Leistung

Hertha-Talent John Brooks riskiert seine WM-Chance

Herthas Abwehrtalent John Brooks konnte sich bisher in der Bundesliga nicht durchsetzen. Zu schwankend sind seine Leistungen. Damit könnte er seine Chancen auf eine WM-Teilnahme für die USA verspielen.

Foto: Oliver Lang / pA/Oliver Lang

Die Szenerie gleicht sich seit Wochen. John Brooks geht mit seinen Teamkollegen nach dem Training vom Platz. Häufig schaut der großgewachsene Innenverteidiger dann zur Seite oder auf den Boden, wenn er an den Journalisten vorbeigeht. Seine Körpersprache signalisiert deutlich, dass er nicht reden möchte. Wird er angesprochen, hebt der 21-Jährige abwehrend die Hand und schüttelt den Kopf. John Brooks möchte nicht reden.

Dabei hätte Herthas Defensivtalent viel zu erzählen. Davon, was für eine unerbittliche Leistungsgesellschaft die Bundesliga ist, die keinen Fehler verzeiht. Und vor allem darüber, wie es ist, dem großen Traum von der Weltmeisterschaft nahe zu sein und Tag für Tag zu spüren, dass der entscheidende Schritt einfach nicht gelingen mag.

So wie im vergangenen Spiel gegen Hoffenheim. In der 61. Minute zeigte die Tafel des vierten Schiedsrichters die Rückennummer von Brooks an. Er wurde ausgewechselt. Wieder einmal.

Hosogai als Vorbild für Brooks

Es gibt wenig Gründe, weshalb Trainer auf dieser Position wechseln. Meist werden sie nur aktiv, wenn ein Platzverweis droht oder der Spieler verletzt ist. In sehr seltenen Momenten holen sie den Verteidiger vom Rasen, wenn er sich als Schwachstelle entpuppt. John Brooks ist das in seiner ersten Bundesliga-Saison nun schon zum vierten Mal passiert. Dreimal wurde er in der Hinrunde sogar in der ersten Halbzeit ausgetauscht.

Jos Luhukay macht sich die Entscheidung nie leicht. Er weiß, wie das auf den jungen Profi wirkt, wenn er ihn vor mehreren Zehntausend Zuschauern auswechselt. Es ist die Höchststrafe. Doch der Niederländer hat das Team im Blick. Einen Ausbildungsplatz kann sich der Klub in der Startelf nicht leisten.

Gegen Hoffenheim ersetzte ihn wiederholt Hajime Hosogai. Der Japaner ist defensiver Mittelfeldspieler und so etwas wie Luhukays Problemlöser. „Da sieht man schon den Unterschied zwischen Hosogai und Brooks“, sagte der Trainer. „Hajime war präsent, war aggressiv. Das muss John erst noch lernen. Das muss er verbessern. Er muss über 90 Minuten konstant die Präsenz haben.“

Die Verletzung von Lustenberger bleibt ungenutzt

Luhukay weiß, was für ein außergewöhnliches Talent er mit John Brooks in seinem Team hat. In 29 Zweitligapartien wurde der Abwehrspieler nicht ein Mal wegen eines Fouls verwarnt. Er ahnt brenzlige Situationen im Voraus und muss äußerst selten zur Grätsche ansetzen. Es ist die gute Spielübersicht und Ruhe, die ihn auszeichnet. Einzig sein phlegmatisches Temperament steht ihm bisweilen im Wege. „In der Zweiten Liga war er fantastisch“, sagte auch sein Trainer. „Jetzt muss es für ihn darum gehen, das auch in der Bundesliga zu zeigen.“

Brooks wusste, dass die erste Liga anders ist. Vielleicht hat er sich aber nicht vorgestellt, mit welcher Art von Angreifern er dort konfrontiert wird. Stürmer, die wie Bayerns Mario Mandzukic mit allen Tricks und kleinen Fouls arbeiten, die hart an der Grenze des Erlaubten attackieren, und die vor allem ein Tempo haben, dass es in der Zweiten Liga einfach nicht gibt.

Vielleicht hat ihn auch sein erstes Bundesligaspiel gegen Frankfurt geblendet, in dem er gleich ein Tor erzielte. Dass Rückschläge kommen, wusste der dreimalige amerikanische Nationalspieler. Die gab es auch in der Zweiten Liga. Doch jetzt konnte er aus der langwierigen Verletzung von Fabian Lustenberger kein Kapital schlagen.

Brooks Entwicklung verwundert bei Hertha intern

„John hat seine Chancen bekommen und gespielt. Er befindet sich gerade in einer Lernphase. Jetzt muss er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen. Dabei werden wir ihm helfen“, versicherte Luhukay. Er weiß, dass die Entwicklung von jungen Spielern in Wellen verläuft. Doch intern reagiert man auf die Saison von Brooks verwundert. Er bekommt von US-Coach Jürgen Klinsmann die Chance auf die Weltmeisterschaft in Brasilien und bietet nichts an. Andere Spieler würden sich zerreißen für diese Möglichkeit.

Lustenberger fehlt auch am Sonntag beim Auswärtsspiel in Leverkusen in der Innenverteidigung. Ob John Brooks vom Trainer erneut eine Chance bekommt, ist nicht sicher. Klar ist nur, dass der Verteidiger weiter schweigen wird.