Strafbefehl erlassen

Hertha-Profi Kurt soll pornografische Fotos verschickt haben

Gegen Herthas Sinan Kurt ist Strafbefehl erlassen worden. Er soll anzügliche Fotos an Minderjährige verschickt haben.

Sinan Kurt bei der Abschlussfahrt von Hertha BSC auf Mallorca

Sinan Kurt bei der Abschlussfahrt von Hertha BSC auf Mallorca

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Im Friesenhof an der Hanns-Braun-Straße, wo Hertha BSC seine Geschäftsstelle untergebracht hat, stehen Baugerüste. An den roten Backsteinfassaden wird gewerkelt. Alles wird dort auf Vordermann gebracht, wo ein Verein gerade dabei ist, sein verstaubtes Image aufzupolieren. Sportlich läuft es beim Bundesligisten. Hertha steht auf Tabellenplatz vier. Zudem wird an der Stärkung der Marke gearbeitet.

Dem keineswegs zuträglich ist die Schlagzeile, die am Mittwoch in der „Bild“ zu lesen war: „Staatsanwalt sicher: Hertha-Profi verschickte Penis-Fotos.“ Das Boulevardblatt berichtet über einen Strafbefehl, der gegen Herthas Spieler Sinan Kurt erlassen worden sein soll. Die Berliner Polizei, so die „Bild“, habe wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Schriften gegen den 20-Jährigen ermittelt. Kurt soll laut „Bild“ anzügliche Fotos seines Geschlechtsteils an Minderjährige verschickt, beziehungsweise sie ihnen zugänglich gemacht haben. Nachdem die Ermittlungen beendet waren, sei ein Strafbefehl erlassen worden. Kurt wurde demnach aufgefordert, 25 Tagessätze zu je 800 Euro und damit insgesamt 20.000 Euro zu zahlen.

Verein äußert sich nicht

Hertha BSC wollte sich auf Nachfrage der Morgenpost nicht zu dem Fall äußern und verwies auf das laufende Verfahren. Kurts Berater Michael Decker war am Mittwoch nicht zu erreichen. Decker wird in der „Bild“ mit den Worten zitiert: „Der Strafbefehl wurde erlassen, ohne dass Sinan Kurt sich zu dem Vorwurf geäußert hat. Er bestreitet den Vorwurf und wird unverzüglich Rechtsmittel einlegen.“ Es ist eine Affäre mit Fragezeichen.

Richterin Monika Pelcz, stellvertretende Pressesprecherin der Strafgerichte Berlin und betraut mit dem Fall Kurt, sagte der Morgenpost: „Ein Verfahren ist anhängig.“ Grundsätzlich, erklärte Pelcz, müsse jedem Beschuldigten vor einem Strafbescheid rechtliches Gehör eingeräumt werden. Ob der Beschuldigte dies wahrnehme oder nicht, liege bei ihm. Es könne aber auch vorkommen, dass ein Strafbescheid nicht beim Beschuldigten ankommt – etwa wenn er von seinem Wohnort verzogen ist.

Offen ist nämlich bisher die Frage, ob Kurt die Möglichkeit zu einer Stellungnahme hat verstreichen lassen, oder ob er gar keine Möglichkeit dazu hatte. Offen dagegen ist nicht, wann sich der Vorfall ereignet haben soll: Es handelt sich um Kurts Berliner Zeit. Der Mittelfeldspieler war im Januar für rund 500.000 Euro vom FC Bayern gekommen. Das Urteil des Strafgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Kurt kann und wird sehr wahrscheinlich Widerspruch einlegen. Dann käme es zu einer Verhandlung. Bei einer rechtskräftigen Verurteilung wäre der Fußballprofi allerdings nicht vorbestraft, doch sein Image wäre beschädigt. Noch allerdings muss die Unschuldsvermutung gelten.

Gegen Köln steht der 20-Jährige trotzdem im Kader

Kurt musste sich bei Herthas Manager Michael Preetz erklären. Im Heimspiel am Sonnabend gegen den 1. FC Köln wird der Flügelspieler zum 18-Mann-Kader gehören, aber nicht von Beginn an auflaufen. Nach seiner Ankunft hatte Kurt nur in der U23-Auswahl gespielt. Zuletzt aber hatte ihm Cheftrainer Pal Dardai sportliche Fortschritte attestiert und ihn sogar gegen den HSV vor drei Wochen zum ersten Mal eingewechselt.

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wird es allerdings Konsequenzen vom Verein geben, denn ansonsten wäre die Marke Hertha auch beschädigt