Kann er? Oder kann er nicht? Dass ein einzelner Spieler im Training derart unter Beobachtung steht wie Vedad Ibisevic am Donnerstag, kommt nicht oft vor bei Hertha BSC. Der Stürmer hatte sich beim jüngsten 2:2 gegen Hannover eine Fraktur der linken Augenhöhle zugezogen und erprobte nun seine Einsatzfähigkeit mit einer speziell angefertigten Schutzmaske. Pal Dardai schaute sich das genau an. Kann er? Oder kann er nicht?

Am Mittag lieferte der Trainer die Antwort. „Vedad sieht richtig, die Maske stört ihn nicht“, sagte Dardai nach dem ersten Test, „wenn am Freitag nichts passiert, wird er in Hoffenheim spielen.“ Bereits am Morgen hatte Ibisevic ein Bild bei Instagram gepostet, das ihn bei der Masken-Anprobe zeigt. Ein bedrohlicher Anblick, irgendwo zwischen dem mörderischen Hannibal Lecter, römischem Gladiator und Batman. Passe doch ganz gut zu seinem Spitznamen „Vedator“, befand ein Fan im Internet. „Besser als vorher“, witzelte ein anderer.

Ibisevic ist auch wichtig für Kalou

Ob er mit Maske auch genauso gut Fußball spielen kann wie zuvor, wird sich am Sonnabend zeigen müssen. Neun Tore hat der Bosnier (31) in dieser Bundesligasaison bereits erzielt, vier weitere Treffer vorbereitet. Eindrucksvolle Werte, deren Aussagekraft jedoch begrenzt ist.

Ibisevic ist mehr als die Summe seiner Scorerpunkte, als Stürmer alter Schule bindet er permanent Gegenspieler und schafft so Räume für seine Mitspieler. Größter Profiteur: Salomon Kalou. Seit der Ivorer nicht mehr den alleinigen Mittelpunkt des Berliner Angriffs bildet, kann er sich weit besser entfalten als im Vorjahr. 14 Tore hat er schon geschossen, mehr als doppelt so viele wie in der vergangenen Saison (sechs). Auch dank Ibisevic.

Mehr Probleme als das Toreschießen bereitete Hertha zuletzt das Toreverhindern. In den vergangenen zwei Partien musste Torhüter Rune Jarstein den Ball sieben Mal aus dem eigenen Netz holen. „Es wird darauf ankommen, unsere defensive Kompaktheit wieder herzustellen“, sagte Manager Michael Preetz, „das war bisher unser Faustpfand.“

Duo Langkamp/Brooks vor Comeback

Nach auskurierten Verletzungen scheint Dardai wieder auf das Innenverteidiger-Duo Sebastian Langkamp und John Brooks setzen zu wollen, das in der laufenden Spielzeit bereits 13 Mal zum Einsatz kam. Im Training waren die hochgewachsenen Abwehrspieler erste Wahl, verdrängten den jungen Niklas Stark, der zuletzt sieben Mal in der Startelf stand.

Die endgültige Entscheidung, sagte Dardai, sei aber noch nicht gefallen. An Selbstkritik sparte der Ungar übrigens nicht. Vielleicht habe er in den vergangenen Wochen zu viel Wert auf die Offensive gelegt und „die Köpfe nicht in die richtige Richtung gedreht“.

In Hoffenheim soll sich das nun ändern. Lässt man Maskenmann Ibisevic außen vor, drängt sich allerdings die Frage auf, ob die Berliner ihr wahres Gesicht zeigen werden – vier Tage später steht schließlich das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund an. Während es sich der BVB erlauben kann, am Sonntag gegen den Hamburger SV mit seinen Kräften zu haushalten, steckt Dardai in der Zwickmühle.

Keine Schonung fürs Pokalspiel gegen Dortmund

Voller Einsatz in Hoffenheim, um Platz drei zu verteidigen und den Traum von Europa am Leben zu erhalten? Oder Körner sparen für den vorläufigen Höhepunkt des Jahres? „Je weniger darüber geschrieben wird, desto weniger beschäftigen sich die Spieler damit“, sagte Dardai mit breitem Grinsen. „Ich rede nur über Hoffenheim“, versicherte er den Journalisten, „da könnt ihr auch meine Frau fragen.“ Seiner Gattin kann er nach eigener Aussage ohnehin nichts vormachen.

Daran, dass er „oben bleiben“ will, ließ der Trainer keinen Zweifel. Beste Elf und Vollgas, Punkt. „Wenn wir danach müde sind, brauchen wir eben die Physios, den Doktor und die Familien. Wir spielen am Mittwoch im eigenen Stadion vor vollem Haus. Das ist genug, um noch mal ans Limit zu gehen.“