Erhöhte Stadionmiete

Preetz: „Müssen Pläne für eigene Hertha-Arena intensivieren“

Hertha BSC ist geschockt über die Erhöhung der Stadionmiete. Sie soll von 3,5 auf 7,5 Millionen Euro steigen. Nun drohen Konsequenzen.

Michael Preetz ist wenig erbaut über die geplante Verdopplung der Miete für das Olympiastadion

Michael Preetz ist wenig erbaut über die geplante Verdopplung der Miete für das Olympiastadion

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin. Es wird voll werden im Olympiastadion. 55.000, vielleicht 60.000 Zuschauer erwartet Hertha BSC am Sonnabend gegen den SV Darmstadt (Anstoß um 15.30 Uhr). Es ist das letzte Bundesliga-Heimspiel der Saison, Hertha kämpft um ein internationales Ticket. Die Gäste bringen viele Fans mit, Darmstadt braucht mindestens noch einen Punkt für den Klassenerhalt.

Den Blick auf den, zu jenem Zeitpunkt leeren Rasen hatten auch die neun Personen, die sich am Mittwochnachmittag in einer VIP-Loge des Stadions trafen.

Dabei waren unter anderem Timo Rohwedder, Geschäftsführer der ­Stadionbetreiber­gesell­schaft, Harald Bosch-Soleil, zuständiger Referatsleiter in der Sportverwaltung, sowie Finanz-Chef Ingo Schiller und Geschäftsstellenleiter Thomas E. Herrich für Hertha BSC. Es ging um Geld. Genauer gesagt, um die Konditionen, die die Betreibergesellschaft für die Verlängerung des im Juni 2017 ­auslaufenden Mietvertrages aufruft.

Hertha soll die Catering-Rechte verlieren

Die Reaktion bei Hertha beschrieb Manager Michael Preetz: „Wir waren geschockt.“ Schriftlich wollte die Betreiberseite die Zahlen nicht auf den Tisch legen. Mündlich teilte Rohwedder mit: Die Miete pro Saison soll steigen auf 7,5 Millionen Euro. Das entspricht in etwa einer Verdopplung des bisherige Miete, die, abhängig von der Zuschauerzahl, zwischen 3,5 und vier Millionen liegt.

Zudem wurde Hertha mitgeteilt, dass die Catering-Rechte ab 2017 an die Betreibergesellschaft gehen. Die liegen bisher bei Hertha, der Wert wird auf 1,5 Mio. Euro pro Jahr taxiert. Als Laufzeit soll nach dem Willen der Betreiber-Seite der neue Miet­vertrag auf 15 Jahre datiert sein.

Daraus ergibt sich folgendes Bild: 15 Jahre mal 7,5 Mio. ergeben für den Zeitraum von 2017 bis 2032 eine Miete von 112,5 Millionen Euro. Addiert man 15 Jahre mal 1,5 Millionen Euro für Cateringrechte sind das 22,5 Mio. Ein Vertrag im Olympiastadion von 2017 bis 2032 würde Hertha demnach 135 Millionen kosten.

"Sollen wir die Ticketpreise verdoppeln?"

Innensenator Frank Henkel (CDU), Vorsitzender des Aufsichtsrates der Betreibergesellschaft, versuchte die Angelegenheit als positiv gemeint darzustellen. Der Senat wollte die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren, bestätigte aber, dass es am Mittwoch ein erstes Vertragsgespräch gegeben habe.

Henkel formulierte auf Morgenpost-Nachfrage, es sei das Interesse von Berlin, dass Herthas Zukunft weiter im Olympiastadion liegt. „Hertha steht mit dem Olympiastadion eine qualitativ hochwertige Spielstätte zur Verfügung“, sagte Henkel. „Die Zusammenarbeit hat sich auch in schwierigen Zeiten bewährt, beide Seiten wissen, was sie aneinander haben.“

Bei Hertha empfinden sie die Forderungen als grob unfreundlichen Akt. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Morgenpost: „Wie stellt sich der Senat das vor: Sollen wir die Ticketpreise verdoppeln?“

Die Stadion-Miete in der Liga kostet im Schnitt 4,7 Millionen Euro

Schnürt man das Paket auseinander, ergeben sich folgende Einzelteile. Hertha ist bei der Stadionmiete bisher sehr günstig weggekommen. Der durchschnittliche Stadion-Mietpreis in der Bundesliga liegt laut stadionwelt.de bei durchschnittlich 4,7 Millionen Euro.

Den höchsten Preis zahlt Eintracht Frankfurt mit 8,5 Millionen Euro Miete. Allerdings treten nur noch wenige Vereine als Mieter bei der Stadt auf (Hertha, Frankfurt, Mainz, Köln). Den meisten Klubs gehören ihre Stadien, oder sie haben Anteile an einer Stadiongesellschaft.

Die Frage der Catering-Rechte ist seit Jahren umstritten. Das Rechtsverständnis des Senats hat Henkel im Juli 2013 dargelegt auf eine Anfrage der Linksfraktion: „Nach dem Pacht- und Betreiber-Vertrag zwischen dem Land und der Betreibergesellschaft, steht ab 1.7. 2017 das gastronomische Recht für das Olympiastadion ausschließlich und vollumfänglich der Betreibergesellschaft zu.“

Die Rechtsauffassung von Hertha ist eine andere: Die Catering-Rechte gehören dem, der sie wertvoll macht. Das sei Hertha mit 20 Spielen und einer Million Besucher pro Jahr.

Der Klub will einen Fünf-Jahres-Vertrag

Als Retourkutsche seitens des Senats kann man die Laufzeit werten. Hertha hat, offensichtlich zum Missfallen einiger Beteiligter laut darüber nachgedacht, mittelfristig in ein eigenes Stadion zu ziehen. Deshalb ist der Klub an einem Fünf-Jahres-Vertrag interessiert. Wenn die Betreibergesellschaft nun 15 Jahre fordert, ist das nur als Machtdemonstration zu verstehen.

Unverständlich ist das Vorgehen deshalb, weil sich bei den Maximalpositionen keine Gewinner ausmachen lassen. Was immer Innensenator Henkel heute fordern lässt – am 18. September wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Niemand weiß, welche Parteien den neuen Senat bilden. Niemand weiß, wo der Sport künftig angesiedelt sein wird.

Machbarkeitsstudie von Gerkan, Marg und Partner

Hertha-Manager Michael Preetz kommt auf das Thema Stadion-Auszug zurück: „Wenn die Vorstellung auf Seiten der Stadionbetreiber ist, dass Hertha BSC in den kommenden 15 Jahren eine signifikante dreistellige Millionen-Summe bezahlt, werden wir die Pläne einer eigenen Hertha-Arena definitiv intensivieren müssen.“

Hertha treibt die Idee einer Alternative zum Olympiastadion voran: Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie ­vergeben. Die soll alle Aspekte berücksichtigen wie Standort, Architektur, Kapazität, ­Kosten. Der Auftrag wird mutmaßlich gehen an Gerkan, Marg und Partner (gmp).