Drei Niederlagen in einer Woche, das hat es in der Amtszeit unter Pal Dardai noch nicht gegeben. Die erstaunliche Nachricht nach den Partien gegen Hoffenheim (1:2), Dortmund (0:3 im Pokal-Halbfinale) und FC Bayern (0:2): Die Chancen von Hertha BSC auf die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb sind voll intakt. Nach 31 Runden reicht den Berlinern aus den letzten drei Spielen ein Punkt, um definitiv in der Europa League zu starten. Mit drei Zählern hätte Hertha Rang fünf oder sechs sicher. Wer am Saisonende dort einläuft, ist direkt qualifiziert für die Gruppenphase der Europa League. Platz sieben bedeutet den Start in der Play-off-Runde vor der Gruppenphase.
Damit nicht genug: Hertha ist aktuell Tabellen-Vierter. „Wir versuchen diesen Platz zu verteidigen, dafür brauchen wir sechs Punkte“, rechnet Trainer Pal Dardai hoch. Rang vier bedeutet das Startrecht für die Qualifikation zur Champions League.
Herthas notorische April/Mai-Schwäche
Das ausstehende Programm ist anspruchsvoll. Hertha spielt noch gegen Leverkusen (30. April/auswärts), Darmstadt (7. Mai/heim) und Mainz (14. Mai/a). Auch wenn der Auftritt gegen den designierten Deutschen Meister FC Bayern im ausverkauften Olympiastadion ein Stimmungsaufheller war nach der ernüchternden Pokal-Partie gegen den BVB am Mittwoch: Will Hertha die bemerkenswerte Saison krönen, braucht es Siege. Dafür muss der blau-weiße Jahrgang 2016 schnellstens diese Müdigkeit abstellen, die Hertha seit Jahren auf den letzten Saison-Metern befällt. Seit dem Spieljahr 2009/10 plagt den Hauptstadt-Klub eine notorische April/Mai-Schwäche.
Herthas Schwäche im Endspurt
Bilanz Die Zahlen zur Endspurt-Schwäche von Hertha BSC in den vergangenen vier Bundesliga-Spieljahren sowie der laufenden Saison.
2015/16 ein Sieg aus den letzten fünf Spielennach 31 Runden Rang vier/49 Pkt.
2014/15 ein Sieg in den letzten acht SpielenEndstand Rang 15/35 Pkt.
2013/14 ein Sieg in den letzten zwölf SpielenEndstand Rang 11 /41 Pkt.
2011/12 ein Sieg in den letzten sieben SpielenEndstand Rang 16/31 Pkt.
2009/10 ein Sieg in den letzten sieben SpielenEndstand Rang 18/ 24 Pkt.
Aktuell hat das Team um Kapitän Fabian Lustenberger aus den letzten vier Liga-Partien einen Punkt geholt, ein 2:2 gegen Schlusslicht Hannover. Und drei Niederlagen kassiert gegen Gladbach, Hoffenheim und die Bayern.
Frische Leverkusener als Vorbild
Niemand weiß besser um diesen Trend als der Trainer. „Zum Ende der Hinrunde konnten wir zulegen durch unsere gute Kondition und haben im Dezember alle vier Spiele gewonnen“, erinnert Pal Dardai. „Wenn man aber aktuell schaut, hat Leverkusen die Frische.“ Bayer, am Sonnabend Gastgeber von Hertha, hat seine letzten sechs Spiele sämtlich gewonnen.
Nachdem die Berliner über Wochen den Eindruck gemacht hatten, als würde die Mannschaft immer müder, weil zu wenig Spieler zu viele Spiele absolvieren müssten, schöpfte Hertha aus dem Auftritt gegen die Bayern Hoffnung. Von den neu ins Team gekommenen Spielern legte Youngster Maximilian Mittelstädt (19) ein erfrischendes Startelf-Debüt hin. Niklas Stark (21), erstmals im defensiven Mittelfeld aufgeboten, lieferte eine gute Leistung ab. Der Trainer ließ durchblicken, dass er Stark für die kommende Saison im Abwehrzentrum sieht, ihn aber aus Entwicklungsgründen in den kommenden Wochen aber im Mittelfeld einsetzen werde.
Lob für Stocker, indirekte Kritik an Cigerci
Tolga Cigerci bot nach zwei Partien, in denen er nicht im Kader stand, gegen München eine engagierte Vorstellung. „Es liegt nicht am Trainer oder an der Taktik, sondern an Tolga selbst“, sagte Dardai. „Wenn er Zweikämpfe gewinnt und aggressiv spielt, wie gegen die Bayern, und mitdenkt und nicht nur irgendwie vor sich hin spielt, sieht das gut aus.“
Auch Valentin Stocker, zum ersten Mal seit Oktober 2015 in der Startelf, war gut dabei. „Es zeigt, dass wir einen guten Teamgeist haben“, lobte Dardai die Neuen. Im Moment ist es müßig, die Frage zu diskutieren, warum der Trainer nicht vorher schon mutiger rotiert hat. Bei der Saisonauswertung des Trainer-Teams sollte diese Frage aber auf der Analyse-Liste stehen.
Sehnsucht nach internationaler Erfahrung
„Die positive Erkenntnis, die wir aus dem Bayern-Spiel mitnehmen, ist, dass wir verschiedene Spieler gesehen haben auf neuen Positionen, die alle einen guten Job gemacht haben“, sagte Manager Michael Preetz.
Dieser Aspekt ist für Dardai ein wesentlicher: „Aus der vergangenen Saison, als wir so gerade eben die Klasse gehalten haben, konnten wir nichts mitnehmen“, sagt Dardai. „Aber jetzt haben wir eine Basis, auch für die kommende Saison.“ Deshalb sei das erreichen einen Europacup-Wettbewerbes so wichtig. Dardai: „Wir als Hertha werden nächstes Jahr weder die Champions League gewinnen noch die Europa League. Aber wichtig sind die Spiele, um die internationale Erfahrungen mitzunehmen.“
„Platz fünf oder sechs ist auch o.k.“
Um den Trend der notorischen Hertha-Schwäche auf der Saison-Zielgeraden zu wenden, weist der Trainer auf zwei Dinge. „Wenn du keine Chancen hast, machst du keine Tore“, wies Dardai auf ein Manko, das Hertha gegen die Bayern hatte. Ein klein wenig Glück könne auch nicht schaden. Eines werde er jetzt aber nicht machen: „Irgendwelche Versprechungen. Da wäre ich als Trainer nicht klug. Wir versuchen alles, um den vierten Platz zu verteidigen. Wenn es am Ende Rang fünf oder sechs wird, ist das auch o.k.“




