Er ist wieder da. Zwar nicht ganz so überraschend wie ein gewisser Diktator mit Schnauzbart, der derzeit als Protagonist einer Hitler-Satire durch die deutschen Kinos geistert, aber doch ziemlich plötzlich.
Noch am Sonntag spielte Torwart Sascha Burchert mit Valerenga Oslo in der ersten norwegischen Liga – schon am Dienstag rannte er mit seinen alten und neuen Kollegen bei Hertha BSC wieder die Treppen des Olympiastadions rauf und runter. „Sascha ist ein guter Junge“, sagte Pal Dardai, der Trainer des Berliner Bundesligisten, „und er ist ein Herthaner.“
Tatsächlich war Burchert, 26, ja nie richtig weg. Sein Abstecher in den hohen Norden war das Resultat eines im Sommer eingefädelten Leihgeschäfts, das offiziell bis Ende des Jahres läuft. Da die Saison in der Tippeligaen aber bereits vorbei ist, gab es für Burchert keinen Grund, seinen Auslandsaufenthalt zu verlängern. „Mein Torwarttrainer ist gerade mit der U-Nationalmannschaft unterwegs, insofern hätte ich zehn Tage lang kein Training gehabt“, sagte er. Also ab in die Heimat.
Der 26-Jährige meldet Ansprüche an
Am Mittwoch trat Burchert erstmals wieder auf dem Schenckendorffplatz in Aktion. Anders als bei Valerenga mangelte es dort keineswegs an Betreuung. Torwarttrainer Zsolt Petry nahm sich des Rückkehrers an, später durfte Burchert sein Können unter Beweis stellen, als sich die übrigen Profis in einer Torschuss-Sequenz ausließen. Nach getaner Arbeit schlenderte das Eigengewächs – seit 2002 im Verein, seit 2008 bei den Profis – dann entspannt Richtung Kabine, fast, als wäre er nie weggewesen.
Dass sich sehr wohl etwas geändert hat, zeigten Burcherts Antworten auf die Fragen der Journalisten. „Ich bin nicht zurückgekommen, um hier das halbe Jahr auf der Tribüne zu hocken“, sagte der Keeper, „ich will spielen.“ Forsche Töne für einen, der vor seinem Weggang bestenfalls um den Platz der Nummer zwei gekämpft hat.
Bei Valerenga hingegen war Burchert auf Anhieb Stammkraft, absolvierte 14 Partien. „Ich habe eine Menge Spielpraxis gesammelt, die mir jahrelang fehlte“, sagte er, „das hat mir gut getan.“ Er habe mehr Selbstvertrauen bekommen, spiele nun mutiger, offensiver.
Besonders ein Patzer bleibt in Erinnerung
Wirklich erfolgreich verlief sein Gastspiel allerdings nicht. In der Meisterschaft landete Valerenga auf Platz sieben, verpasste so die Qualifikation für die Europa League. An Burchert – im Schnitt ein Gegentor pro Spiel – lag das zwar nicht, seinen Namen wird man in Norwegen aber wohl vor allem mit einem Patzer in Verbindung bringen.
Im September rutschte ihm ein 52-Meter-Freistoß seines damaligen Gegenübers von Start Kristiansand durch die Hände. Der dazugehörige Youtube-Clip erheiterte Fußballfans rund um den Globus.
Valerengas Trainer Kjetil Rekdal will diesen Fauxpas allerdings nicht überbewerten. „Das war sein einziger schwerer Fehler in 14 Spielen“, sagte der frühere Hertha-Profi dem „Kicker“. Fest verpflichten wird Valerenga Burchert trotzdem nicht, dafür liegen die Gehaltvorstellungen in Deutschland und Norwegen zu weit auseinander.
Herthas Pokalspiel in Nürnberg terminiert
Die Zukunft? Offen. Nicht nur von Burcherts Seite („man muss sehen, was sich ergibt“), sondern auch von Herthas. Manager Michael Preetz freut sich zwar darüber, dass „Sascha seine Qualität jetzt eine Halbserie lang nachweisen konnte“, betont aber auch: „Wenn er ab Januar wieder für uns spielberechtigt ist, haben wir fünf Torhüter. Ob er da eine Chance haben wird, muss sich zeigen.“ Gibt es einen Interessenten, wird Burchert die Hauptstadt wohl schon im Winter wieder verlassen.
Mehr Gewissheit hat sich unterdessen für Herthas Terminplan ergeben. Das DFB-Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg findet am Mittwoch, 16. Dezember, um 19 Uhr statt.





