Verletzungssorgen

Hertha-Coach Dardai: „Es sieht nicht gut aus“

Die Länderspielpause beschert Hertha drei Verletzte. Pekarik fällt länger aus, bei einem anderen Herthaner gibt es hingegen Entwarnung.

Trainer Pal Dardai (2. v. r.) muss gegen Stuttgart mindestens einen Ausfall kompensieren. Mitchell Weiser (r.) könnte  für den verletzten Peter Pekarik einspringen

Trainer Pal Dardai (2. v. r.) muss gegen Stuttgart mindestens einen Ausfall kompensieren. Mitchell Weiser (r.) könnte für den verletzten Peter Pekarik einspringen

Foto: JLange@wmg.loc / picture alliance / Sport Moments

Berlin. Als wäre seine Kleidung nicht schon nass genug gewesen. Pal Dardai hatte am Mittwochvormittag eifrig mitgewirkt beim Training seiner Profis und verließ den Schenckendorffplatz mit klatschnassem Gesicht.

Bevor es unter die wohlverdiente Dusche ging, stellte sich Herthas Cheftrainer aber noch den Fragen der Journalisten – und wurde dabei von den Wasserspritzern eines benachbarten Rasensprengers erwischt. Nicht der einzige Grund, weshalb der Ungar zum Ende der Länderspielpause gefühlt im Regen stand. Denn: Dardai geht das Personal aus.

Die erste Hiobsbotschaft war schon am Sonntag aus Boston nach Berlin geschwappt. John Brooks, abgestellt für das Nationalteam der USA, spürte während der Vorbereitung auf das Länderspiel gegen Brasilien, wie sich sein rechter Oberschenkel verhärtete.

Pekarik droht wochenlange Pause

Auf die Sofortmaßnahmen (Eisbeutel und Bandage) folgte die Schonung. Schon am Dienstag flog der 22-Jährige zurück nach Berlin. „Es gibt eine Chance, dass er gegen Stuttgart spielt“, sagte Manager Michael Preetz der Morgenpost.

Deutlich schlimmer als Brooks hat es Peter Pekarik erwischt. Der Slowake zog sich im EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine (0:0) eine Blessur an der linken Schulter zu.

Auf der Facebookseite des slowakischen Verbands ist Pekarik mit bandagiertem Oberkörper und fixiertem Arm zu sehen. Immerhin kann der Rechtsverteidiger auf dem Foto lächeln. Daumen hoch.

Hoffnungen macht sich bei Hertha aber niemand. „Es sieht nicht gut aus“, sagte Dardai. Eine MRT-Untersuchung ergab eine Verletzung am Kapsel- und Bandapparat. Pekarik wird nun einen Schulterspezialisten in München konsultieren. Wie lange er ausfallen wird, ist bislang offen. Slowakische Medien berichten von drei bis sechs Wochen Pause.

Baumjohann sorgt für Schrecksekunde

Der dritte Schock wurde Dardai von Alexander Baumjohann versetzt. Der 28-Jährige, der nach zwei Kreuzbandrissen in zwei Jahren gerade erst zwei Kurzeinsätze absolviert hatte, krümmte sich am Mittwoch vor Schmerzen auf dem Rasen. Das Knie blieb Gott sei Dank verschont, stattdessen war „nur“ der linke Knöchel betroffen. Am Abend gab der Verein Entwarnung. Heute soll Baumjohann wieder trainieren.

Für Pekarik wird am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion) wohl Mitchell Weiser spielen. Beim FC Bayern übernahm der 21-Jährige die Rolle des Rechtsverteidigers in der vergangenen Saison für zweieinhalb Spiele. Weiser gibt sich cool, sagt: „Ich bin bereit“.

Bleibt die Frage nach Brooks. Der stand am dritten Spieltag erstmals in der Startelf – als dritter Innenverteidiger. Gegen Borussia Dortmund herrschte seinerzeit erhöhter Defensivbedarf. Gegen Stuttgart – mit null Punkten und zehn Gegentoren gewissermaßen der Gegenentwurf zum BVB – dürfte Dardai hingegen mit dem etablierten Duo Fabian Lustenberger/Sebastian Langkamp auskommen.

Preetz im Dialog mit US-Verband

Dennoch: Länderspiele bleiben für Hertha „Fluch und Segen“, wie Preetz sagt. Einerseits gewinnen die Profis an Prestige und Erfahrung. Andererseits erhöhen sich Belastung und Verletzungsgefahr. Beispiel Änis Ben-Hatira: Gerade wieder fit, erlag der Deutsch-Tunesier im März dem Ruf der tunesischen Nationalelf und verletzte sich dort erneut. Ein Comeback ist fünf Monate später noch nicht absehbar.

Im Fall von Brooks hatte Hertha sogar versucht, auf den US-Verband einzuwirken und ihn schon Sonnabend zurückzulotsen. „John hat uns schon in der Vorbereitung gefehlt“, sagte Preetz, „aber wir haben nun mal eine Abstellungspflicht.“ So bleibt es dabei: Die Ungewissheit, ob die Herthaner gesund zurückkehren, begleitet die Verantwortlichen bis zum letzten Länderspiel.

Dardai griff zu dem ihm eigenen Pragamatismus. „Donnerstag habe ich einen Kader“, sagte er. Und: „Wir werden schon ein gutes Spiel machen.“ Bleibt zu hoffen, dass er am Sonnabend nicht wieder im Regen steht.