Man kann es einen Leckerbissen nennen, den John Anthony Brooks da am Sonnabend servierte. Da war die Freude natürlich groß beim treuen Anhang. Es kommt ja auch selten vor, dass eine französische Bulldogge einen eigenen Adventskalender besitzt.
Der Hund von Herthas Innenverteidiger jedenfalls hat einen. Was seinen anderen treuen Anhang betrifft, die Fans von Hertha BSC, dem hatte Brooks am Sonnabend auch einen Leckerbissen mitgebracht. Der 22-Jährige erzielte mit einem strammen Kopfball den 2:1-Siegtreffer gegen Leverkusen. Auch das kommt selten vor.
Dardai forderte: „Du schuldest mir ein Kopfballtor“
Es war Brooks’ erster Treffer seit einem Jahr. Aber wenn man es recht betrachtet, blieb dem US-Nationalspieler gar nichts anderes übrig: „Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt: Du schuldest mir ein Kopfballtor! Bei deiner Größe kann man Dich doch gar nicht verteidigen“, erzählte am Sonntag Brooks’ Trainer Pal Dardai der Morgenpost.
Brooks ist 1,93 Meter. Doch es brauchte trotzdem noch ein paar Anleitungen von Manager Michael Preetz. Der war früher bekanntlich ein echter Torjäger und wies Brooks nun öfter darauf hin, dass es sich bei Eckbällen lohne, mit Anlauf hineinzulegen.
Gesagt, getan. „Tolles Tor“, fand Preetz. „Aber das würde ich gern öfter sehen: Mit seinen Fähigkeiten sind pro Saison vier, fünf Tore drin“, forderte der Manager.
Sprüche vom Trainer gegen das Phlegma
Genau dies ist die Geschichte, die man sich seit langem über Brooks erzählt. Dass in dem Burschen große Qualitäten schlummern, er sie aber zu oft verheimlicht. Sprechen Begleiter über ihn, vernimmt man stets Lob und Aufforderung zugleich.
So sagte Fabian Lustenberger am Sonnabend: „Man hat wieder gesehen, was für ein guter Fußballer er ist. Wenn er sein Potenzial abruft, ist er ein überragender Innenverteidiger.“
Auch Dardai war oft genervt davon, dass er mit Brooks zwar einen Hochveranlagten im Kader hat, dessen Kopf aber bisweilen in den Wolken hängt. „Bei ihm ist die Spannung der Schlüssel. Stimmt sie, ist er ein Diamant“, sagte der Ungar. Dardais Maßnahme zum Vertreiben des lästigen Phlegmas: Sprüche klopfen. „John und ich haben zusammen gespielt. Da bin ich wie ein Mitspieler, und er bekommt Sprüche zu hören, wenn er nicht konzentriert genug ist“, so Dardai.
Seit vier Spielen ist Brooks nun konzentriert genug und stabilisiert daher Herthas Defensive in der Startelf. Einen kurzen Spannungsabfall leistete er sich zwar auch gegen Bayer, als er einen Pass in des Gegners Fuß spielte, und Lustenberger retten musste. „Aber der Fußballgott hat ihn nicht bestraft“, sagte Dardai. Er gewährte Brooks später stattdessen einen kleinen Leckerbissen.


