– Vorigen Sommer war Salomon Kalou in der Vorbereitung noch nicht dabei, weil er erst Ende August vom OSC Lille zu Hertha BSC stieß. Da hatte die Bundesliga-Saison längst begonnen. Im Winter fehlte der Ivorer dann wieder bei der Vorbereitung, weil er beim Afrika-Cup spielte. „Um so mehr bin ich froh, dass ich diesmal fast die ganze Vorbereitung mitmachen kann“, sagt Kalou nun. „Das ist gut für mich, für meine Fitness und für die Mannschaft.“ Der Stürmer stieg am Montag ebenso in das Konditionstrainingslager am Scharmützselsee ein wie die anderen Nationalspieler Valentin Stocker, Per Skjelbred und Peter Pekarik, die wegen der Länderspieltermine im Juni zehn Tage länger Urlaub hatten.

Bei Kalou waren in der vergangenen Bundesliga-Saison einerseits seine Ballsicherheit und die Kaltschnäuzigkeit aufgefallen. Aber auch ein Mangel an Dynamik und Fitness. Dieser soll diesmal möglichst nicht hemmen.

Neben Kalou (27 Einsätze, sechs Tore, drei Vorlagen) hofft auch Stocker auf ein besseres zweites Jahr bei Hertha. „Man hat es nicht immer in der Hand. Wenn man in eine Mannschaft kommt, die gerade einen megaguten Start erwischt, kommt man als Neuer einfach besser rein“, sagt der Schweizer (kam aus Basel). Das ist eine höfliche Umschreibung für Herthas rumpelige Saison. Doch 2015/16 soll es nun besser werden. Trainer Pal Dardai sagt: „Das erste Jahr in der Bundesliga ist immer schwer, weil in Deutschland anders Fußball gespielt wird.“ Aber nun wüssten beide Stars, was sie erwartet. Die Bundesliga ist halt schnell und körperbetont. „Es hört sich vielleicht komisch an. Aber Salomon und Valentin haben nun ein anderes Hirn, sie kennen die Liga. Ich erwarte, dass sie sich in ihrem zweiten Jahr Bundesliga steigern“, so Dardai.

Mit 30 wird man nicht schneller

Nun wird Kalou Anfang August 30 Jahre. In diesem Alter wird man sicher nicht mehr schneller. Aber manchmal bewusster. Und so scheint Kalou seine Ankündigungen umgesetzt zu haben. Bei der Saisonanalyse mit Trainer und Manager Ende Mai hatte er seine Vorgesetzten zunächst nicht zu Wort kommen lassen, sondern mit kritischer Selbstanalyse überrascht. Nach dem Urlaub präsentierte sich Kalou mit extrem definierter Oberkörper-Muskulatur. Zudem hatte er im Urlaub in den USA Caley Alyssa, eine prominente kalifornische Yoga-Lehrerin als Privatcoach engagiert. „Das ist gut für meinen Spirit.“

Wenn Spieler Eigenverantwortung übernehmen, findet das ein Trainer immer gut. Doch Dardai gab Kalou noch weitere Denkanstöße mit auf den Weg. Er habe dem Stürmer reichlich den Rücken gestärkt, auch wenn dessen Leistungen im Kampf um den Klassenerhalt nicht immer berühmt waren. Das sei nun aber vorbei. „Jetzt herrscht Konkurrenzkampf“, sagt Dardai. „Die Vorbereitung ist lang, bis zum 31. August kann noch einiges passieren.“

Der Trainer stellt niemandem mehr Freifahrtscheine aus. Bis Ende August ist bekanntlich auch die Transferliste geöffnet. Die funktioniert in beide Richtungen. Hertha hofft gerade im Sturm auf ein Last-Minute-Schnäppchen. Und wenn ein Neuer kommt, ist es gut möglich, dass auch ein Stürmer gehen muss. Selbst wenn er der prominenteste ist. Kalou begrüßt solche Ansagen: „Der beste Weg, um eine Mannschaft zum Erfolg zu führen, besteht darin, den internen Konkurrenzkampf zu erhöhen“, sagt er. Im Trainingsspiel danach verschoss er dann aber einen Elfmeter, während Rückkehrer Sami Allagui vier Tore erzielte.