Hertha-Youngster

Yanni Regäsel – Junger Stier ohne Profivertrag

Der erst 19 Jahre alte Yanni Regäsel überzeugt bei seinem Startelfdebüt für Hertha BSC. Aber ganz oben angekommen ist er noch nicht.

Herthas Yanni Regäsel (r.) bearbeitete seinen Gegenspieler Hannovers Felix Klaus so sehr, dass er mit nur 17 Prozent gewonnener Zweikämpfe zur Halbzeit ausgewechselt wurde

Herthas Yanni Regäsel (r.) bearbeitete seinen Gegenspieler Hannovers Felix Klaus so sehr, dass er mit nur 17 Prozent gewonnener Zweikämpfe zur Halbzeit ausgewechselt wurde

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Er hat ein berühmtes Gesicht, aber einen Namen, den bis Freitag noch kaum einer kannte. Yanni Regäsel, 19 Jahre alt, sieht Oscar-Preisträger Benicio del Toro wie aus der Visage geschnitten ähnlich. Del Toro, puerto-ricanischer Schauspieler, hat Filme wie 21 Gramm sowie Sin City gemacht und ist fast 30 Jahre älter als Herthas Nachwuchsspieler.

Toro heißt im Übrigen Stier auf Spanisch, und mit beiden Feststellungen wären wir dann auch beim Spielertypen Yanni Regäsel.

Am Freitagabend gab der in Berlin geborene Rechtsverteidiger sein Startelfdebüt beim 3:1 gegen Hannover 96 für Hertha – den Klub, zu dem er als Neunjähriger kam. Pal Dardai, der Berliner Cheftrainer, entschied sich dafür, nachdem er Regäsel vor einer Woche für zwölf Minuten gegen Gladbach eingewechselt hatte.

Starke Werte des Neulings

„Nach nur zwei Ballkontakten dachte ich: Der spielt nächste Woche“, erzählte Dardai am Sonnabend. Der Ungar sah, wie unbekümmert Regäsel auftrat. Wie wenig Eingewöhnung er brauchte. Ein bisschen Zuspruch von seinen Co-Trainern Rainer Widmayer und Admir Hamzagic, Dardai ging das Risiko mit dem Unerfahrenen ein und wurde belohnt: „Yanni hat ein überragendes Spiel gemacht“, sagte der 39-Jährige.

62 Prozent Zweikampfquote, 71 Prozent angekommene Pässe und 60 Ballkontakte – nur Vladimir Darida und Sebastian Langkamp hatten mehr. Das erzählt, was Regäsels ersten Profi-Auftritt über 90 Minute so bemerkenswert macht: Er versteckte sich nicht.

Wie ein junger Stier ging er ohne Furcht voran und entnervte seinen Gegenspieler Felix Klaus so sehr, dass der mit nur 17 Prozent gewonnener Duelle zur Halbzeit ausgewechselt wurde. „Ich habe Respekt, aber keine Angst“, sagte Regäsel und fand darüber hinaus: „Ich habe nicht viel falsch gemacht.

In der Jugend ein Gewinner

Jenes Selbstbewusstsein hat ihn erst zum Bundesligaspieler gemacht. Denn vorgesehen war das noch nicht. Im Sommer ließ Dardai einige Nachwuchsspieler bei den Profis mittrainieren. Regäsel nicht, denn auf seiner Position war Hertha gut besetzt. Aufgrund von Verletzungen hat er nun seine Chance erhalten.

Dardai schätzt an ihm, dass er aus Stresssituationen stets als Gewinner hervorgegangen ist, wie in Herthas B-Jugend, mit der er Deutscher Meister wurde, oder der A-Jugend, mit der er im Mai das Pokalfinale gewann. „Yanni profitiert von seiner Mentalität“, sagte Dardai.

Regäsel sieht nicht nur reifer aus, als er ist. Er spielt auch so. „Wie ein Alter“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz. „Er hat seine Chance genutzt. Das freut mich für alle, die in unserer Nachwuchsakademie seinen Weg begleitet haben“, so Preetz.

Aber ganz wie bei den Alten ist es dann doch nicht bei Regäsel. Denn er besitzt noch keinen Profivertrag bei Hertha. „Die jungen Spieler müssen sich das bei uns erst verdienen“, sagt Preetz. „Yanni hat auf sich aufmerksam gemacht und die Voraussetzungen geschaffen. Warten wir ab, wie seine Entwicklung weiter geht.“ Zum berühmten Gesicht könnte dann irgendwann vielleicht auch ein berühmter Namen dazukommen.