Bundesliga

Ein Punkt ist kein schlechter Start für Hertha

Nach drei Liga-Siegen in Folge muss Hertha gegen Augsburg einen Dämpfer hinnehmen. Unzufrieden zeigten sich die Berliner aber nicht.

Rudelbildung: Die Hertha-Profis geraten mit ihren Gegnern aus Augsburg aneinander

Rudelbildung: Die Hertha-Profis geraten mit ihren Gegnern aus Augsburg aneinander

Foto: Annegret Hilse / dpa

Der Nebel hatte sich am Ende über das Olympiastadion gelegt. Und so etwas verhindert meistens ja den richtigen Durchblick. Was war das jetzt? Gut, schlecht, mittel? Vedad Ibisevic und seine Kollegen von Hertha BSC standen auf dem Rasen und schienen sich die Frage auch nicht so recht beantworten zu können.

0:0 war die Rückrunden-Auftaktpartie der Berliner gegen den bis dahin Tabellenzwölften FC Augsburg am Sonnabend ausgegangen. Und ob der Ereignislosigkeit vor allem in der zweiten Halbzeit muss man sagen: In dieser Höhe auch verdient. Wieder kein Sieg zum Jahresanfang, wie schon in den vergangenen drei Bundesligaspielzeiten für Hertha. Aber ist das jetzt schlecht?

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Keineswegs. Für Ibisevic zum Beispiel war gut, dass er nicht vom Platz geflogen war. Das lag nämlich in der Luft, weil Augsburg den leicht entflammbaren Bosnier 90 Minuten lang provozierte, dieser sich aber auch nicht sonderlich klug dabei anstellte.

Früh sah er Gelb, hielt sich aber auch danach kaum zurück. Gut für Hertha war zudem, dass die Blau-Weißen mit dem errungenen Punkt weiter Platz drei in der Tabelle verteidigen. Gut auch, dass das Team von Trainer Pal Dardai seit nunmehr 421 Minuten ohne Gegentor ist. Ziemlich mittelmäßig dagegen war das Spiel.

Trainer Dardai will keine Gerede über die Champions League

„Die Jungs haben gemacht und getan. Das ist voll in Ordnung. 0:0 ist gut für den ersten Einsatz“, fand Dardai. Als ihn jemand fragte, ob das bei all den Champions-League-Ambitionen der Hauptstädter nicht der richtige Zeitpunkt für einen „Schuss vor den Bug“ gewesen sei, wurde Dardai ziemlich sauer: „Bei uns hat keiner von der Champions League gesprochen. Da müssen Sie sich besser vorbereiten“, schnauzte der 39-Jährige.

In Halbzeit eins stand Dardai manchmal wie ein gespannter Flitzbogen an der Seitenlinie, was bedeutete, dass er eher nicht voll zufrieden mit seiner Elf war. Der Ungar sah zwar, wie ballsicher sie mittlerweile selbst auf seifigem Geläuf ist. 71 Prozent Ballbesitz und zwischenzeitlich schöne Stafetten bekamen die nur 35.000 Zuschauer im Stadion geboten.

Andererseits sah Dardai auch, dass dies nicht zwangsläufig zum Ziel führen muss: Die besseren Möglichkeiten hatte nämlich der FC Augsburg. Der Brasilianer Caiuby scheiterte zweimal per Kopf aus kurzer Distanz am sicheren Rune Jarstein im Berliner Tor (2. und 23. Minute). Die beste Hertha-Chance hatte Ibisevic: Seinen Flachschuss aus elf Metern parierte Marwin Hitz im Augsburger Kasten (38.).

Langkamp: "Auch mal mit einem Punkt zufrieden sein"

Nach Wiederanpfiff hätte es gut und gerne auch 1:0 für Augsburg stehen können. Raul Bobadilla, dieser argentinische Sturmbulle, schnaufte sich allein vor bis zu Jarstein, vergeigte dann aber aus fünf Metern die hundertprozentige Gelegenheit (51.). Ziemlich viel Dusel für Hertha. „Mit dieser Riesenmöglichkeit der Augsburger müssen wir auch mal mit einem Punkt zufrieden sein“, sagte Verteidiger Sebastian Langkamp und hat völlig recht damit.

Denn die Partie entglitt Dardais Team nun. Noch einmal lag das 0:1 in der Luft wie Daniel Baier beim Kopfball. Aber auch der ging daneben (55.). Ibisevic schrammte nach ein paar Reibereien weiter am Platzverweis vorbei, aber Dardai nahm Fabian Lustenberger runter. Für den Kapitän kam an seinem 29. Geburtstag Alexander Baumjohann. Später durfte noch Niklas Stark sein Comeback geben, nachdem er den Großteil der Hinrunde verletzt verpasst hatte.

Preetz gibt Brooks-Abgang zu Schalke eine deutliche Absage

Aber da hatte dieses Spiel den Drive schon längst verloren, weil beide Teams nach dem Motto vorgingen: Lieber Spatz in der Hand als Taube auf dem Dach. Ein Punkt ist kein schlechter Start für Hertha – zumal gegen ein Team, das nun seit vier Auswärtspartien ohne Gegentor geblieben ist. Dardai sah, dass noch irgendwas fehlte bei seiner Elf und sagte: „Wir müssen uns jetzt reinbeißen.“

Reinbeißen in den Vertragspoker um John Brooks will sich auch Schalke 04: Vor der Partie bestätigte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies bei Sky das Interesse am Innenverteidiger. Der Vertrag des 22-Jährigen bei Hertha läuft noch bis 2017, ebenso wie die Gespräche über eine Verlängerung des Kontrakts. Die Schalker suchen Ersatz für den verletzten Benedikt Höwedes – vielleicht aber auch ein Druckmittel im eigenen Vertragspoker mit Joel Matip. Herthas Manager Michael Preetz ist das ziemlich egal. Er sagte: „John Brooks bleibt bei Hertha.“

Das Minutenprotokoll des Spiels im Immer-Hertha-Blog zum Nachlesen - hier