Kolumne

So erfolgreich waren ausländische Trainer noch nie

Die Bundesliga wird von Zugereisten auf der Bank dominiert: Bei Hertha gegen Köln treffen zwei davon aufeinander

Mit Kölns Peter Stöger (l.) und Herthas Pal Dardai (r.) stehen im Moment vier ausländische Trainer mit ihren Teams oben in der Tabelle

Mit Kölns Peter Stöger (l.) und Herthas Pal Dardai (r.) stehen im Moment vier ausländische Trainer mit ihren Teams oben in der Tabelle

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Es gibt momentan zwei Arten von Trainern in der Bundesliga: Die, die als Aktive nichts hingekriegt haben – und Ausländer. Dabei ist festzustellen, dass die Ausländer nahezu alle selbst erfolgreiche Fußballer waren, bevor sie anderen Fußballern ihr Metier zu erklären begannen. Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal müssen wir etwas Grundsätzliches konstatieren: Die Bundesliga wird im Moment von Zugereisten auf den Trainerbänken dominiert. Komisches Wort, ich weiß. Aber Gastarbeiter klingt nach AfD.

Jedenfalls: Nie zuvor waren ausländische Trainer nach sieben Spieltagen einer Saison so erfolgreich wie heute. Das hat die „Welt“ errechnet. Auf den ersten vier Plätzen der Tabelle stehen aktuell vier Klubs, die von Ausländern gecoacht werden: der FC Bayern mit dem Italiener Carlo Ancelotti, der 1. FC Köln und RB Leipzig mit den Österreichern Peter Stöger und Ralph Hasenhüttl sowie Hertha BSC mit dem Ungarn Pal Dardai.

Nur 2014/15 gab es mehr ausländische Trainer

Rutscht man mit dem Finger noch etwas weiter runter im Tableau, erfährt man, dass unter den ersten acht Mannschaften nur zwei von Deutschen trainiert werden: Dortmund von Thomas Tuchel (Platz fünf) und Hoffenheim von Julian Nagelsmann (sechs). Dahinter kommen schon Mainz (sieben) mit dem Schweizer Martin Schmidt und Frankfurt (acht) mit dem in Berlin geborenen Kroaten Niko Kovac.

Insgesamt starteten sieben internationale Cheftrainer in die Saison. Mit dem Ukrainer Viktor Skripnik (Bremen) flog schon einer, mit dem Franzosen Valérien Ismaël, der den ziemlich deutschen Dieter Hecking in Wolfsburg ablöste, rückte ein anderer nach. Nur einmal in der reichhaltigen Geschichte der Bundesliga standen am siebten Spieltag einer Saison mehr ausländische Trainer in Lohn und Brot: Vor zwei Jahren waren es neun.

77 internationale Trainer aus 23 Nationen

Was sagt uns das? Dass die Globalisierung nun auch die Trainerbänke der deutschen Eliteliga erreicht hat? Eher nicht. Das war schon immer so. Mindestens einen ausländischen Trainer gab es bisher in jeder einzelnen Saison seit Erfindung der Liga 1963. Meist waren es mehr, und häufig hinterließen sie Spuren.

Es gab den Trinker Branko Zebec, den Grantler Ernst Happel, es gab den Knurrer Huub Stevens und das Feierbiest Louis van Gaal, der seinen Bayern zur Abschreckung in der Kabine mal sein Skrotum gezeigt haben soll. Und es gab die, die mit der Sprache haderten wie Giovanni Trapattoni. 77 ausländische Trainer aus 23 Nationen sind bis heute gezählt. Sie haben die Liga geprägt, Sprüche hinterlassen und Titel gewonnen: insgesamt zwölf.

Bei Hertha gab es fünf Ausländer: Pal Csernai, Stevens, Lucien Favre, Jos Luhukay und nun Dardai.

Gegen den Trend in der Bundesliga

Wie kann man die aktuelle Dominanz der Ausländer in der Bundesliga also erklären? Ich kann es Ihnen nicht sagen. Vielleicht ist es Zufall, wahrscheinlich eine Momentaufnahme. Aus Berliner Sicht aber ist es eine nette: Denn an diesem Sonnabend treffen zwei dieser Liga dominierenden Ausländer im Spitzenspiel aufeinander.

Es wird das Duell der ehemaligen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Der Wiener Stöger tritt mit Köln auf den Ungarn Dardai und Hertha. Beide halten in ihren Klubs die Bestmarke für den niedrigsten Schritt von Gegentoren pro Spiel: Dardai steht bei 1,1 (64 in 56 Bundesligaspielen), Stöger bei 1,2 (86 in 75).

Aber das ist noch nicht alles, was beide verbindet. An Dardai und Stöger kann man auch einen Trend ablesen, der dem gefühlten im Trainerwesen der Bundesliga entgegensteht: Während von den elf deutschen Übungsleitern neun keine erfolgreiche Profi-Karriere aufweisen können (nur Dirk Schuster in Augsburg und Nobert Meier in Darmstadt), trifft das bei den Ausländern lediglich auf den Mainzer Lebenskünstler Schmidt zu. Fünf der sieben Zugereisten waren sogar Nationalspieler wie Dardai und Stöger.

Wenn derzeit also ein Trainer eingestellt wird, ist er entweder Deutscher und kein Ex-Profi, oder er ist Ausländer und konnte selbst prächtig kicken. Wie erklärt sich das? Ich kann es Ihnen nicht sagen.