Bundesliga

Hertha will endlich wieder einen Großen ärgern

In Leverkusen will Hertha gegen einen Favoriten gewinnen. Helfen sollen die genesenen Stammkräfte – und ein kleiner Trick.

Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (r.), hier im Zweikampf mit dem Münchner Serdar Tasci, will in Leverkusen erstmals wieder ohne Maske auflaufen

Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (r.), hier im Zweikampf mit dem Münchner Serdar Tasci, will in Leverkusen erstmals wieder ohne Maske auflaufen

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Bälle flogen tief über dem Schenckendorffplatz. Herthas Cheftrainer Pal Dardai ließ seine Profis das tun, was Fußballer gemeinhin am liebsten machen, nämlich Tore schießen. Präziser müsste man allerdings formulieren: Er gab ihnen reichlich Gelegenheit dazu. Drei Gruppen, drei Tore – Feuer frei, einer nach dem anderen.

Die Zahl der Treffer hielt sich allerdings in Grenzen. Mehrfach segelten die Spielgeräte in hohem Bogen über die Fangnetze, landeten teilweise sogar in der angrenzenden Botanik. Kamen die Schüsse dann doch aufs Tor, erwiesen sich meist die drei Berliner Keeper als Spielverderber, allen voran Rune Jarstein, der sich schon am Dienstag auf dem Trainingsplatz zurückgemeldet hatte.

Torwart Jarstein meldet sich fit

Wegen einer Hüftprellung hatte der Norweger das Spiel gegen Bayern München verpasst. Am Mittwoch segelte er schon wieder schmerzfrei durch den Strafraum, bei Bayer Leverkusen wird er am Sonnabend (18.30 Uhr) also zwischen den Pfosten stehen.

Herthas Nummer eins ist nicht der einzige, der sich rechtzeitig zum Topspiel beim Tabellendritten zurückmeldet. Auch die zuletzt erkrankten Genki Haraguchi und Per Skjelbred sind wieder einsatzbereit. Dardai hat es mit Zufriedenheit registriert. Der Ungar weiß: Um in Leverkusen etwas mitzunehmen, wird bei Hertha vieles passen müssen.

Während sich die Berliner mit vier ­Niederlagen aus fünf Pflichtspielen in die Euphorie-Flaute manövriert haben, ist der Werksklub mit sechs Siegen von Rang acht auf Platz drei gestürmt. „Leverkusen schwimmt jetzt auf der Euphoriewelle“, sagt Stefan Beinlich, der als Profi sowohl für Bayer (1997-2000) als auch für Berlin (2000-03) spielte. „Die möchten Hertha jetzt vom Platz fegen, um auf die Champions League den Deckel draufzumachen.“ Ein Sieg am Sonnabend und die Teilnahme an der Königsklasse wäre so gut wie sicher.

Gute Erinnerungen an Leverkusen

Auf die Tabelle schaut Pal Dardai nach eigener Aussage äußerst selten. Stattdessen ist er ein Mann konkreter Ziele, Stichwort Pokalfinale. Die neuste Vorgabe lautet: sechs Punkte aus den verbleibenden drei Spielen.

Vielleicht hilft den Berlinern gegen Leverkusen ja die Erinnerung. Im Hinspiel gelang ihnen schließlich ein Novum. Erstmals unter Dardai gewannen sie gegen einen Großen. Mittlerweile wurde im Olympiastadion auch Schalke bezwungen, Dortmund und Wolfsburg ließen jeweils einen Punkt. In der Fremde aber sieht die Bilanz gegen die Champions-League-Anwärter mau aus. Fünf Spiele, null Punkte, 2:14 Tore.

„Die Chance auf das Pokalfinale“, sagt Beinlich, „kommt für Hertha vielleicht so schnell nicht wieder. Das ist bitter, darf jetzt aber keine Rolle mehr spielen. Die Jungs müssen das abhaken.“ Der erste Schritt der Frustverarbeitung scheint mit dem couragierten Auftritt gegen den FC Bayern gelungen. Nun soll der nächste folgen.

Ibisevic probt Einsatz ohne Maske

Auch taktisch scheint Dardai auf dem München-Spiel aufbauen zu wollen. Im Training hielt er jedenfalls an seiner neuen Defensivformation fest. Niklas Stark wird wohl auch in Leverkusen als Sechser auflaufen. Die Innenverteidigung dürften Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger bilden, auch weil John Brooks erneut verletzt ist.

Ein anderer lädierter Hertha-Profi will wieder voll angreifen, und zwar mit einem Trick. Vedad Ibisevic erprobt nach seinem Kieferhöhlenbruch den Einsatz ohne Gesichtsmaske. „Ohne ist besser“, sagt der Bosnier knapp, eine Entscheidung fällt aber erst kurzfristig. In den drei Spielen mit Maske hatte Ibisevic nur zwei Torschüsse abgegeben.

Dardai gab allerdings zu bedenken, dass es nicht auf die Menge ankomme. Angesprochen auf die schlechte Torausbeute im Training sagte er: „Wenn es das Siegtor ist, dann reicht uns ­Sonnabend ein einziges.“ Treffer.