Topspiel in Gladbach

Wie Hertha gegen den kleinen Makel kämpfen will

In Gladbach will Hertha das 1:4 aus dem Hinspiel ausbügeln und für ein Saisonnovum sorgen. Trainer Dardai überrascht mit forschen Tönen

Foto: imago/Sven Simon

Berlin.  Sie haben noch eine Rechnung offen. An die Hinspielniederlage gegen Borussia Mönchengladbach „kann sich jeder Spieler gut erinnern“, sagte Herthas Manager Michael Preetz.

Zwei Wochen liegt dieses Statement nun zurück und sagt trotzdem viel aus über die Motivationslage bei den Berlinern. Das 1:4 (0:2) vor heimischem Publikum Ende Oktober, es war für Hertha die kälteste Dusche der Saison, die höchste Niederlage in dieser ansonsten so famosen Spielzeit und in jeder Hinsicht die eindeutigste. Per Skjelbred fasste die Kräfteverhältnisse damals prägnant zusammen: „Die spielen Champions League. Und wir nicht.“

Nun, genau das könnte sich künftig ändern. Hertha hat als Tabellendritter bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Borussia. Die Qualifikation für die Königsklasse ist für die Hauptstädter inzwischen ein realistisches Szenario. Für Gladbach indes würde Europas Eliteklasse bei einer Niederlage am Sonntag (15.30 Uhr) in die Ferne rücken.

Langkamp und Lustenberger kämpfen um den Brooks-Platz

Pal Dardai rasselte am Freitag schon mal ein wenig mit den Säbeln. „Die Jungs sind scharf“, sagte Herthas Trainer nach einem „geilen“ Training. „Wir werden Vollgas geben und volles Risiko auf Sieg gehen“, kündigte der Ungar an. Hertha will gewinnen, Hertha will den dunklen Gladbach-Fleck aus dem Herbst wegpolieren, und ja, Hertha will mehr. „Wir haben noch sieben Spiele“, sagte Dardai, „wenn du davon vier gewinnst, dann kann etwas passieren. Ich glaube, das ist nicht schlecht als Ziel.“

17 Spieltage sind seit der Lehrstunde im Hinspiel vergangen. 17 Spiele, in denen sich Hertha als ernsthafter Europapokalanwärter etabliert hat. Inzwischen scheint das Selbstvertrauen der Berliner Profis genauso groß wie ihre fußballerische Stabilität. Hertha-Manager Michael Preetz ist sich deshalb sicher: In Gladbach wird eine andere Berliner Mannschaft auftreten als Ende Oktober im Olympiastadion.

Zumindest in personeller Hinsicht wird sich diese These bewahrheiten. Stürmer Vedad Ibisevic, damals gesperrt, wird diesmal mitwirken. Und: Auch die Innenverteidigung wird sich anders zusammensetzen. Die zwei, die damals das Abwehrzentrum verantworteten, kämpfen aktuell um den zweiten Platz neben Niklas Stark: Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger. John Brooks, der lädiert von seiner Länderspielreise mit den USA zurückkehrte (Prellung am Schienbeinköpfchen und Rückenbeschwerden), fällt hingegen definitiv aus.

Gladbachs Raffael muss gegen seinen Ex-Klub zuschauen

Langkamp oder Lustenberger lautet also die Frage für Dardai. Langkamp, der die vergangenen fünf Spiele wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade verpasste, wäre mit seinen 1,91 Metern die kopfballstärkere Variante. Lustenberger, seit Mitte Dezember nur noch im defensiven Mittelfeld eingesetzt und zuletzt zweimal auf der Bank, verspricht mehr Handlungsschnelligkeit und einen besseren Spielaufbau. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Dardai; eine Tendenz ließ sich trotzdem heraushören, schließlich habe Gladbach „nicht so große Spieler“.

Weitaus schwierigere Probleme muss sein Gegenüber André Schubert bei der Borussia lösen. Raffael, von 2008 bis 2012 bei Hertha, ist nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel noch nicht wieder fit. „Er wäre gegen seinen Ex-Klub gerne dabei gewesen“, sagte Gladbachs Manager Max Eberl der Morgenpost. Angesichts des wichtigen Liga-Endspurts wolle man jedoch nichts überstürzen. Mit 13 Treffern und zehn Torvorlagen ist der Brasilianer derzeit der viertbeste Scorer der gesamten Liga.

Der torgefährlichste Mann bei Hertha heißt Salomon Kalou (13 Tore, drei Vorlagen). Der Ivorer kehrte Donnerstag als letzter Nationalspieler an die Spree zurück. Auf seinem Rückweg von der Auswahl der Elfenbeinküste verpasste der Stürmer zwar einen Flieger, trainierte am Freitag aber von der ersten bis zur letzten Minute mit.

Trainer Dardai gibt sich angriffslustig

„Die meisten Nationalspieler hatten nur Freundschaftsspiele“, sagte Dardai, „das ist eine andere Anspannung als bei Qualifikationsspielen. Sie sind locker. Und die anderen Jungs haben mit mir sehr hart gearbeitet.“ Am Donnerstag wurde das Team beim Basketball wieder zusammengeführt. Bei Hertha sehen sie sich für den Schlussspurt der Saison perfekt vorbereitet, ausgeruht und angriffslustig.

In Mönchengladbach wollen die Berliner neben der Hinspielpleite übrigens noch einen zweiten Makel tilgen. Auswärts ist Hertha gegen einen der „Großen“ in dieser Saison noch ohne Punktgewinn. Die Heimspiele gegen Borussia Dortmund (0:0), den VfL Wolfsburg (1:1) und Schalke 04 (2:1) seien allerdings der Beweis gewesen, „dass wir Fortschritte gemacht haben“, sagte Michael Preetz.

Was fehlt ist nur noch ein Erfolg bei einem Topspiel in der Fremde. Sonntag wäre ein guter Zeitpunkt dafür.