Am Tag nach seinem Comeback lief der Hoffnungsträger der Blau-Weißen in Rot über den grünen Rasen. Dass Alexander Baumjohann auf dem Schenckendorffplatz herausstach, lag jedoch weniger an seinem Leibchen, sondern an dem, was der 28-Jährige mit dem Ball anstellte.
Während sich Herthas Stammspieler nach dem 1:1 (1:1) gegen Werder Bremen mit leichtem Stretching begnügten, riss Baumjohann beim Kick unter Reservisten das Spiel an sich. Drei-gegen-drei, kleines Feld, große Tore – Baumjohann als siebter Akteur stets im Dienst der ballführenden Mannschaft. Bälle fordernd und verteilend, kurz: im Mittelpunkt.
Gut zwölf Stunden zuvor war es ihm ähnlich ergangen. In Minute 82 hatte ihn Trainer Pal Dardai für Salomon Kalou eingewechselt. Die Hertha-Fans klatschten begeistert in die Hände und bereitete Baumjohann so einen warmen Empfang. „Das“, sagte der Rückkehrer später, „war einer der schönsten Momente meiner Karriere.“
Erstes Bundesligaspiel seit 507 Tagen
Zur Erinnerung: Sein letztes Pflichtspiel lag am Freitag gut ein Jahr zurück, sein letzter Auftritt in der Bundesliga 507 Tage. Zwei Kreuzbandrisse haben ihn demütig werden lassen. „Natürlich hätte ich lieber einen Sieg mitgenommen, aber ich bin dankbar für jede Spielminute“, sagte Baumjohann, der in der hektischen Schlussphase keine Impulse mehr setzen konnte.
Dankbar wird auch Dardai sein, wenn er wieder dauerhaft mit Baumjohann planen kann, mit dessen Wendigkeit, Technik und Auge. Das aber wird noch dauern. „Wir müssen ihn vorsichtig heranführen“, betonte der Ungar.
Auf Mitchell Weiser wird Dardai hingegen schon eher bauen können. Herthas erster Zugang dieses Sommers, der wegen einer Innenbanddehnung im Knie vier Wochen pausieren musste, absolvierte gegen Bremen sein erstes Pflichtspiel für die Berliner.
Keine Sofortlösungen
Der 21-Jährige trat in 15 Einsatzminuten forsch auf und traute sich auf Anhieb viel zu. Am Sonntag in Dortmund wird Dardai ihm die nächste, wohl längere Bewährungschance geben.
Sofortlösungen für Herthas ausbaufähiges Flügelspiel sind von Weiser aber eher nicht zu erwarten. „Er ist für sein Alter ein sehr guter Spieler“, sagte Dardai, „aber unsere Aufgabe ist es, ihn noch besser zu machen.“ Anders ausgedrückt: Weiser soll als Mann für die Zukunft aufgebaut werden.
Die größeren Hoffnungen, daran ließ der Applaus der Fans keinen Zweifel, werden mit Baumjohann verknüpft. Herthas Traum von attraktiverem Fußball, er rückt langsam aber sicher näher.
JL




