Hertha BSC

Mit Turban trifft Salomon Kalou zum Dreierpack

Der Ivorer trifft beim 3:1 gegen Hannover drei Mal und bringt Hertha auf Tabellenplatz vier. Ein Youngster gab ein starkes Debüt.

Salomon Kalou (2.v.l.) traf gegen Hannover drei Mal für Hertha. Der Ivorer steht nun bei zehn Toren in zwölf Pflichtspielen in dieser Saison

Salomon Kalou (2.v.l.) traf gegen Hannover drei Mal für Hertha. Der Ivorer steht nun bei zehn Toren in zwölf Pflichtspielen in dieser Saison

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Hannover.  Als die Arbeit erledigt war, holte sich Salomon Kalou, was ihm zustand. Wenn einer drei Tore in einem Spiel erzielt, dann darf er den Ball mitnehmen, heißt es ja.

Und weil dieses Kunststück dem Ivorer am Freitagabend erstmals für Hertha BSC in der Bundesliga beim 3:1 (1:0) gegen Hannover 96 gelang, überreichte ihm Mitspieler Vladimir Darida das Spielgerät auch gern und nickte dabei anerkennend. Dank der drei Treffer Kalous (33., 60. und 88. Minute) können sich die Berliner über nun schon 20 Punkte und Tabellenplatz vier freuen.

Vielleicht lag es am Turban, den Kalou tragen musste, nachdem er sich beim 1:4 gegen Gladbach vor einer Woche einen Cut an der Schläfe zugezogen hatte. Jedenfalls steht der 30 Jahre alte Angreifer nach dieser Partie nun schon bei zehn Treffern in nur zwölf Pflichtspielen der Saison. In der gesamten Vorsaison waren ihm in 28 Partien nur sechs Tore gelungen.

Mitchell Weiser auf der rechten Außenbahn

„Salomon hat im Sommer eine komplette Vorbereitung bei uns mitmachen können. Das zahlt sich jetzt aus. Er ist körperlich fit und hat immer noch eine Weltklasse-Spielfähigkeit“, lobte Herthas Cheftrainer Pal Dardai seinen Stürmer.

Mitspieler Per Skjelbred witzelte: „Salomon muss den Turban jetzt in jedem Spiel tragen. Er war so viel besser als sonst.“ Dardai hatte personell für zwei Überraschungen gesorgt: Innenverteidiger John Brooks stand erstmals seit dem dritten Spieltag wieder in die Startelf, Rechtsverteidiger Yanni Regäsel, 19, – sechs Tage zuvor noch Bundesliga-Debütant – zum ersten Mal überhaupt und machte seine Sache hervorragend.

Mitchell Weiser durfte sich dafür auf der rechten Außenbahn seinen Angriffsqualitäten widmen. Er hatte sich in den jüngsten fünf Pflichtspielen mit vier Scorerpunkten aufgedrängt – und das nicht nur bei Dardai. Am Freitag wurde Weiser für die deutsche U-21-Nationalmannschaft nominiert.

„Mitch hat sich bei Hertha sehr gut entwickelt und seine Stärken kontinuierlich unter Beweis gestellt“, lobte DFB-Trainer Horst Hrubesch. Anders als Weiser wird Brooks übrigens in der kommenden Woche in Berlin bleiben. US-Coach Jürgen Klinsmann verzichtete bei seiner Nominierung auf den 22-Jährigen.

Hannover zeigte vor allem Härte

Eigenwerbung für sich betreiben konnte Brooks in Hannover kaum, was allerdings nicht an ihm, sondern einzig an den harmlosen Hannoveraner lag. In Durchgang eins jedenfalls hatte 96 außer Härte nicht viel zu bieten. Hiroshi Kiyotake feuerte kurz vor der Pause noch den einzigen Hannoveraner Torschuss ab.

Und was machte Hertha? Ließ sich von der raubeinigen Gangart nicht beeindrucken, sondern lauerte geduldig auf Lücken. Nach einer Viertelstunde erhöhten die Berliner den Druck und kamen prompt zu ersten Chancen. Vladimir Darida prüfte Ron-Robert Zieler mit einem Schuss aus spitzem Winkel (19.), Hannovers Nationalkeeper klärte mit Mühe zur Ecke. Die brachte erneut Gefahr, allerdings säbelte Genki Haraguchi nach einem Patzer des Torwarts am Ball vorbei.

Besser machte es der Japaner nach gut einer halben Stunde, als er bei einem Konter Salomon Kalou im Strafraum fand. Der behielt die Übersicht und beförderte den Ball mit einem Rechtsschuss erst durch die Beine von 96-Verteidiger Miko Albornoz und schließlich ins Netz – 1:0 (33.). „Er ist vor dem Tor einfach eiskalt“, lobte Weiser den Torjäger nach der Partie. „Mit seiner Abgezocktheit ist er für uns extrem wichtig.“

„Mannschaft hat Selbstvertrauen gezeigt“

Nach der Halbzeitpause legte Hertha sofort nach: Darida schickte Kalou gegen die weit aufgerückte 96-Defensive in ein Privatrennen, in dem sich der Afrikaner erst gegen Marcelo-Guedes behauptete, ehe er Zieler im Abschluss keine Chance ließ (60.). „Er mag vielleicht nicht mehr der Schnellste sein, aber er ist sehr kühl vor dem Tor“, sagte Dardai später.

Dass Hannovers Kiyotake nach 70 Minuten per Elfmeter zum Anschluss traf – Marvin Plattenhardt hatte zuvor Uffe Bech gefoult – konnte den Berliner Sieg nicht mehr ernsthaft gefährden. Hertha hielt allen Angriffsbemühungen stand, und als Marcelo-Guedes Weiser nach 87 Minuten im Strafraum von den Beinen holte, besorgte Kalou vom Elfmeterpunkt die Entscheidung.

„Ich war mir sicher, dass Salomon den Elfmeter reinmachen würde. Ich habe noch nie erlebt, dass er einen verschießt“, sagte Dardai, wollte das Lob dann aber auch auf sein gesamtes Team ausweiten. „Drei Tore in einem Spiel zu schießen ist eine außergewöhnliche Leistung von Salomon. Aber die ganze Mannschaft bekommt heute ein Lob von mir. Sie hat Selbstvertrauen gezeigt und gut gespielt“, sagte der 39-Jährige.

Klassenerhalt statt Europapokal bleibt weiter das Saisonziel

Mit dem Sieg hat Hertha bereits nach zwölf Spieltagen 20 Punkte auf dem Konto – die halbe Miete also, wenn man von 40 Punkten ausgeht, die es zum Erreichen des Saisonziels braucht. Und das heißt ja bei den Blau-Weißen weiterhin Klassenerhalt statt Europapokal.

Kapitän Fabian Lustenberger, der in Hannover erstmals wieder im Mittelfeld auflief und eine gute Partie zeigte, wollte das auch so verstanden wissen: „Mit 20 Punkten ist noch nie einer in der Liga geblieben“, sagte der Schweizer. „Es gibt keinen Grund, uns schon jetzt zu belohnen. Wir haben heute einen guten Job gemacht – nicht mehr und nicht weniger.“

Angesprochen auf seinen Turban sagte Kalou nach seinen drei Treffern übrigens: „Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Aber Gott sei dank musste ich nicht köpfen.“ Dann ging er und hatte den Ball unterm Arm.