Zur Pause plauderte Hasan Salihamidzic, Champions-League-Sieger von 2001, am Stadionmikrofon: „Man verfolgt das ganz ohne Spannung. Es ist nur die Frage, ob die Bayern 5:0 oder 6:0 gewinnen.“ Nach der Partie wurde Bayern-Trainer Pep Guardiola gefragt, ob es das Ziel sei, diese Saison ohne eine einzige Niederlage zu absolvieren. Nur zum Verständnis: Die Rede ist vom nominellen Topspiel der Fußball-Bundesliga.
Hertha BSC unterlag beim Deutschen Meister Bayern München mit 0:2 (0:2). Doch das Resultat gibt nicht im Ansatz wieder, welche Langeweile sich über 90 Bundesliga-Minuten auf dem Rasen der WM-Arena abspielte.
Langkamp sieht die fünfte Gelbe und fehlt gegen Leverkusen
Wie immer, wenn es derzeit gegen den FC Bayern geht, stellt sich die Gästemannschaft hinten rein. 34 Minuten hielt das Abwehrbollwerk von Hertha BSC. Trainer Pal Dardai hatte seine Mannschaft mit einer 1-9-1-Taktik in den Spieltag geschickt. Vor Torwart Rune Jarstein versuchten neun Berliner den eigenen Strafraum zu verteidigen. Vorn stand Vedad Ibisevic allein und ohne jegliche Beteiligung am Spiel gegen die Münchener Defensive.
Nach zehn Minuten war Hertha erstmals im Glück, ein Schuss von Robert Lewandowski landete am Pfosten, der Abpraller flog Yanni Regäsel ans Schienbein und von dort aus neben das eigene Tor. Nach 24 Minuten hatten Herthas Defensivkräfte Sebastian Langkamp und Per Skjelbred gefährliche Situationen nur per Foul entschärfen können, was jeweils mit einer Gelben Karte bestraft wurde. Bei Langkamp war es die fünfte. Er ist damit für das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am nächsten Sonnabend gesperrt.
Hertha wankte, die Bayern setzten nach
Nach einer halben Stunde hatte Hertha erneut Glück. Ein schneller Angriff der Münchener von Lewandowski wurde wegen Abseits zurückgepfiffen – eine Fehlentscheidung. Während sich die Hertha-Abwehr verzweifelt gegen die Angriffe stemmte, hielt sich Bayern-Torwart Manuel Neuer mit Gymnastik- und Hüpfübungen am Mittelkreis warm.
Aber nach 34 Minuten hatten die Berliner dem Druck nichts mehr entgegenzusetzen. Eine Ecke köpfte Medhi Benatia aufs Hertha-Tor, Thomas Müller änderte aus zwei Metern noch mal die Richtung, 0:1, das 13. Bundesliga-Tor des derzeit besten deutschen Stürmers. Hertha wankte nun. Die Bayern setzten nach. Torwart Jarstein wehrte mit einer Superparade einen Schuss aus Nahdistanz von Arturo Vidal ab (40.).
Die anschließende Ecke klärte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger auf der Linie. Doch der nächste Angriff brachte die Vorentscheidung: Jerome Boateng flankte aus dem Halbfeld in den Berliner Strafraum, dort ließ Javi Martinez den Ball auf Kingsley Conan abtropfen, und der Franzose schoss ihn per Direktabnahme an Jarstein vorbei: 0:2 (41.). Ein wunderschöner Treffer. Aber damit war die Partie entschieden.
Spöttischer Beifall für die Gäste
Auch nach der Pause das gleiche Bild: Hertha mit eklatanten Schwächen im Aufbau, jeder gewonnene Ball war nach drei, vier Sekunden wieder verloren. Lustenberger, Skjelbred und Darida fanden im Vorwärtsgang durchgehend nicht statt. Immerhin profitierte der Hauptstadt-Klub davon, dass die Bayern in Serie Großchancen liegen ließen. Müller schoss am leeren Tor vorbei (55.), Lewandowski brachte den Ball aus drei Metern nicht im Hertha-Tor unter (61.).
Nach 79 Minuten gab es spöttischen Beifall für die Gäste: Genki Haraguchi gelang der erste Torschuss für Hertha, direkt auf Torwart Neuer. Somit blieb es dabei: Hertha kassierte im fünften Spiel gegen ein besser positioniertes Team die fünfte Niederlage. Im Gegensatz zu anderen Konkurrenten (HSV 0:5, Dortmund 1:5, Stuttgart 0:4) ruinierten sich die Berliner aber nicht ihr Torverhältnis beim Branchenprimus.
Damit zogen sich die Blau-Weißen letztlich ordentlich aus der Affäre. Die Bayern sind nach 14 Runden weiter ungeschlagen (13 Siege, ein Remis) und können heute auf dem Sofa die Herbstmeisterschaft feiern, falls Dortmund nicht gegen Stuttgart gewinnt.
Torwart Jarstein hat die meisten Ballkontakte bei den Berlinern
Herthas Trainer Pal Dardai sagte: „Es gibt keinen Grund, dass wir uns schämen. Diese Niederlage ist nicht ärgerlich. 2:0 ist okay. Wir konnten hier etwas lernen.“ Torwart Jarstein, bester Herthaner und der Berliner mit den meisten Ballkontakten auf dem Feld (81), kam zu einer überraschend positiven Analyse: „Es war ein tolles Gefühl vor dieser Kulisse gegen eine der besten Mannschaften der Welt zu spielen. Mit etwas Glück hätten wir selbst ein oder zwei Tore erzielen können. Gegen Leverkusen wollen wir gewinnen, die sind nicht so stark wie die Bayern.“
Kapitän Fabian Lustenberger fasste den Nachmittag so zusammen: „Die Bayern sind eine Klasse für sich. Für uns ist das eine Niederlage, die uns nicht umwirft.“




