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Michael Preetz ist auf dem Weg zum Manager-Dino der Liga

Führung hat berechenbar zu sein. Warum Michael Preetz bei Hertha BSC einen neuen Vertrag bis 2019 erhalten wird, sagt Uwe Bremer.

Hertha-Manager Michael Preetz

Hertha-Manager Michael Preetz

Foto: dpa

Eine Regel von Werner Gegenbauer lautet: Führung hat berechenbar zu sein. Das hält der Unternehmer seit Jahren auch in seiner Funktion als Präsident von Hertha BSC so. Um seinen Geschäftsführern jegliche Diskussion zu ersparen, ob sie auf den Status einer „lame duck“ zulaufen, entscheidet das Hertha-Präsidium jeweils ein Jahr vor Auslaufen der Verträge, wie es um eine Verlängerung bestellt ist. Grundsätzlich ist Gegenbauer, mit Blick auf die Unwägbarkeiten der Branche, kein Freund von sehr lange laufenden Arbeitspapieren.

Bei Hertha hat er seit 2009 eine Konstruktion etabliert, wonach die Schlüsselpositionen in der Geschäftsführung ausgestattet werden mit Dreijahresverträgen, gefolgt von einem Zweijahresvertrag. Der Kontrakt von Michael Preetz, Geschäftsführer Sport und ­Medien/Kommunikation, läuft bis Juni 2017. Also ist zu erwarten, dass Preetz in den kommenden Wochen, spätestens bis zur Mitgliederversammlung am 23. Mai, einen neuen Vertrag erhalten wird. Der Arithmetik folgend, wird der eine Laufzeit haben bis 2019.

Hertha hat unter Preetz turbulente Jahre erlebt samt zwei Abstiegen (2009 und 2011) und zwei Aufstiegen (2010 und 2012). Schon kurios: Gesäumt war sein Weg mit Überschriften wie „Verloren im Absturz“, „Einfach peinlich, Herr Preetz“ oder „Der schlechteste Manager der Bundesliga“. Doch so laut die Branche ist, so grell die Schlagzeilen – Hertha setzt in der Führung auf Kontinuität. Werner Gegenbauer ist seit 2006 der starke Mann im Verein. Preetz ist seit 2009 im Amt, Finanzchef Ingo Schiller gar seit 1998.

Kontinuität ist das, was im Profigeschäft alle anstreben. Kontinuität ist aber schwer hinzubekommen. So hatte Hannover 96 seit 2009 gleich vier Manager am Start (Christian Hochstätter, Jörg Schmadtke, Dirk Dufner, Martin Bader). Beim FC Schalke gaben seit 2009 die Sportdirektoren Peter Peters, Felix Magath und Horst Heldt viel Geld aus. Nun kommt Christian Heidel. Noch krasser geht es beim VfB Stuttgart zu. Dort werkelten Horst Heldt, Fredi Bobic und nun Robin Dutt. Bobic hatte allein in seiner VfB-Zeit von 2010 bis 2014 drei Präsidenten und zwei Aufsichtsratsvorsitzende.

70 Prozent aller Bundesligisten können in Abstiegsnot geraten

Die Ängste, die zu vielen Wechseln führen, sind in anderen Städten die gleichen, wie sie auch bei Hertha bekannt sind. Fans, Mitgliedern, Vereinsverantwortlichen fällt es schwer zu akzeptieren, dass 70 Prozent aller Bundesligisten potenziell in der Gefahr stehen, in Abstiegsnot zu geraten – bis hin zur Konsequenz, tatsächlich abzusteigen. Hertha setzt, was das Präsidium und die Managerposition angeht, auf Kontinuität. Anders gesagt: Preetz ist keiner für die Kurzstrecke, er braucht Dauer, um wirken zu ­können. Er wird weder deutschland- noch europaweit als charismatischer Manager wahrgenommen. Dafür kommt er bei seinen öffentlichen Auftritten etwa bei Mitgliederversammlungen oder im Fernsehen zu spröde rüber.

Je kleiner die Runden werden, desto mehr kann Preetz seine Qualitäten ausspielen. Ob vor 45 Anhängern beim Fanklubtreffen in einem Hinterzimmer von Moabit, beim Treffen mit hochkarätigen Wirtschaftsmanagern oder im Sechsaugengespräch mit einem umworbenen Spieler und dessen Berater, da ist Preetz schlagfertig, witzig – und sehr professionell. Sein Netzwerk in der Branche ist gut. Seine Transferbilanz bei Hertha ist – trotz Flops wie Artur Wichniarek, John Heitinga oder Jens Hegeler – überragend. Erinnert sei an die Multimillionenverkäufe von Raffael, Adrián Ramos und Pierre-Michel Lasogga. Die aktuelle Saison – Hertha ist Liga-Vierter – ist die mit Abstand beste unter der Ägide Gegenbauer/Preetz.

Auf der zweiten Schlüsselposition, der des Trainers, ist Preetz die Sache mit der Kontinuität weit weniger gelungen. Mit Pál Dárdai ist der siebte ­Trainer seiner Amtszeit am Werk nach Jos Luhukay, Otto Rehhagel, Michael ­Skibbe, Markus Babbel, Friedhelm ­Funkel und Lucien Favre. Um mit den ­Worten des ehemaligen Hertha-Kapitäns André Mijatovic zu schließen: „Da ist noch Luft nach oben.“

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