Hertha BSC

Im Olympiastadion kommt es zum Showdown an der Seitenlinie

Der vom Hof gejagte Änis Ben-Hatira kehrt mit Frankfurt zu Hertha zurück. Sein Neustart läuft schleppend. Nicht der einzige Rückkehrer.

Änis Ben-Hatira (r. neben Marco Fabian) musste Hertha nach fünf Jahren wegen einer Handgreiflichkeit verlassen und ging nach Frankfurt

Änis Ben-Hatira (r. neben Marco Fabian) musste Hertha nach fünf Jahren wegen einer Handgreiflichkeit verlassen und ging nach Frankfurt

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Weil der Western, das älteste Genre der Filmgeschichte, im Moment wieder schwer in Mode ist und selbst einem Verschmähten wie Leonardo DiCaprio den Oscar beschert, ist das vielleicht das passende Gewand für diese Rückkehrer-Geschichte.

Der Cowboy-Film, zumindest der klassische, ist daran erkennbar, dass er auf ein schusskräftiges Finale zuläuft. Am Ende gibt es das Duell: Einer beißt ins Gras, der andere reitet in den Sonnenuntergang. Gut und Böse sind einfach auseinanderzuhalten.

Wer in dieser Geschichte der Bösewicht sein soll, dafür bekam der Zuschauer Anfang Februar ein paar Hinweise: Da boxte Änis Ben-Hatira seinem Kollegen Mitchell Weiser nach dem 3:3 in Bremen im Mannschaftsbus ein blaues Auge, wurde für Hertha BSC zum Aussätzigen und am letzten Tag der Transferperiode schnell zu Eintracht Frankfurt aussortiert.

Weiser verpasste er ein Veilchen und könnte nun auf ihn treffen

Nun reitet er am Mittwoch (20 Uhr, Sky) mit seinen neuen Gefährten wieder in die Hauptstadt ein – und das verspricht eine fulminante Pointe: Es könnte nämlich sein, dass sich Ben-Hatira und Weiser zum Showdown an der Seitenlinie treffen – Weiser als Rechtsverteidiger bei Hertha gegen Ben-Hatira als linker Flügel des Eintracht-Adlers. Mal sehen, ob einer ins Gras beißt.

Man hätte gern mit Ben-Hatira darüber gesprochen. Wie das ist, in dem Stadion als Gegner aufzulaufen, in dem er einst als Balljunge von einer Profikarriere träumte und sie später – auf dem Umweg Tennis Borussia, Hamburger SV und MSV Duisburg zwar – auch einschlug.

52 Bundesliga- und 18-Zweitligaspiele bestritt er zwischen 2011 und 2016 für Hertha (insgesamt 14 Tore). Aber der 27-Jährige will nicht mit der Berliner Presse reden. Es sei alles gesagt. Und die Dramaturgie erklärt sich ohnehin von allein:

Dorthin, wo Ben-Hatira einst der Liebling der Ostkurve war und selbst beim Sohn des Trainers als Poster an der Wand hing, bis Pal Dardai ihn aus teamhygienischen Gründen vom Hof jagen musste, kehrt er jetzt als Antagonist zurück.

Ben-Hatira könnte für Huszti spielen

Eigentlich war das bis Sonntag noch unwahrscheinlich. Denn der Neustart, den Ben-Hatira in Frankfurt probieren wollte, verlief bisher schleppend: Nur zwei Mal wurde er einwechselt. Zuletzt gar nicht mehr.

Beim schlimm anzuschauenden 0:0 der Eintracht gegen Schalke saß er 90 Minuten auf der Bank. Aber weil sich sein Konkurrent um die linke Seite, der Ungar Szabolcs Huszti, wieder mal nicht mit Ruhm bekleckerte, könnte Ben-Hatira am Mittwoch eine Chance bekommen, heißt es in Frankfurt. „Ich hoffe, er spielt. Änis ist Berliner und wird besonders motiviert sein“, sagt Yanni Regäsel.

Auch der 20-Jährige nahm im Februar die gut ausgebaute Handelsroute zwischen Berlin und Frankfurt (insgesamt 17 Profis spielten für beide Klubs). Aber für den Rechtsverteidiger, der bei Hertha einen angebotenen Profivertrag ausschlug, weil er seine Einsatzzeit bedroht sah, lief es deutlich besser am Main.

Regäsel brachte Wind in den flauen Sturm

In drei von vier Partien stand Regäsel in der Startelf, gegen Schalke zunächst nur nicht, weil er unter der Woche krank im Bett lag. Als er reinkam, brachte er Wind in die ansonsten kaum stürmische Frankfurter Offensive.

„Für mich ist das super angelaufen. Ich habe einfach den Kopf ausgeschaltet und Gas gegeben“, sagt Regäsel im Gespräch mit der Morgenpost. In Frankfurt sind sie bisher ziemlich zufrieden mit dem Schnäppchen: Für eine niedrige sechsstellige Summer kam er aus Berlin und spielt seine Rolle gut.

Dafür aber sind sie ziemlich unzufrieden mit dem eigenen Abschneiden: Mit nur 23 Punkten aus 23 Partien spielt die Eintracht ihre schwächste Saison seit neun Jahren und hat als Tabellen-15. nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

„Unsere Situation ist nicht einfach. Wir müssen endlich wieder Tore machen. Denn wir gehören nicht da unten hin“, sagt Regäsel. Zuletzt gab es immerhin zweimal ein 0:0.

Der eine wohnt im Hotel, der andere sucht sich eine Wohnung

Regäsel hat sich bereits eine Wohnung in Frankfurt gesucht. Sein Vertrag läuft bis 2019 und würde auch für die Zweite Liga gelten. „Aber es wird nicht dazu kommen. Wir werden den Klassenerhalt schaffen“, sagt er.

Ben-Hatira wohnt dagegen weiterhin im Lindner Hotel in der Nähe des Frankfurter Trainingsgeländes. Sein Kontrakt gilt nur bis Sommer. Eine Probezeit, in der sich der Deutsch-Tunesier für mehr empfehlen kann, aber auch viel weniger Geld verdient als in Berlin.

Regäsel hat sich für das Spiel gegen seinen Ausbildungsklub Hertha keine Karten für Familie und Freunde besorgt. „Ich gehe da rein wie in jede andere Partie auch“, sagt er. Es sei zwar schon besonders, aber sich nicht allzu viele Gedanken zu machen, hat für ihn bisher ja immer gut geklappt.

Und er habe jetzt auch eine ganz andere Aufgabe: Betriebsgeheimnisse verraten zum Beispiel. „Die Jungs hier haben mich schon gefragt, wie Hertha spielt und warum die so erfolgreich sind“, sagt Regäsel. „Und ich habe natürlich bereitwillig Auskunft gegeben.“