Bundesliga

Hertha hat ein Heimspiel in der Fremde

In Ingolstadt trifft Hertha auf die zweitbeste Defensive der Liga. Wie Coach Dardai trotz der Sperre seines besten Stürmers den Angriff stärkt

Herthas Alexander Baumjohann (Nummer neun) erlitt zwei Kreuzbandrisse nacheinander und verpasste die gesamte Saison 2014/15. Nun steht der 28 Jahre alte Spielmacher vor seinem Startelf-Comeback

Herthas Alexander Baumjohann (Nummer neun) erlitt zwei Kreuzbandrisse nacheinander und verpasste die gesamte Saison 2014/15. Nun steht der 28 Jahre alte Spielmacher vor seinem Startelf-Comeback

Foto: imago/Eduard Bopp

Berlin.  Zahlen lügen bekanntlich nicht – das ist im Fußball nicht anders als auf jedem x-beliebigen Kontoauszug. Schwarz auf weiß spiegeln sie die nüchternen Tatsachen wider, zwar ohne die vielen Graustufen des Spiels, dafür aber mit bestechender Präzision.

Auch über Hertha BSC und dessen kommenden Gegner FC Ingolstadt sagen die ihnen anhaftenden Kennziffern eine Menge aus. Dass beide Teams mit bislang 14 Punkten einen bemerkenswert guten Saisonstart hingelegt haben, beispielsweise. Vor allem aber, dass sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Während Hertha seine Zähler meist im Olympiastadion einheimste (zehn Punkte in vier Spielen), reichte es auf fremden Plätzen nur zu einem Sieg und einem Unentschieden. Ingolstadt indes hat sich nach drei Siegen und einem Remis den Ruf als „Auswärtsschreck“ erspielt, holte im heimischen Sportpark jedoch lediglich drei Pünktchen. Ein Grund mehr, weshalb Hertha-Trainer Pal Dardai am Sonnabend (18.30 Uhr) auf den „nächsten Lerneffekt“ hofft.

Nur die Bayern kassieren weniger Gegentore

Der bestünde darin, nicht nur gut zu spielen – wie es sein Team ja auch schon bei Hochkarätern wie Dortmund oder Schalke getan hat –, sondern auch zu gewinnen.

Leicht wird das allerdings nicht. Denn: Die „Schanzer“ schießen zwar weniger Tore als jedes andere Team der Liga (sechs), lassen aber fast genauso wenige zu. Erst sieben Mal musste Keeper Ramazan Özcan hinter sich greifen. Einzig Bayern-Keeper Manuel Neuer kommt auf noch weniger Gegentreffer.

„Gegen den Ball sind sie sehr gut organisiert“, sagt Dardai, „aber offensiv? Haben wir bessere Spielzüge und mehr Ballbesitz.“ Anders ausgedrückt: Hertha erwartet beim Aufsteiger ein gefühltes Heimspiel.

Baumjohann vor Startelf-Comeback

Von seiner zuletzt favorisierten Taktik mit zwei Stürmern wird Dardai allerdings abweichen müssen. Vedad Ibisevic ist nach seiner Roten Karte gesperrt. Auf Schalke beorderte Dardai nach Ibisevics Platzverweis den flinken Genki Haraguchi in die Spitze – der nicht mehr ganz so spritzige Salomon Kalou rückte dafür auf den rechten Flügel. Ein Rollentausch, den der Trainer wohl beibehalten wird.

Das wiederum hängt mit Alexander Baumjohann zusammen, der erstmals seit 546 Tagen wieder in die Startelf rücken soll. „Wir brauchen Geduld und Spielfähigkeit“, sagt Dardai, und die Art und Weise, wie Baumjohann auf Schalke mit Kalou kombiniert habe, sei schlicht „Weltklasse“.

Ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf die Rückkehr in die Startformation darf sich Valentin Stocker machen. „Gegen Ingolstadt brauchst du Spieler, die torgefährlich sind“, sagt Dardai, und der Schweizer habe aufgrund seiner Abschlussqualitäten einen „Riesenchance“.

Thomas Kraft bleibt in Berlin, Rune Jarstein weiter im Tor

Insgesamt hat Stocker vier Tore für Hertha erzielt. Sein derzeitiger Konkurrent, Tolga Cigerci, traf erst einmal im Berliner Trikot. Zahlen lügen nicht. Festlegen wird sich Dardai trotzdem erst am Spieltag.

Bereits entschieden ist hingegen die Torwartfrage. Stammkeeper Thomas Kraft verspürt weiterhin Schmerzen in der Schulter, er wird in Berlin bleiben. Stattdessen wird erneut Rune Jarstein zwischen den Pfosten stehen. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen ist der Norweger gefordert, die Anfälligkeit bei gegnerischen Standards in den Griff zu bekommen.

Dardai erwägt in Absprache mit der Mannschaft, bei Eckbällen von Mann- auf Raumdeckung umzustellen. Für Michael Preetz eher eine Marginalie. „Die Zweikämpfe musst du so oder so annehmen“, sagte der Manager. Auch das war nicht gelogen.