U17-EM

Herthas Arne Maier (l.) und Leverkusens Kai Havertz führten die deutsche Auswahl vor zwei Jahren ins Halbfinale der U17-EM

Foto: Rafal Rusek/CITYPRESS24 / picture alliance / CITYPRESS24

Berlin.  Die Frage ist, wer die Wahrheit sagt. „Er ist ein ordentlicher Typ“, behauptet Herthas Arne Maier über Bayer Leverkusens Kai Havertz, mit dem er sich bei den U-Nationalteams seit Jahren ein Zimmer teilt. Aus Havertz‘ Mund klingt das etwas anders. Es herrsche schon ein gewisses Chaos, wenn beide zusammen hausen, „aber da wir beide nicht besonders ordentlich sind, ergänzen wir uns sehr gut.“ Warum sollte es bei ihnen auch anders aussehen, als bei jedem gewöhnlichen Teenager der Welt?

Als Fußballer sind Maier (19) und Havertz (18) hingegen alles andere als gewöhnlich. „Beide waren schon in der U16 sehr talentierte und elegante Spieler“, erzählt Meikel Schönweitz vor dem ersten Bundesligaduell der Mittelfeldspieler am Sonnabend in Leverkusen (15.30 Uhr, Sky). Der heutige U19-Nationaltrainer hat Maier und Havertz schon seit 2014 in vier Teams betreut. Zufrieden hat der DFB-Coach verfolgt, wie der offensivere Havertz über die Jahre an Robustheit zulegte und der defensivere Maier seine chronischen Verletzungsprobleme in den Griff bekam, vor allem aber, wie sie den Sprung in die Bundesliga gemeistert haben.

Dort spielen sich beide in dieser Saison immer stärker in den Vordergrund, was vor allem an ihrer bemerkenswerten Ruhe am Ball liegt. So durcheinander ihre Zimmer auch sein mögen – auf dem Platz agieren sie aufgeräumter als manch Routinier.

Seit der U16 teilen sie bei der Nationalelf ein Zimmer

Die ersten Meilensteine im Männerfußball haben Maier und Havertz mit Bravour bewältigt. Erste Profi-Minuten, Startelf-Premiere, Debüt im Europapokal – meist haben sie die Erwartungen übererfüllt. Nun folgt das nächste erste Mal, eines, von dem sie schon geträumt haben, als sie 15 waren: ihr erstes Aufeinandertreffen in der Bundesliga. Hertha gegen Leverkusen, das wird aller Voraussicht nach auch Maier gegen Havertz, eine Begegnung der zwei größten U19-Talente, die Fußball-Deutschland zu bieten hat.

Daran, dass es einmal so kommen würde, hat Maier nie gezweifelt. Schon im August 2016 war er sich sicher: „Wenn es einer packt, dann Kai.“ Damals hatten beide die Fritz-Walter-Medaille erhalten, mit welcher der DFB seine besten Nachwuchsspieler auszeichnet. Havertz gewann bei den U17-Junioren Silber, Maier Bronze. Nur einen Monat später wurde der Leverkusener zum jüngsten Startelf-Spieler der Bayer-Historie. Am Sonnabend könnte er bereits sein 50. Pflichtspiel absolvieren. Seine eindrucksvolle Bilanz: sechs Tore, zwölf Vorlagen.

Maier musste sich bei Hertha etwas länger gedulden. Seine Profi-Karriere nahm erst im vergangenen Herbst Fahrt auf, dann jedoch rasant. In neun der letzten elf Liga-Spiele stand er in der Startelf, und auch wenn ihm noch kein Scorerpunkt gelungen ist, hat er Herthas Umschaltspiel doch merklich mehr Fluss verliehen. „Sie waren schon immer sehr offensiv ausgerichtet“, erzählt DFB-Coach Schönweitz, der von der „Selbstverständlichkeit bei der Ballan- und -mitnahme“ schwärmt. Eine Qualität, die beiden wichtige Sekundenbruchteile verschafft, um selbst unter höchstem Druck die besten Entscheidungen zu treffen.

DFB-Trainer Schönweitz rät zu kleinen Karriereschritten

So gewaltig ihr Potenzial auf dem Platz ist, so gut ist ihr Verhältnis abseits des Rasens. „Wir machen immer viel Blödsinn oder spielen Playstation“, erzählt Maier, „Kai ist ein lustiger Typ und absolut auf dem Boden geblieben.“ Keine Selbstverständlichkeit bei einem, der als einer der vielversprechendsten Fußballer des Kontinents gehandelt wird. Havertz Marktwert wird inzwischen auf 18 Millionen Euro taxiert.

Bei Maier belaufen sich die Schätzungen des Portals „Transfermarkt“ bislang „nur“ auf 2,5 Millionen Euro. Das aber dürfte sich bald ändern. 2019 läuft sein Vertrag bei Hertha aus. Die Berliner setzen momentan alles daran, das wertvollste Nugget ihrer „goldenen Generation“ zu halten. Chef-Trainer Pal Dardai fördert den 1999er-Jahrgang bereits seit seiner Zeit als U15-Coach, doch längst haben andere, größere Klubs ihre Fühler nach Maier ausgestreckt.

Bei Havertz war das im vergangenen Jahr nicht anders. Trotz verlockender Angebote entschied er sich zu bleiben. Weil er die Unaufgeregtheit bei Bayer schätzt, die Chance auf Spielzeit groß und das Umfeld vertraut ist, kurz: die Entwicklungsbedingungen optimal sind. „Kais Entscheidung war eine logische Konsequenz, und auch Arne weiß, was er will“, meint Schönweitz, der beide Spieler als „professionell, ehrgeizig und hochmotiviert“ beschriebt. Neben Gesundheit brauche es nun mal vor allem Beharrlichkeit, Spielpraxis und ein intaktes Umfeld für den nächsten Schritt auf der Entwicklungsleiter. Was es hingegen nicht brauche, seien überzogene Erwartungen.

Nach der U19-EM im Sommer warten weitere große Ziele

Noch hat Maier nichts unterschrieben, weder bei Hertha noch bei einem anderen Klub. Allgegenwärtig ist das Thema trotzdem, klar, schließlich geht es um seine Zukunft. Mit Havertz spreche er allerdings nie über Verträge und Angebote, sagt Maier, was man nicht zwingend glauben muss. Sehr gut kann man sich hingegen vorstellen, wie das Duo Visionen einer gemeinsamen Nationalmannschaftszukunft spinnt. In diesem Jahr steht die U19-Europameisterschaft in Finnland an, bei der sie ähnlich erfolgreich sein wollen wie vor zwei Jahren bei der U17-EM. Damals führten Maier und Havertz die DFB-Auswahl bis ins Halbfinale.

Und dann sind da ja noch fernere, größere Ziele. „Es wäre ein Traum, bei der WM 2022 dabei zu sein“, sagt Havertz, „und wie ich Arne und seine Fähigkeiten kenne, sollte das auch sein Ziel sein. Wäre doch top, wenn wir beide dabei wären. Daran verschwendet man schon ab und zu einen Gedanken.“ Darüber, wen sie sich im Fall der Fälle als Zimmergenossen aussuchen würden, bräuchten Kai Havertz und Arne Maier nicht lange nachdenken.