Hertha BSC

Pal Dardai lobt: Das sieht nach Fußball aus

Herthas Trainer stellt trotz der Niederlage in Wolfsburg die Fortschritte seines Teams heraus. Langkamp und Kraft fehlen gegen Köln.

Auch Dante (l.) und  Schäfer staunen über den Fallrückzieher von Vedad Ibisevic

Auch Dante (l.) und Schäfer staunen über den Fallrückzieher von Vedad Ibisevic

Foto: imago sportfotodienst / imago/Contrast

Berlin.  In den beiden wichtigsten Fragen gab es keine Entscheidung, aber eine klare Tendenz. „Ich gehe davon aus, dass sie nicht spielen, wir gehen kein Risiko“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. Gemeint waren Schlussmann ­Thomas Kraft und Innenverteidiger ­Sebastian Langkamp, beide absolvieren am heutigen Montag eine MRT-Untersuchung.

Langkamp musste beim 0:2 gegen den VfL Wolfsburg mit einer Sprunggelenksverletzung nach 44 ­Minuten ausgewechselt worden, Kraft wegen Schulterproblemen zur Pause.

Trotz Verletzungspech mit viel Selbstbewusstsein gegen Köln

Somit spielen beide auch nicht am Dienstag mit, wenn Hertha den 1. FC Köln empfängt (20 Uhr, Olympiastadion). Es ist eine interessante Stimmung, die derzeit bei Hertha herrscht. Der Torwart und der Abwehrchef stehen vorerst nicht zur Verfügung. Die Gemütslage nach der zweiten Saisonniederlage bei Hertha: Na und? Dann müssen halt die nächsten ran. Dafür hat man einen breiten Kader. Zudem trainieren ab Montag die Talente Yanni Regäsel, 19, und Nico Beyer, 19, bei den Profis. Und im Tor wird, wie schon in der zweiten Hälfte in der Volkswagen Arena, wieder Rune Jarstein stehen. „Rune ist als norwegischer Nationaltorwart erfahren. Wir haben überhaupt keine Bauchschmerzen, wenn er spielt“, sagte Manager Michael Preetz.

Interessant an der Gefühlslage ist die Spannung, die Trainer Pal ­Dardai ­aufbaut. „Das ist eine neue Hertha unter meiner Führung. Wir machen Fortschritte“, sagte Dardai. „Aber es kann niemand erwarten, dass wir sofort Dortmund und Wolfsburg schlagen.“ Trotzdem lobt er die Seinen: Für das Aufbauspiel, das Herausarbeiten von Chancen, gute Lauf- und Zweikampfwerte. „Es ist nicht mehr wie letztes Jahr. Das sieht nach Fußball aus, das ist das Wichtigste“, so Dardai.

Cigerci gibt Hertha Sicherheit

Eine gute Stunde hatten Berliner ihre Fortschritte gezeigt. Vor allem durch die Rückkehr Tolga Cigercis entstand ein Mittelfeld-Trio mit Per Skjelbred und Vladimir Darida, das der Mannschaft sichtbar gut tat. Endlich war Hertha im Aufbau variabel, jedenfalls solange die Kräfte reichten. „Wir sind viel besser als letzte Saison“, sagte Cigerci. „Wolfsburg ist ein Topteam, wir haben denen das Leben richtig schwer gemacht.“

Aber das ist nur der eine Pol der Spannung. „Wir werden uns nicht einreden, dass wir zufrieden sind, wenn wir null Punkte holen“, sagte Dardai, „wir müssen uns verbessern.“ Diesen Aspekt betonte auch Vedad Ibisevic. Der Stürmer, der nach den Verletzungen von Kraft und Langkamp sowie der Auswechslung von Cigerci (nach 77 Minuten kam Johannes van den Bergh) durchspielen musste, sagte mit Blick auf die Ausbeute von bisher sieben Punkten: „Guter Start hin oder her: Wir müssen weiter punkten. Wir brauchen gegen Köln einen Sieg.“ Geplant hatte der Trainer das Startelf-Debüt von Ibisevic anders. „Ich wollte Vedad nach einer Stunde runter nehmen und mit Salomon Kalou einen frischen Stürmer bringen. Aber das ging nach den Verletzungen nicht mehr.“

Hecking kritisiert Egoismus von Bas Dost

Nach den schwierigen vergangenen anderthalb Hertha-Jahren, die vor ­allem mit dem Umgang von Rück­schlägen bestimmt waren, war es mit dem Selbstbewusstsein in Blau-weiß nicht weit her. Das ändert sich gerade – das ist eine gute Nachricht für ­Hertha. Dardai macht unter anderem den Teamgeist dafür verantwortlich.

Beim VfL Wolfsburg wurde Doppel-Torschütze Bas Dost öffentlich von seinem Trainer gerüffelt. Kindergarten-Verhalten und „Egoismus“ warf VfL-Trainer Dieter Hecking Dost vor, der damit gehadert hatte, dass er nicht in der Startelf gesetzt sei.

Dardais Spitze gegen Ex-Herthaner

Gefragt, ob Salomon Kalou, der bei Hertha Platz machen musste für Ibisevic, ähnliche Star-Allüren an den Tag gelegt habe, sagte Dardai: „Im Gegenteil. Salomon hat sich überragend ­verhalten. Er ist bei der Vorbild-Funktion ganz oben dabei bei uns.“

Dann schoss Dardai noch eine Spitze ab, die mutmaßlich in Richtung Sandro Wagner (jetzt beim SV Darmstadt) und Nico Schulz (jetzt bei Borussia Mönchengladbach) gehen dürfte. ­Dardai sagte: „Die Spieler, die sich nicht vernünftig in der Gruppe verhalten haben, sind alle nicht mehr hier.“

Hertha verabschiedet sich vom Selbstmitleid

Auch auf einer anderen Baustelle, auf der sich Hertha seit Jahren ein wenig selbstmitleidig bewegt hat, sind neue Töne zu hören. „Ich habe mit Schiedsrichter Günter Perl gesprochen. Er hat gesagt, dass es vier knifflige Elfmeter-Situationen gab. Er hat sich dreimal gegen einen Pfiff entschieden, einmal für einen Elfmeter für Wolfsburg“, sagte Manager Michael Preetz. Die TV-Bilder zeigen: Alle Entscheidungen (zwei gegen Hertha, zwei gegen Wolfsburg) hätten auch andersherum ausfallen können.

Seit den Vorfällen rings um das skandalöse Relegationsrückspiel im Mai 2012 in Düsseldorf wabert bei Hertha die Stimmung: Der DFB ist eh’ gegen uns. Der Trainer findet, dass sich­ ­Hertha da entwickeln muss.

„Es ist bitter und das tut weh, zumal die Entscheidungen gegen uns beim Stand von 0:0 waren“, sagte Dardai. Aber es mache keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen. Dardai: „Wir müssen so spielen, dass wir klare Elfmeter ­bekommen. Oder besser noch selbst Tore schießen.“