Bundesliga

Hertha hat das Spiel verloren, doch Europa gewonnen

Leverkusen zieht in die Champions League ein, Hertha bleibt nach einer enttäuschenden Partie immerhin der Europa-Pokal.

Herthas Marvin Plattenhardt (links) und Niklas Stark (rechts) gegen Chicharito

Herthas Marvin Plattenhardt (links) und Niklas Stark (rechts) gegen Chicharito

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Leverkusen.  Pal Dardai war einer der ersten Gratulanten beim Kollegen Roger Schmidt. Hertha BSC war trotz einer leidenschaftlichen Vorstellung im „Endspiel um Platz drei“ mit 1:2 (1:2) bei Bayer Leverkusen unterlegen gewesen. Damit hat der Werksklub das dritte deutsche Ticket für die Champions League nach dem FC Bayern und Borussia Dortmund bereits gelöst. Hertha ist nach der elften Saisonniederlage auf Rang fünf abgerutscht. Die gute Nachricht: Dadurch, dass der Abstand zu Platz acht bereits acht Punkte beträgt, wird Hertha in der Saison 2016/17 in jedem Fall international spielen.

Schwarzer April mit fünf Niederlagen

Somit legte Hertha einen schwarzen April hin und holte aus sechs Spielen fünf Niederlagen. „Das ist schlecht“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. „Aber wenn wir die Zweikampfführung wie hier noch zweimal rausholen, schaffen wir die sechs Punkte, die wir ­brauchen.“

In den letzten beiden Partien spielt Hertha daheim am kommenden Sonnabend gegen Darmstadt und im letzten Spiel in Mainz (14. Mai). Um die Plätze vier bis sieben, also die Qualifikation zur Champions League sowie die Europa League, konkurrieren nun noch Gladbach, Hertha (beide 49 Punkte), Schalke (48) und Mainz (46).

Zunächst war Hertha wieder einmal der positive Druck nicht bekommen. Schon vor dem Anpfiff war klar, dass das Team international dabei ist. Doch hellwach waren nur die Hausherren. Nach 77 Sekunden lag Hertha bereits zurück. Marvin Plattenhardt ließ einen Ball leichtfertig ins Seitenaus springen. Leverkusens Karim Bellarabi schaltete am schnellsten, warf den Ball rasch ein, wenn auch regelwidrig mit einem Bein weit im Spielfeld stehend. Hakan Calhanoglu passte zu Charles Aranguiz, der legte direkt weiter auf Julian Brandt. Der 19-Jährige schob eben mal Hertha-Routinier Peter Pekarik (65 Länderspiele für die Slowakei) beiseite und vollendete ins lange Eck, 0:1, der sechste Treffer des Teenagers im sechsten Spiel in Folge (2.).

Die breite Brust der Gastgeber, die ihre letzten sechs Begegnungen alle gewonnen hatten, wurde noch etwas breiter, die Gäste wackelten. Nach einer Bayer-Ecke konnte im eigenen Strafraum weder Herthas Abwehrchef Sebastian Langkamp klären, noch ­Kapitän Fabian Lustenberger, am Ende schob Leverkusens Lars Bender den Ball aus einem Meter über die Linie, 0:2 (16.).

Als niemand mehr mit den Blau-Weißen rechnete, zeigten die Mannen von Trainer Pal Dardai eine Qualität, die sie über weite Strecken dieser Saison getragen hatte: Mochte der Rückstand auch erheblich sein, die Mannschaft glaubte an sich. Pekarik schaltete den Vorwärtsgang ein und flankte in den Strafraum. Vedad Ibisevic, zum ersten Mal wieder ohne Maske, kam mit Anlauf und wuchtete den Ball per Kopf unter die Latte, nichts zu halten für Bayer-Torwart Bernd Leno, nur noch 1:2 (21.). Ibisevic feierte seinen zehnten Saison-Treffer.

Torwart Rune Jarstein sorgte mit mehreren Paraden dafür, dass das so blieb: Bei einem Aranguiz-Schuss aus 18 Metern (30.), einem Calhanoglu-Freistoß (39.), sowie nach einem 60-Meter-Solo von Bellarabi, als der Norweger ganz lange stehen blieb und den Ball dann mit der rechten Hand am Tor vorbei lenkte (52.).

Hertha nun mutiger: Niklas Stark schaufelte den Ball übers Bayer-Tor (55.). Einen Aufsetzer von Tolga Cigerci bekam Bayer-Schlussmann Leno erst im Nachfassen unter Kontrolle (62.). Trainer Dardai brachte Genki Haraguchi für den schwachen Kalou und Alexander Baumjohann für Skjelbred.

Diskussionen um Schiedsrichter Stieler

Der Hauptstadt-Klub nun mutiger - gleichzeitig hatte Bayer Raum für Konter. Erneut klärte Herthas Bester, Jarstein, mit einer starken Reflex gegen den frei vor ihm aufgtauchen Bellarabi (80.). Ob Stark, Lustenberger, Plattenhardt, Weiser, alle knieten sich mit Leidenschaft in die Aufgabe – aber der eine entscheidende Abschluss wollte Hertha nicht gelingen. Am Ende haderten die Gäste imer wieder mit Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg), der in der zweiten Hälfte alle engen Entscheidungen zu ungunsten von Hertha auslegte. Kapitän Lustenberger sagte: „Der Schiedsrichter hat sicher nicht für uns gepfiffen. Aber er hat das Spiel nicht entschieden. Kein Alibi: Verloren ­haben wir es in den ersten 20 Minuten. Warum, dafür habe ich keine ­Erklärung.“