Bundesliga

Hertha plant eine Zukunft ohne Nico Schulz

Mönchengladbach überweist für den U21-Nationalspieler drei Millionen Euro. Hertha hofft auch ohne Schulz auf Erfolg und wieder mehr Zuschauer

Borussen-Manager Max Eberl begrüßt  Nico Schulz, der einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreibt

Borussen-Manager Max Eberl begrüßt Nico Schulz, der einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreibt

Foto: Twitter / BM

Berlin. – Von den Kollegen bei Hertha BSC hatte sich Nico Schulz, 22, bereits am Sonntag verabschiedet. Am gestrigen Dienstag unterschrieb der U21-Nationalspieler einen Vier-Jahres-Vertrag bei Borussia Mönchengladbach. Hertha erhält eine Ablöse von drei Millionen Euro. Mehr Geld werden die Berliner nicht bekommen. Der Vertrag enthält keine Klausel, dass Hertha bei einem Weiterkauf von Schulz partizipieren würde.

Ein Wechsel, den etwa Sebastian Langkamp, Innenverteidiger von Hertha, betont gelassen aufnahm. „Das ist Nicos Entscheidung. Wir brauchen der nicht nachzuweinen. Das ist nun mal so im Fußball. Ich betrachte das mittlerweile eher nüchtern. Nico hat sich für einen Verein entschieden, bei dem er eine ­gute Perspektive hat.“

Champions League bei Lucien Favre

Während Schulz in Berlin bei Trainer Pal Dardai keinen Stammplatz hatte, wird der schnelle Linksfuß in Mönchengladbach bei ­Borussen-Trainer Lucien Favre in der Champions League spielen.

Bei Hertha wehrt man Fragen nach hochfliegenden Zielen beinahe erschrocken ab. Nach dem Sieg am ersten Spieltag in Augsburg (1:0) kann der Hauptstadt-Klub mit einem Erfolg am Freitag gegen Werder Bremen zumindest für eine Nacht die Führung in der Bundesliga übernehmen (20.30 Uhr, Olympiastadion).

Langkamp mahnt zum Realismus

Langkamp sagte: „Wir sind letzte Saison ­gerade so über die Rasierklinge gesprungen. Da brauchen wir jetzt nicht zu träumen.“

Zum Realismus gehört: Hertha läuft in diesem Spieljahr den gleichen Zielen hinterher wie im vergangenen. Nach wie vor gilt Hertha als ein Verein, der seine Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft hat. Ein wichtiger Punkt sind die Anhänger. „Wir wollen unsere Fans von Anfang an auf unsere Seite ziehen“, sagt Langkamp. Es wird mal wieder Zeit für ein begeisterndes, packendes Heimspiel. Die Mannschaft weiß, dass sie in der bleiernen Rückserie im Olympia­stadion wenig überzeugt hat.

Der Freitag-Termin kostet Hertha Zuschauer

Langkamp erzählt, dass die Mannschaft einen Schlussstrich unter die vergangene Saison gezogen hat und wieder bei Null durchstarten will. „Aber das müssen wir jetzt auch mit Leistung ­belegen.“ Zu den alten Zielen, die auch die neuen sind, gehört die Herausforderung, dass sportlicher Erfolg hilft, die Einnahmeseite zu verbessern.

So knirscht Finanzchef Ingo Schiller mit den Zähnen, dass das erste Heimspiel ausgerechnet auf einen Freitag angesetzt ist. „Das kostet uns richtig Zuschauer“, sagte Schiller der Morgenpost. Zum Vergleich: Im August 2014 strömten zum ersten Heimspiel, ebenfalls gegen Werder Bremen, 59.672 ­Besucher ins Olympiastadion. Über­morgen sind die Verantwortlichen froh, wenn die 50.000er-Marke ­erreicht wird.

Besucher-Rückgang in der vergangenen Saison

Die schwache Vorsaison hat Hertha einen Zuschauer-Rückgang beschert. Laut den offiziellen Zahlen der Deutschen Fußball-Liga - dort werden verkaufte Tickets gezählt (aber keine ­­Frei- und Ehrenkarten) – belief sich der Stadionbesuch bei Hertha 2014/15 auf einen Schnitt von 47.324. ­Damit ist die Auslastung im Olympiastadion ­(Kapazität: 74.244 Plätze) auf 63,8 Prozent ge­sunken. Im Liga-­Vergleich liegt Hertha damit im Mittelfeld vor Hannover, aber hinter Frankfurt und Köln.

Sportlicher Erfolg lockt mehr Zuschauer. Und macht sich auch in der TV-Geldrangliste bezahlt, in der die Leistungen der letzten fünf Jahre einfließen. Da hat sich Hertha im Vorjahr wegen des Abstieges des SC Freiburg von Rang 16 auf Platz 15 vor­geschoben. Folge: Stattliche 26,9 Millionen Euro fließen in die Hertha-Kasse. Aber die Distanz zur Konkurrenz wie dem FC Augsburg (36,1 Mio.) oder ­Hannover (42,6 Mio.) ist ­riesig.

Hertha will sich in der TV-Geldrangliste verbessern

Weshalb die Vorgabe von Schiller aus dem August 2014 im August 2015 noch genau so treffend ist: „Es ist unser Ziel, dass wir uns schnellstmöglich in der ­TV-Geldrangliste verbessern.“