Bundesliga

Ex-Herthaner Morales hat in Ingolstadt sein Glück gefunden

Nach 13 Jahren bei Hertha startet Alfredo Morales in der Idylle Bayerns wieder durch. Nun trifft der Berliner auf seinen Ex-Klub.

Alfredo Morales (r.) trifft mit dem FC Ingolstadt auf seinen Ex-Klub Hertha

Alfredo Morales (r.) trifft mit dem FC Ingolstadt auf seinen Ex-Klub Hertha

Berlin.  Als Fußball-Profi gehört das Abonnement beim Bezahl-Sender Sky zur Standardausrüstung. So auch im Wohnzimmer von Alfredo Morales. Wenn der Hausherr im Vorort von Ingolstadt den Flachbildschirm einschaltet, hat das meist immer den gleichen Grund. „Ich schaue jedes Spiel von Hertha, es sei denn wir spielen selbst“, erzählt Morales der Morgenpost.

25 Jahre ist er mittlerweile, hat ­davon 13 bei Hertha BSC verbracht. Wenn man mit ihm telefoniert, muss man nur das Stichwort Berlin erwähnen – und Morales gerät ins Schwärmen: „Lebendig“, „vielfältig“, „urban“, „die schönste Stadt der Welt“ – auf seine Heimatstadt lässt der gebürtige Berliner nichts ­kommen.

An diesem Sonnabend spielt Morales zum ersten Mal gegen seinen Ausbildungsverein. Als Stammkraft beim FC Ingolstadt empfängt er am zehnten Bundesliga-Spieltag Hertha: „Das ist ein sehr, sehr besonderes Spiel für mich.“ Mit Pal Dardai, 39, mittlerweile Cheftrainer von Hertha, hat er vor fünf Jahren in der U23 in der Regionalliga ­gespielt. Der hat damals seine aktive Karriere ausklingen lassen und ihm nach rund einer Stunde Spielzeit immer gesagt: „Alfi, ich kann nicht mehr, du musst jetzt mehr machen.“

Ingolstadt lebt noch von der Aufstiegs-Euphorie

Nach dem Aufstieg von Hertha 2013 in die Bundesliga wollte sich Morales verändern – ein Schritt zurück, um ­voran zu kommen. Er wechselte zum damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt, um mehr Spielzeit zu bekommen, als er sich in Berlin ausgerechnt hatte.

Der Plan ist aufgegangen. Morales kam in den vergangenen beiden Spielzeiten auf je 32 Einsätze. Seit dem Aufstieg stand er in allen neun Bundesligapartien auf dem Platz. „Wir leben noch ein wenig von der Euphorie.“

Die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl ist das Überraschungsteam des ersten Saisondrittels und liegt mit 14 Punkten gleichauf mit Hertha. „Wir sind eine harte Nuss, ein sehr schwer zu bespielender Gegner“, sagt Morales. Ingolstadt, das um den Einsatz des angeschlagenen ­Kapitän Marvin Matip bangt, kommt übers Team. Jedes Spiel wird extrem intensiv geführt. „Wir haben für jeden denkbaren Spielstand einen Plan vom Trainer“, erzählt Morales.

Kulturschock im ersten halben Jahr

Ganz so reibungslos, wie es im Rückspiegel scheint, ist es aber nicht gelaufen mit dem Umzug nach Bayern. „Das erste halbe Jahr war ein Kulturschock“, sagt Morales. „Ich bin im Wedding ­aufgewachsen. Da ist zu jeder Tages- und Nachtzeit Leben auf den Straßen, man kann rund um die Uhr Essen ­gehen, es ist immer was los.“

Nun wohnt er mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen im Grünen vor den Toren von Ingolstadt und erzählt von den Freuden als Vater. „Meine Söhne gehen aus dem Haus in den Garten, ringsum ist es Grün, so etwas hat es bei mir früher nicht gegeben.“

Sein bester Freund aus Hertha-Tagen, John Brooks, habe jedenfalls gestaunt, als er Morales in Ingolstadt besucht hat. Die Beiden verbringen auch bei der US-Nationalmannschaft viel gemeinsame Zeit. Doch für 90 Minuten ruht die Freundschaft.

Gegen Hertha soll das erste Bundesligator her

Wobei Morales noch eine Botschaft für seinen ehemaligen Mitspieler Pal Dardai los werden will: „John ist viel zu gut, um auf der Bank zu sitzen.“ Brooks hat aus Verletzungsgründen in dieser Saison bisher erst einmal in Herthas Anfangsformation gestanden. Mittlerweile ist der Innenverteidiger wieder fit und mit nach Ingolstadt gereist.

Auch Brooks spricht nur positiv von seinem Buddy. „Alfi hat in Ingolstadt eine positive Entwicklung genommen. In Ingolstadt bekommt er Spielpraxis. Das merkt man seinem Spiel an. Er ist selbstbewusster und spielt jetzt reifer.“

Morales will gegen Hertha unbedingt sein erstes Bundesligator erzielen. Und auch feiern, schließlich „haben wir ein Heimspiel“. Ein Sieg des Aufsteigers am Sonnabend würde ja nicht ausschließen, was er Hertha zum Saisonende gönnt: „Der Hauptstadt-Klub gehört in den Europapokal.“