Es war nur ein kleiner Schritt nach hinten, aber er erzeugte ein großes Raunen im Saal. Salomon Kalou ruderte mit den Armen und war plötzlich verschwunden, im Hinunterfallen riss er noch Thomas Kraft mit. „Oh, hoffentlich haben wir keine neuen Verletzten“, sagte Herthas Manager Michael Preetz.
Doch keine Bange, mit Hilfe der Teamkollegen wurden Kalou und Kraft wieder auf das Podium gezogen. Sie hatten am Ende des Stegs eine Wand vermutet, die sich aber nur als dunkelblauer Vorhang entpuppte. Dahinter ging es einen halben Meter hinab. Beide standen kurze Zeit später aber unter großem Applaus des Auditoriums wieder wohlbehalten im Scheinwerferlicht.
Die Präsentation der derzeit erfolgreichen Bundesliga-Mannschaft von Hertha BSC war der erste Höhepunkt vor 973 Mitgliedern in der Messehalle 20 am Montagabend. Trainer Pal Dardai sagte am Mikrofon: „Wenn wir zusammenhalten, können wir eine schöne Weihnachtsfeier haben. Wir wollen stolze Herthaner sein.“
Personelle Kontinuität steht im Vordergrund
Die Nachricht des Abends verkündete allerdings Präsident Werner Gegenbauer: Dass er für die anstehenden Neuwahlen des Präsidiums im Mai 2016 sämtliche Präsidiumsmitglieder vorschlagen werde. „Und sollte ich vorgeschlagen werden, werde ich mich der Wahl stellen“, sagte der 65-Jährige. Das heißt Gegenbauer, Präsident seit 2008, tritt im kommenden Frühjahr für eine dritte Amtszeit an, die dann bis 2020 laufen wird. Die Mitglieder quittierten das mit anhaltendem Applaus.
Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, sagte, dass der Aufsichtsrat sich um Gegenbauer bemüht habe. „Hertha steht auf einem soliden Fundament. Wir sind weiter Herr unserer Entscheidungen“, so Schiphorst. „Wir setzen auch personell auf Kontinuität und haben deshalb Werner Gegenbauer gebeten, ein weiteres Mal anzutreten.“ Eine bittere Pille hatte Schiphorst auch dabei.
Sein Traum, 2017, zum 125. Klub-Geburtstag ein Hertha-Museum zu eröffnen, lässt sich nicht verwirklichen. „Die Räumlichkeiten unter dem Glockenturm müssen aufwändig umgebaut werden. Das wird einige Zeit benötigen.“
Riesenlob für Trainer Dardai von Manager Preetz
Manager Preetz setzte wenig später zu einer wahren Lobeshymne auf seinen Cheftrainer an: „Hertha BSC und Pal Dardai, das passt zusammen“, sagte er. Preetz räumte ein, dass in der vergangenen Saison am Ende ein bleiernes Gefühl geblieben war. Deshalb sei die Mannschaft erheblich umgebaut worden. Das Resultat dieser Bemühungen zeige sich mit dem guten Saisonstart und dem aktuellen fünften Platz mit 23 Punkten. Preetz, der noch im Mai heftige Kritik von den Mitgliedern einstecken musste, erhielt nun Applaus.
Aber er räumte auch ein: „Richtig ist aber, dass wir gegen die Topteams der Liga ohne Punkte geblieben sind. Wir brennen darauf, am Sonnabend gegen Leverkusen endlich gegen einen Großen Punkte zu holen.“ Ein weiteres Ziel sei es, das DFB-Pokal-Achtelfinale bei Zweitligist 1. FC Nürnberg am 16. Dezember zu gewinnen, „damit wir endlich mal in diesem Wettbewerb überwintern“, so Preetz.
Finanziell spürt Hertha in der abgelaufenen Saison 2014/15 die positiven Auswirkungen des Einstieges von Finanzinvestor KKR (New York) im Januar 2014. So konnte der Bundesligist seine Verbindlichkeiten von 36,8 Millionen Euro im Juni 2013 absenken auf 15,9 Millionen Euro. Die zinstragenden Verbindlichkeiten bei Bankinstituten hat Hertha komplett getilgt. Auf der Eigenkapital-Seite stehen statt des Negativwerts von zehn Millionen (2013) nun 21,37 Millionen Euro.
Ein Minus von 7,6 Millionen Euro in der Saison 2014/15
Trotzdem beendete Hertha das Spieljahr 2014/15 mit einem Minus von 7,6 Millionen. Die erklären sich, so Schiller, vor allem aus Abschreibungen in Höhe von 6,3 Millionen Euro. Insgesamt standen Erträgen von 88,5 Millionen Euro Ausgaben gegenüber von 96,1 Millionen Euro.
An Personalkosten weist Hertha für die vergangene Saison 42,2 Millionen Euro aus, davon 36 Millionen für den Lizenzspieler-Kader. Das wichtigste Ziel sei es, dass Hertha sich in der TV-Geldrangliste vom bisherigen Platz 16 verbessere.
Im familiären Teil der Versammlung gab es reichlich Urkunden und Ehrenplaketten, Präsident Gegenbauer zeichnete Mitglieder aus für langjährige Mitgliedschaften. In besonders prominenter Reihe steht nun Lothar Pötschke. Der 86-Jährige, Vorsitzender des Ältestenrates, wurde zum fünften Ehrenmitglied ernannt. Eine Auszeichnung, die bisher Klaus Wowereit, Eberhard Diepgen, Otto Schily und Alt-Bischof Wolfgang Huber zuteil wurde.





