BUNDESLIGA

Wie Hertha den RB-Angriff auf Plattenhardt abwehrte

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick plaudert Leipziger Interesse aus. Hertha-Manager Michael Preetz kontert mit XXL-Forderung

Rivalen in der Nationalmannschaft: Herthas Marvin Plattenhardt (l.) und Marcel Halstenberg. Nach der Verletzung des Leipzigers wollte RB Plattenhardt nach Leipzig locken

Rivalen in der Nationalmannschaft: Herthas Marvin Plattenhardt (l.) und Marcel Halstenberg. Nach der Verletzung des Leipzigers wollte RB Plattenhardt nach Leipzig locken

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin.  Zum Ende einer Transfer­periode schreibt der Fußball regelmäßig unerwartete und kuriose Geschichten. Manchmal gibt es unerwartete Geschichten, die beinahe passiert wären, am Ende aber nicht zustanden gekommen sind. So geschehen im Fall von RB Leipzig, das Ende Januar Marvin Plattenhardt von Hertha BSC abwerben wollte. Der Austausch war kurz und intensiv – am Ende kam der Deal nicht zustande. Kurios ist die Geschichte trotzdem, wirft sich doch mehrere Schlaglichter auf das Gebaren im Profifußball. So betonte Ralf Rangnick, der Sportdirektor von RB, mehrfach bei seiner Anfrage, ihm sei Diskretion wichtig. Die Angelegenheit solle nicht publik werden.

Dieses Anliegen hat Gründe. Leipzig war unter Druck, weil Linksverteidiger Marcel Halstenberg (26) sich acht Tage vor Ende der Transferperiode einen Kreuzbandriss zuzog und für den Rest der Saison ausfällt. Pikant ist die RB-Anfrage bei Hertha, weil Plattenhardt (26) der direkte Konkurrent von Halstenberg um die Position des linken Verteidigers in der deutschen Nationalmannschaft ist. Beide Akteure kämpfen um einen Platz im Kader von Bundestrainer Joachim Löw für die WM in Russland.

Plattenhardt-Vertrag bei Hertha bis 2023

Ebenfalls pikant ist die Angelegenheit, weil Plattenhardt bei Hertha seinen ohnehin langfristigen Vertrag Ende September 2017 vorzeitig verlängert hat. Nach Informationen der Morgenpost läuft das neue Arbeitspapier von ­Plattenhardt in Berlin bis ­Juni 2023. RB interessierte sich also für einen Spieler im gleichen Alter wie der bereits unter Vertrag stehende Halstenberg, mit einer vergleichbaren (Nationalmannschafts-)Perspektive, der in jedem Fall auch in Leipzig einen langfristigen Kontrakt erhalten hätte.

Die Hertha-Verantwortlichen entsprachen dem Wunsch nach Diskretion – und wundern sich nun, dass es ausgerechnet Rangnick ist, der beim Bezahl-Sender Sky auf Nachfrage bestätigte: Ja, man habe mit Hochdruck nach einer Alternative gesucht. RB habe bei Hertha angefragt wegen Plattenhardt. "Gibt es denn da überhaupt eine Schmerzgrenze? Wenn ja, wo liegt die", so Rangnick. Der RB-Sportdirektor steht unter Druck zu erklären, warum er bis zum 31. Januar, dem Ende der Transferperiode, keinen Ersatz verpflichten konnte.

Brooks-Ablöse plus Nationalspiele-Bonus

Offiziell will sich bei Hertha niemand äußern, es sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Nach mehreren Hintergrundgesprächen kann man aber folgendes Bild zeichnen: Ja, in der letzten Transferwoche ging die RB-Anfrage ein. Der Standpunkt von Hertha-Manager Michael Preetz war sofort klar: Hertha ist nicht interessiert. Das sagt man in diesem Geschäft aber so nicht. Stattdessen stellte Hertha ein Zahlenpaket zusammen mit dem Ziel, eine Summe zu ­benennen, die Leipzig ohnehin nicht ­erfüllen würde.

Die Rechnung kann man sich wie folgt vorstellen: Ausgehend von den 20 Millionen Euro, die Hertha im Sommer vom VfL Wolfsburg für John Brooks erlöst hatte, ist bei Plattenhardt ein Bonus zu addieren, weil er Nationalspieler im Kader des Weltmeisters ist. Plus einem Bonus, damit die Ablöse den Berlinern neue Möglichkeiten für Verstärkungen eröffnen würde. Hertha dürfte seine Schmerzgrenze für einen Plattenhardt-Abgang auf eine Größen­ordnung von 25 bis 30 Millionen Euro beziffert haben.

Plattenhardt äußert sich nicht

Die Antwort aus Leipzig fiel wie ­erwartet aus: Rangnick winkte ab.

Und der Spieler? Mit Plattenhardt habe RB Leipzig nicht gesprochen, wird bei Hertha versichert. Plattenhardt wollte nach dem Training am Dienstagnachmittag keine Aussage zu der ­Angelegenheit machen.

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