Bundesliga

Hertha BSC ist auf der Suche nach dem entscheidenden Punch

Die Berliner starten verbessert in die Saison, leiden aber weiter an mangelnder Torgefahr. Die Transferliste schließt am 31. August.

Kaum ein Durchkommen: Salomon Kalou (Nr. 9) rennt gegen die Werder Verteidigung mit Jannik Verstergaard (am Boden) und  Gebre Selassie an

Kaum ein Durchkommen: Salomon Kalou (Nr. 9) rennt gegen die Werder Verteidigung mit Jannik Verstergaard (am Boden) und Gebre Selassie an

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Mit etwas Abstand kann man die Dinge manchmal klarer beim Namen nennen. Pal Dardai schaute gleich zweimal zurück auf die vergangene Saison. „Letztes Jahr, wenn wir ehrlich sind, das war grausam“, sagte der Trainer von Hertha BSC und meinte das Spieljahr 2014/15, das der Hauptstadt-Klub auf einem glanzlosen Rang 15 beendet hatte. Die These vom späten Freitagabend spitzte Dardai am frühen Sonnabend noch mehr zu: „Das, war wir letztes Jahr gespielt haben, kann man nicht Fußball nennen.“

In dieser Deutlichkeit war das von den Verantwortlichen von Hertha BSC, hier vom Cheftrainer, bisher nicht zu hören. Und natürlich nutzte Dardai den Rumpelfußball der vergangenen Saison als Ausgangspunkt, um die Fortschritte in der neuen Saison zu ­beschreiben. Nach dem 1:1 gegen ­Werder Bremen steht Hertha nach zwei Bundesliga-Runden mit vier Punkten da – ein ordentlicher Start des Jahr­ganges 2015/16.

Mehr Tempo, mehr Spielzüge

„Auf der einen Seite bin ich froh, weil das Fußball war“, sagte Dardai über das Unentschieden. „Das war ein gutes Spiel, mit Tempo und Spielzügen. Wir haben uns nicht hinten eingebunkert, sondern nach vorn gespielt.“ Alles Eigenschaften, die die Hausherren bisher in 2015 im Olympiastadion wenig bis gar nicht ­gezeigt hatten. Diesen Fortschritten, die Trainer und ­Team im Sommer erarbeitet ­haben, steht jedoch weiter ein entscheidendes Manko gegenüber: Es mangelt dieser Mannschaft an Punch, an Torgefährlichkeit. Dardai beschreibt es so: „Wir müssen von der Mentalität her gieriger sein.“

Angesprochen fühlen dürfen sich vor allem Salomon Kalou, Jens Hegeler und Genki Haraguchi, aber auch Vladimir Darida oder Peter Pekarik, die jeweils in aussichtsreichen Positionen den Ball nicht im Werder-Tor unterbrachten. Die positive Ausnahme ist Valentin Stocker. „Valentin ist gierig und aggressiv“, lobte der Trainer. Der Schweizer Nationalspieler hatte Hertha bereits nach sechs Minuten mit einem energischen 14-Meter-Schuss in Führung gebracht. Stocker profitierte davon, dass Hertha offensiver ausgerichtet ist und den Defensivverbund weiter weg vom eigenen Tor schiebt. Die Auswirkung erklärte Trainer Dardai: „Dadurch ist Valentin, wenn er zentral spielt, ­näher am gegnerischen Tor.“

„Es nervt, dass wir nicht gewonnen haben“

Die Folge dieser veränderten Spielanlage: Mittlerweile gelingt Hertha immer mal wieder ein vorletzter Pass, der nötig ist, um eine Tormöglichkeit zu erarbeiten. So geschehen bei Stocker, der nach der Halbzeit allerdings gleich drei erstklassige Gelegenheiten vergab (50./ 51./55.). Über Mängel bei den Kollegen wollte Stocker nicht sprechen, nur über sich: „Ich habe zweimal nach guter Vorarbeit von Salomon Kalou falsche Entscheidungen getroffen, und einmal ist mir der Ball versprungen. Ich hätte schon gern ein zweites Tor gemacht.“

Insgesamt versäumte es Hertha in der Phase nach dem Führungstor und zu Beginn der zweiten Hälfte, einen zweiten Treffer nachzulegen. „Es ist positiv, dass wir mehr Chancen ­haben“, sagte Stocker. „aber wir ­müssen den nächsten Schritt machen und so ein Spiel mit dem zweiten Tor ­zumachen.“ Der Offensivspieler fasste die Stimmung in der Mannschaft ­zusammen: „Es nervt, dass wir nicht­ ­gewonnen haben.“

Dardai lobt die Fähigkeiten von Schulz

Unter dem Strich bleibt jedoch die Erkenntnis, dass Hertha mehr Durchschlagskraft braucht, um unbeschadet durch diese Saison zu kommen. Ein Element, das benötigt wird, beschreibt der Trainer am Beispiel von, ausgerechnet, Nico Schulz. „Es fehlt der Mannschaft an Geschwindigkeit“, sagt Dardai, „das müssen wir jetzt durch einen guten Teamgeist ausgleichen.“ Und er erklärt dann die Fortschritte, die Schulz gemacht habe. In der vergangenen Saison habe er die Chancen, die er sich erarbeitet habe, noch überhastet vergeben.

Im DFB-Pokal in Bielefeld sei jedoch Schulz die spielentscheidende Figur gewesen mit seinem unwiderstehlichen Antritt, der zum 1:0 führte. Allerdings hat Hertha Schulz Anfang der Woche für drei Millionen Euro an Liga-Konkurrent Mönchengladbach verkauft. „So ist das Geschäft“, sagte Dardai. Nun sucht ­Hertha eben so einen Spielertyp.

Preetz sucht nacht Verstärkungen

Manager Michael Preetz arbeitet unter Hochdruck. Die Transferliste ist nur noch acht Tage geöffnet. Neben einem Flitzer für die Außenbahn wird Qualität vor dem gegnerischen Tor gesucht. Im Idealfall kann Hertha einen Offensivspieler verpflichten, der schnell, technisch versiert, variabel einsetzbar und tor­gefährlich ist. Eventuell müssen diese Qualitäten verteilt werden auf einen offensiven Mittelfeldspieler sowie einen Stürmer.

Mit dem Sieg in Augsburg (1:0) und dem Unentschieden gegen Bremen ist Hertha sehr solide in die neue Bundesliga-Saison gegangen. Wesentlich für das Abschneiden in den verbleibenden 32 Runden ist die Qualität der Kader­zusammenstellung, die der sportlichen Leitung von Hertha bis zum 31. August, 18 Uhr gelingt.