Bundesliga

Pal Dardai: Fußball ist mir heilig

Hertha klärt Fragen zu Brooks und Lustenberger. Doch beim Spiel gegen Hoffenheim ist der Schutz der Fans im Olympiastadion wichtiger.

Die Hertha-Abwehr steht, hier gucken Per Skjelbred (M. li.), Marvin Plattenhardt, Vladimir Darida, Jens Hegeler und Fabian Lustenberger einen Freistoß des FC Augsburg um den Pfosten

Die Hertha-Abwehr steht, hier gucken Per Skjelbred (M. li.), Marvin Plattenhardt, Vladimir Darida, Jens Hegeler und Fabian Lustenberger einen Freistoß des FC Augsburg um den Pfosten

Foto: imago/MIS

Berlin.  Rein sportlich gibt es eine Reihe interessanter Fragen bei Hertha BSC: Wer am 13. Bundesliga-Spieltag gegen die TSG Hoffenheim die Innenverteidigung bildet und was das für Kapitän Fabian Lustenberger bedeutet? Welcher Profi auf der rechten Außenbahn die Position des verletzten Mitchell Weiser übernimmt? Und wer links im Mittelfeld unterwegs ist?

Doch trotz der guten Perspektiven Herthas, das als Tabellen-Vierter in diese Runde geht, überdeckt die Sicherheitslage nach den Terroranschlägen von Paris sowie der kurzfristigen Länderspiel-Absage am Dienstag in Hannover viele dieser Themen. Der am meisten gefragte Mann auf der Pressekonferenz von Hertha vor der Partie am Sonntag um 15.30 Uhr im Olympiastadion war einer, der sonst nur an der Seite steht und verfolgt, was die sportlich Verantwortlichen sagen.

Olympiastadion öffnet bereits um 13.30 Uhr

Die Rede ist von Thomas E. Herrich, Mitglied der Geschäftsführung, Leiter der Geschäftsstelle und seit Jahren verantwortlich für die Durchführung der Heimspiele.

„Wir haben uns mit den Sicherheitsbehörden sehr intensiv zusammengesetzt und ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen“, sagte Herrich. „Das wird dazu führen, dass die Durchsuchung der Besucher noch intensiver durchgeführt wird als sonst. Wir bitten alle Gäste früher zu kommen, da die Maßnahmen mehr Zeit in Anspruch nehmen werden als sonst.“ 40.000 Zuschauer erwartet Hertha für das Spiel, die Tore des Olympiastadions sind bereits ab 13.30 Uhr geöffnet. Herrich bat die Fans, auf die Mitnahme von Rucksäcken und ­Taschen zu verzichten.

Sprengstoff-Suche in Krankenwagen und TV-Trucks

Zusätzlich sollen auch die meisten Fahrzeuge, die ins Stadion fahren wie Krankenwagen, TV-Trucks oder LKWs für das Catering, vorab nach Sprengstoff durchsucht werden. Herrich appellierte an die Anhänger, auf Pyrotechnik und vor allem auf Böller zu verzichten. Die sind zwar ohnehin verboten, in manchen Fan-Kreisen ist man jedoch der Meinung, dass es sich dabei nur um fußballfolkloristische Accessoires handele. „Die Polizei fürchtet besonders, dass beim Zünden von Böllern eine Panik unter Zuschauern ausgelöst werden könnte“, sagte Herrich.

Hertha-Manager Michael Preetz formuliert den Spagat, in dem sich bundesweit zahlreiche Verantwortliche für solche Großveranstaltungen bewegen. „Die Ereignisse in Paris und Hannover sind an niemandem spurlos vorbeigegangen. Jeder macht sich seine Gedanken. Aber ich sehe das so, dass wir aufgerufen sind, unser normales Leben weiterzuleben.“ Dazu gehöre es, unter Leute zu gehen, Freunde zu treffen oder zum Fußball zu gehen. Egal, ob es um ein Spiel im Olympiastadion oder in einer Amateurliga gehe.

Preetz sägt den ersten Weihnachtsbaum ab

Es gehe darum, dafür zu sorgen, dass wieder Normalität einkehrt. Dazu gehört, dass Preetz auf dem Werderaner Tannenhof in Potsdam-Mittelmark den ersten Weihnachtsbaum in diesem Jahr für den Straßenverkauf abgesägt hat. Stichwort: Eröffnung der Saison der ­Weihnachtsbaumerzeuger.

Die andere Seite des Spagats erwähnte Preetz aber auch: „Natürlich genießt die Sicherheit der Zuschauer oberste Priorität. Wir tun alles, um die zu gewährleisten.“

Stevens: Ich bin Trainer und kein Polizist

Kein leichtes Unterfangen für die Übungsleiter, in diesem Umfeld die Konzentration ihrer Spieler auf die Bundesliga zu lenken. „Für die Sicherheit sind andere verantwortlich. Ich denke, die Leute werden ihren Job gut machen“, sagte Huub Stevens von der TSG Hoffenheim über die Dienstreise nach Berlin, „ich bin Fußball-Trainer und kein Polizist.“

Kollege Pal Dardai sagte, dass die Anschläge von Paris in der Hertha-Kabine kein großes Thema gewesen seien: „Ich spüre keine Unsicherheit bei den Spielern. Fußball ist Leidenschaft und Liebe. Für mich ist Fußball heilig.“ Das Interesse von Dardai ist, dass der Flow anhält. Hertha hat im Olympiastadion aus fünf Spielen drei Siege und ein Remis geholt, die letzte ­Auswärtspartie in Hannover wurde mit 3:1 gewonnen.

Langkamp und Brooks verteidigen gegen Hoffenheim

Und um auf die anfänglichen Fragen zurückzukommen: Gegen Hoffenheim werden Sebastian Langkamp und John Brooks Herthas Innenverteidigung stellen. Heißt: Kapitän Lustenberger rückt eine Position nach vorn ins defensive Mittelfeld. Damit wird wohl Dauerläufer Per Skjelbred, der ­zuletzt ein wenig überspielt gewirkt hat, eine Pause erhalten.

Außerdem ließ der Trainer durch­blicken, dass Kreativkraft Alexander Baumjohann, in den letzten beiden Partien als Einwechselspieler im Einsatz, am Sonntag in der Startformation stehen wird. Schlusswort Pal Dardai: „Ich möchte, dass die Leute mit einem ­guten Gefühl ins Olympiastadion ­kommen und mit einem gutem Gefühl nach Hause gehen.“