Bundesliga

Voting: Gewinnt Hertha gegen Schalke?

An einem Freitag hat Hertha unter Pal Dardai noch nie verloren. Beliebt sind die Freitagsspiele in Berlin trotzdem nicht. Warum nur?

Foto: imago sportfotodienst / imago/Matthias Koch

Berlin.  Der Blick ins Olympiastadion, er bot ein zwiegespaltenes Bild. Herthas Heimspielstätte bekommt aktuell einen neuen Rasen, doch von dem grünen Teppich, den sich Trainer Pal Dardai erhofft, war am Mittwochmittag erst die Hälfte zu sehen. Neben den bereits verlegten Grasbahnen auf der einen Seite des Spielfelds offenbarte sich der wohl größte Sandkasten der Stadt.

Kein Grund zur Beunruhigung – schließlich liegen die Rasenexperten voll im Zeitplan –, dafür aber eine recht passende Momentaufnahme. Denn: Auch beim Blick auf das Spitzenspiel gegen Schalke 04 am Freitagabend (20.30 Uhr) sehen die Berliner zwei ganz unterschiedliche Hälften.

Da wäre zum einen die sportliche Dimension. „Das Schalke-Spiel“, sagt Dardai, „ist eine Riesenchance, um uns zu zeigen. Am Freitagabend schaut ganz Fußball-Deutschland ins Olympiastadion.“ Hertha gegen Gelsenkirchen, das ist schließlich auch die Frage, wer denn nun den Platz hinter den enteilten Spitzenkräften Bayern und Dortmund einnimmt.


Die letzte Sieg gegen Schalke liegt zehn Jahren zurück

Dass das Topspiel ausgerechnet an einem Freitag stattfindet, kommt den Berlinern dabei gelegen. Seit Dardai bei Hertha als Cheftrainer wirkt, hat sein Team am Freitagabend nicht mehr verloren.

Schon im Abstiegskampf der Vorsaison holte Hertha unter Flutlicht stets zuverlässig Punkte: 0:0 in Stuttgart, 1:0 beim Hamburger SV, 1:1 in Hannover – eine Serie, die in der laufenden Spielzeit konsequent ausgebaut wurde. Dem 1:1 gegen Bremen folgte ein freitägliches 3:1 in Hannover und zuletzt ein 1:0 in Köln.

Nun lässt sich über die Aussagekraft solcher Serien trefflich diskutieren. Als Mutmacher aber taugen sie allemal, und die kann Hertha gut gebrauchen. Der letzte Sieg gegen Schalke liegt fast zehn Jahre zurück, seither folgten 14 Duelle mit zwölf Niederlagen. Eine königsblaue Horrorbilanz, die wenig Hoffnung macht. Wäre da nicht, ja, Herthas neue Freitags-Fortune.

Weniger Zuschauer - weniger Einnahmen

Die zweite Dimension – wenn man so möchte, die sandige Hälfte der Freitagspartie – ist die wirtschaftliche. Spiele scheint Hertha am Freitagabend zwar nicht mehr zu verlieren, dafür aber Zuschauer bei Heimspielen. Vor allem für Fans aus dem Berliner Umland ist die Anreise kompliziert. Sie müssen sich meist auf eine Heimkehr gegen Mitternacht einstellen, und für Kinder ist die späte Anstoßzeit generell wenig gangbar.

In der Saison 2013/14 wurden die drei Freitagsspiele durchschnittlich von 47.733 Zuschauern besucht, gut 4000 weniger als im Saisonschnitt (51.889). Eine Lücke, die sich in den zwei Freitagsspielen der vergangenen Spielzeit noch vergrößerte (43.000 gegenüber 50.184 im Saisonschnitt).

Bei Heimspielen wird aus Herthas Faible für den Freitagabend somit eine Art Hassliebe. „Aus wirtschaftlicher Sicht“, sagt Herthas Finanzvorstand Ingo Schiller, „sind Freitagsansetzungen schwierig. Sie kosten uns Zuschauer.“ Und damit Geld.

Der innere Rechenschieber, er wird die Hertha-Verantwortlichen wohl auch gegen Schalke begleiten. Sollten die Berliner ihren direkten Verfolger auf Distanz halten, würden die Chancen auf die Teilnahme am europäischen Wettbewerb – und damit auf zusätzliche Einnahmen – schließlich wieder ein Stück größer werden.

Stadiongesellschaft blockt Termine

Der Druck aber liegt bei Schalke. Für gut 38 Million Euro wurde der ohnehin schon schwergewichtige Kader im Sommer aufgerüstet. Alles andere als die Qualifikation für die Champions League wird in Gelsenkirchen als Enttäuschung gewertet. Ganz anders die Lage in der Hauptstadt. „Normalerweise“, sagt Pal Dardai, „sollten alle happy sein. Wir haben jetzt schon das Saisonziel Klassenerhalt erreicht.“ Anders ausgedrückt: Nun beginnt die Kür.

Sollten sich Hertha den Traum von Europa erfüllen, braucht sich um das Olympiastadion übrigens niemand zu sorgen. Wie Ingo Schiller bestätigte, garantiert die Betreibergesellschaft dem Klub vertragsgemäß alle benötigten Termine, auch für Qualifikationsspiele. Andere Events bekämen Zusagen nur unter Vorbehalt. Bis es so weit ist, gilt die Vorfreude aber dem neuen Rasen. „Darauf“, sagt Dardai, „kannst du wieder ordentlich Fußball spielen.“ Na dann, es werde Licht!