Im Pokal gegen Bielefeld

Jens Hegeler und Herthas neuer Versuch mit alten Mitteln

Jens Hegeler steht für die Hoffnung bei Hertha BSC, mit gleichem Personal diesmal im DFB- Pokal gegen Arminia Bielefeld zu bestehen.

Im vergangenen Jahr schied Jens Hegeler (r.) mit Hertha BSC bei Arminia Bielefeld in Runde zwei des DFB-Pokals aus

Im vergangenen Jahr schied Jens Hegeler (r.) mit Hertha BSC bei Arminia Bielefeld in Runde zwei des DFB-Pokals aus

Foto: Jens Lukas/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Vorerst konnte kein Beweis für die gängige These geliefert werden, dass Fußballer deutlich affiner für Aberglaube und Übersinnliches sind als der Normal­­verbraucher. Unter der Woche nach dem Training machten ein paar Spieler von Hertha BSC die Bekanntschaft mit einem Sport-Astrologen. Der hätte ihnen gern prophezeit, was die neue Saison für sie bereit hält. Aber sonderlich interessiert daran, was die Sterne sagen, war keiner.

Auch Jens Hegeler ging an ihm vorbei, obwohl er sich neulich schon fragte, ob das alles noch Zufall sein kann – oder schon Schicksal. Da bekam Hertha Arminia Bielefeld als Erstrunden-Gegner im DFB-Pokal zugelost, und Hegeler dachte: „Schon wieder?!“

Immer wieder Bielefeld

An diesem Montag müssen die Berliner beim Zweitligaaufsteiger antreten (18.30 Uhr, im Liveticker bei immerhertha.de). Hegeler kennt sich da aus. Schon drei Mal spielte er in Bielefeld im Pokal mit seinen Teams.

Zweimal – mit Nürnberg 2011 (5:1) und mit Leverkusen 2012, als der Mittelfeldspieler sogar ein Tor beim 3:2 nach Verlängerung schoss – ging das gut. Einmal, mit Hertha im vergangenen Jahr, nicht. Die Blau-Weißen flogen in der zweiten Runde raus (2:4 nach Elfmeterschießen), und so war ein neues Puzzleteil zur schmerzhaften Klubbilanz in diesem Wettbewerb dazugekommen.

„Schon wieder?!“ Das denken ja auch die Hertha-Fans, wenn es um ihren Klub im Pokal geht. Da hat sich das Schicksal einen fiesen Running Gag einfallen lassen: in schöner Regelmäßigkeit ein frühes Aus für Hertha.

„Letztes Jahr war es sehr bitter“, erinnert sich Hegeler. Und wenn ein Profi so etwas sagt, folgt meistens ein Aber. „Aber“, sagt Hegeler, „seitdem ist viel passiert. Wir haben uns sehr gut vorbereitet und wollen das nun auch zeigen.“ Dieselbe Konstellation, aber diesmal soll es anders ausgehen.

Nur ein Neuer in der Startelf

Im Grunde genommen ist das im Moment das übergreifende Motto für Hertha. Personell hat sich der Klub bisher noch kaum verstärkt (nur Mitchell Weiser und Vladimir Darida kamen), obwohl die vergangene Saison so ernüchternd lief.

Darida wird in Bielefeld der einzige Spieler in der Startelf sein, der bei der Blamage im Oktober 2014 noch nicht im Kader stand. Manager Michael Preetz arbeitet noch daran, zwei, drei Neue zu verpflichten. Bis dahin startet Hertha weitestgehend mit demselben Teams in die Pflichtspielsaison, aber die Hoffnung ist groß, dass trotzdem alles anders wird.

Besonders Jens Hegeler steht für jenes Hoffen darauf, dass etwas plötzlich funktioniert, das vorher nicht zum Laufen zu bringen war, dass alles gleich bleiben, aber trotzdem besser werden kann.

Erwartungen nicht erfüllt

Man tut Hegeler nämlich nicht unrecht, wenn man behauptet, dass ihm wohl nicht einmal der bestechlichste Sportastrologe für die neue Saison viel Gutes prophezeit hätte. Zu schlecht war die davor. Mit Ausnahme von Stürmer Salomon Kalou hat kein Spieler bei Hertha so viel negative Reaktion von Fans und Presse hervorgerufen wie der 27-Jährige.

Das war nicht immer gerecht, weil Hegeler aus einer längeren Verletzung zu Hertha kam, aber er lieferte auch kaum Gegenargumente. Mit 1,94 Meter Körpergröße sah er bisweilen aus wie eine spazierende Giraffe, die nicht erkannt hat, dass um die Ecke schon die Löwen warten. „Im vergangenen Jahr gab es Erwartungen an mich, die ich nicht erfüllt habe“, sagt Hegeler.

Seit Beginn der Saisonvorbereitung Ende Juni macht Hegeler allerdings einen generalüberholten Eindruck. Plötzlich ist da so etwas wie Dynamik, wo vorher oft Trägheit war. Und plötzlich ist Hegeler – bis dahin nur als Aushilfsinnenverteidiger brauchbar – eine feste Größe in der Startformation von Trainer Pal Dardai. Was hat er geändert? Das Training? Die Ernährung? „Nichts“, sagt Hegeler. „Ich habe alles genauso wie immer gemacht.“

Neues Spielsystem kommt Hegeler entgegen

Das Gute für Hegeler ist neben der verletzungsfreien Vorbereitung vielleicht auch, dass Dardai nicht alles wie immer macht. Der Ungar hat seiner bis dahin spielschwachen Mannschaft einen neuen Stil und ein neues 4-1-4-1-System mit einem variablen Mittelfeld verabreicht.

„Wir spielen jetzt mehr Fußball und halten den Ball. Das kommt meiner Spielweise sicher zugute“, sagt Hegeler. Er muss nun nicht mehr in einer ultradefensiven Formation den Abräumer spielen, sondern kann sich wie schon zu seinen besten Zeiten in Leverkusen als einer von zwei Achtern um die Offensive kümmern.

Solange Alexander Baumjohann und Tolga Cigerci noch nicht fit sind, kann er sich beweisen. Und Bielefeld ist die erste Bewährungsprobe.

Finale ist das Ziel

„Arminia ist ein schweres Los für uns. Aber wenn wir zeigen, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben, werden wir gewinnen“, sagt Hegeler.

Weil Dardai die besondere Berliner Sehnsucht nach dem Endspiel im eigenen Stadion kennt, hat er als Ziel für diese Pokalsaison sogar das Finale ausgegeben, obwohl der Klub „nur“ mit der dritten Runde plant. Aber auch das hat bei der Verkündung durch Herthas Finanzchef Ingo Schiller im Mai ja schon für ein paar Lacher gesorgt.

In Herthas Umfeld ist man eher skeptisch, was dieses Unterfangen angeht. Ebenso skeptisch wie bei Jens Hegeler. Klub und Spieler müssen nun beweisen, dass sich das ändern lässt.