Nach dem Abpfiff kam Torsten Frings bei Pal Dardai vorbei, die beiden Ex-Profis zuckten mit den Schultern und gaben sich die Hand. 1:1 (1:1) trennten sich Hertha BSC und Werder Bremen zum Auftakt des zweiten Bundesliga-Spieltages am Freitag. Ein Unentschieden, dass beide Mannschaften ihr Gesicht wahren lässt, aber niemanden wirklich weiterbringt.

„Es war ein ordentliches Heimspiel von uns. Wir sind gut reingekommen, aber wir haben versäumt, das zweite Tor zu machen. Mit dem Spiel kann ich jedoch leben“, sagte Dardai.

Torchancen nicht genutzt

Der Abend hatte vor 56.376 Zuschauern stimmungsvoll begonnen. Die Ostkurve skandierte es bereits 15 Sekunden, nachdem die Begegnung gerade angepfiffen war: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hej!“ So angefeuert, bediente die Mannschaft rasch die Sehnsüchte ihrer Fans.

Beim ersten gelungenen Angriff zog Jens Hegeler aus 16 Metern ab, von Bremens Verteidiger Assani Lukimya halb abgeblockt, landete der Ball bei Valentin Stocker. Der zog sofort aus 14 Metern ab, unhaltbar unter der Latte schlug es ein, 1:0 (6.). Zu diesem Zeitpunkt wies die Blitz-Tabelle Hertha mit sechs Punkten aus vor Meister FC Bayern (drei).

Anders als in Augsburg, wo Hertha nach der Führung den Faden verlor, beflügelte der Vorsprung die Hausherren. Angriff auf Angriff rollte auf das Bremer Tor zu. In der Taktikbesprechung hatten die Berliner vor allem Lopes Garcia, den jungen linken Verteidiger, als Schwachstelle ausgemacht.

Drei Mal in Folge spielte Herthas Genki Haraguchi den Schweizer her, doch der letzte Pass erreichte keinen der Mitspieler. Die Berliner agierten gefällig, erarbeiteten mehren Ecken. Allein, es mangelte wieder einmal an Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. „Uns fehlt noch Torgefahr. Das müssen wir verbessern. Und das werden wird auch verbessern“, versprach Dardai deshalb später.

Ujah spitzelt den Ball über die Linie

Den zunächst stark verunsicherten Gästen reichte eine gelungene Aktion, um ins Spiel zurückzukommen. Garcia flankte von der linken Seite, Hertha-Torwart Thomas Kraft macht anderthalb Schritte nach vorne und dann einen zurück, weil er sah, dass er nicht mehr an den Ball kommen würde. Und wie das so ist, landete der Ball beim Bremer Anthony Ujah, dessen Direktabnahme verunglückte. Doch im zweiten Versuch spitzelte der Angreifer den Ball aus vier Metern über die Linie, 1:1, dahin war die Führung (26.).

Und dahin war auch die Selbstsicherheit. Hertha war eine Viertelstunde von der Rolle. Hinten hielt zwar das Abwehrbollwerk um Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger. Aber die Berliner vermochten den Ball über keine drei Stationen in den eigenen Reihen zu halten. Ob Per Skjelbred, Vladimir Darida oder Hegeler, alle Aufbauspieler strahlten eine rätselhafte Verunsicherung aus. „Da haben wir plötzlich den Faden verloren“, analysierte später Manager Michael Preetz.

Es brauchte die Pause, dann waren die Hausherren wieder da. Salomon Kalou, in der ersten Hälfte ohne jegliche Wirkung, spielte zweimal glänzend Stocker frei. Erst vergab der Schweizer mit einem Schuss aus der Drehung (50.), dann jagte er den Ball aus zehn Meter übers Werder-Tor (51.). Vier Minuten später spielte Pekarik mit einer scharfen Flanke von der Auslinie Stocker frei, doch statt den Ball direkt zu nehmen, unterlief dem Herthaner ein Fehler bei der Annahme – auch diese Gelegenheit war vertan (55.). „Mache ich einen davon rein, gewinnen wir“, ärgerte sich der Schweizer.

Baumjohann feiert Rückkehr

Nach 75 Minuten gab Mitchell Weiser, vom FC Bayern gekommen, sein Pflichtspieldebüt im Hertha-Trikot. Doch nach vorne ging nichts mehr. Stattdessen bemühten die Hausherren wie schon in der Vorwoche in Augsburg ihren Dusel-Faktor. Bei einem Bremer Freistoß kam Kraft diesmal aus dem Tor, den Ball erwischte aber Innenverteidiger Langkamp, über Kraft hinweg senkte sich die Kugel auf die Latte (80.). Glück gehabt. Ebenso in der nächsten Aktion, als ein Kopfball vom Bremer Jannik Vestergaard vom Innenpfosten des Hertha-Tores wieder heraussprang (83.). „Wenn ich ehrlich bin, können wir das Spiel am Ende auch noch verlieren“, sagte Dardai.

Mit tosendem Applaus wurde Alexander Baumjohann begrüßt, der sein erstes Pflichtspiel nach 370 Tagen bestritt, doch es änderte sich nichts mehr. Mit vier Punkten nach zwei Partien grüßt Hertha zwar für 20 Stunden von der Tabellenspitze. Aber nichts ist aus dem historischen Coup geworden: Zwei Spiele in Folge zum Saisonstart hat Hertha weiterhin seit Liga-Gründung 1963 nicht hinbekommen.

Das Spiel im Minutenprotokoll