Fussball

Hertha: Schlechte Rückrunde soll raus aus den Köpfen

Die Berliner brechen seit Jahren in der Rückrunde ein. Drei Routiniers erklären, warum es diesmal anders kommt.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Berlin.  Auf einige Dinge ist seit Jahren Verlass im deutschen Fußball. Darauf, dass sich Abwehrspieler Holger Badstuber bedauerlicherweise verletzt, ganz gleich, für welchen Klub er spielt. Darauf, dass der Hamburger SV knietief im Abstiegskampf steckt, egal, wie viele Millionen vor Saisonbeginn investiert wurden.

Und darauf, dass Hertha in der Rückrunde zu den schlechtesten Teams der Liga zählt, unabhängig davon, wie der Trainer oder die Spieler beim Berliner Bundesligisten hießen.

„Über die letzten Jahre will ich gar nicht viel reden“, winkt Per Skjelbred ab. Der Norweger hat sie alle erlebt, die vier verflixten Rückserien seit dem Aufstieg 2013, genauso wie Fabian Lustenberger oder Sebastian Langkamp. Und natürlich ahnen alle drei: Auch jetzt wird die chronische Schwäche in der zweiten Saisonhälfte wieder zum Thema gemacht – noch ehe die erste Partie des Jahres gespielt ist.

Fatale Rückserie in der Aufstiegssaison 2013/14

Große Lust, sich mit den Gründen für die Talfahrten nach der Winterpause auseinandersetzen, hat keiner von ihnen, zumindest nicht öffentlich. Einerseits nachvollziehbar, schließlich soll das vermeintliche „Problem“ raus aus den Köpfen. Auf der anderen Seite kann ein Blick auf die Vergangenheit durchaus lohnenswert sein, um die Gegenwart erfolgreicher zu gestalten.

Pauschal von einer Rückrundenschwäche zu sprechen, würde dem Berliner Manko jedenfalls nicht gerecht werden. Betrachtet man die vier abgelaufenen Spielzeiten seit 2013 im Detail, lassen sich ganz unterschiedliche Gründe für den Ergebnis-Einbruch finden. Das Dilemma des Aufstiegsjahres unter Trainer Jos Luhukay lässt sich schwerlich mit dem der vergangenen Saison unter Pal Dardai vergleichen.

Was Hertha als Aufsteiger auszeichnete? Nun, nicht zuletzt die Euphorie eines Bundesliga-Rückkehrers, die die Berliner regelrecht in die Saison katapultierte. Das 6:1 am ersten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt diente der Mannschaft als Rampe in eine erfolgreiche Hinrunde, an deren Ende 28 Punkte standen.

Dardai rettet verkorkste Spielzeit 2014/15

Dass der Schwung nach Weihnachten zunehmend gebremst wurde, ist unter Aufsteigern kein seltenes Phänomen, allein schon deshalb, weil niemand mehr den Fehler begeht, den Neuling zu unterschätzen.

So gewöhnlich der Absturz des Aufsteigers auch gewesen sein mag: Ein Stimmungskiller war er allemal, und ein nachhaltiger obendrein. Die folgende Hinserie 2014/15 endete mit nur 18 Zählern, weshalb von einem Rückrunden-Einbruch keine Rede sein kann.

Nicht Herthas zweite Saisonhälfte, an deren Anfang Luhukays Ende stand, war schlecht – die gesamte Saison war verkorkst. Dass es Dardai gelang, im Abstiegskampf mit einem völlig verunsicherten Team noch 17 Punkte zu holen, war streng genommen beachtlich.

Horrorserie am Ende der Saison 2015/16

Nicht minder bemerkenswert verlief die Spielzeit 2015/16, in der Hertha nach einer sensationellen Hinserie (32 Punkte) im Saisonendspurt die Puste ausging. Der intensive Spielstil, das ständige Laufen am Anschlag forderte seinen Preis. Die Statistik der letzten acht Spiele verkam zum blanken Ergebnis-Horror: sechs Pleiten zwei Remis, 5:18 Tore – nur 18 Rückrundenpunkte.

Das größte Kuriosum bleibt die vergangene Rückserie, in der Hertha zu Hause sogar gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund punktete, zeitgleich aber zum harmlosesten Gästeteam der Liga verkam. Von acht der neun Auswärtsfahrten kehrten die Berliner mit leeren Händen zurück, unterm Strich blieben 19 Zähler. „Erklären kann man das eigentlich nicht“, sagt Lustenberger, „sonst hätten wir damals etwas geändert.“

Etwas ändern will der Schweizer dafür in dieser Saison, zunächst einmal die Perspektive: weg von der vermeintlichen Schwäche der Rückrunde, hin zur Stärke in den ersten 17 Saisonspielen. „Wir haben in den Hinrunden meist über unserem Level gespielt“, gibt Lustenberger zu bedenken: „Dieses Jahr haben wir 24 Punkte, ich glaube, das ist in etwas das, was wir leisten können.“

Weniger Verletzungen, mehr Konkurrenzkampf

Skjelbred ist genauso überzeugt, dass das Team diesmal mehr Balance zeigen wird. „Wir wissen, dass wir besser sein müssen“, sagt er, „aber das Gute ist, dass im Moment alle fit sind.“ Weniger Verletzungen sind ein Mutmacher; das Mehr an Qualität ein weiterer.

„Der Konkurrenzkampf ist in dieser Saison extrem groß“, betont Manager Michael Preetz, „deshalb kann es sich keiner erlauben nachzulassen.“ Tatsächlich verfügt Pal Dardai auf fast jeder Position über gute Alternativen. Schleicht sich Erschöpfung ein – sei es physisch oder mental – kann der Ungar guten Gewissens rotieren.

„Diesmal“, sagt Lustenberger, „wollen wir unsere Hinrunde in der Rückserie bestätigen. Wenn wir da noch einmal 24 Punkte erreichen, kratzen wir wieder an den 50 Punkten.“ Ob diesen Worten auch Taten folgen? Das zeigt sich bis zum 34. Spieltag am 12. Mai. Auch Langkamp weiß: „Wir können von Erfahrung und sonst was reden – letztendlich müssen wir auf dem Platz zeigen, dass wir eine bessere Rückrunden spielen können.“

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