Bundesliga

Glücksspielanbieter Bet-at-home wird Hertha-Hauptsponsor

Hertha hat einen neuen Hauptsponsor: Künftig steht das Logo von Wettanbieter Bet-at-home auf den Trikots.

Sandro Wagner, Ronny, Marvin Plattenhardt und Fabian Lustenberger (v.l.) erfrischen sich nach dem Training in Bad Saarow in der Eistonne, ganz ohne Wetteinsatz

Sandro Wagner, Ronny, Marvin Plattenhardt und Fabian Lustenberger (v.l.) erfrischen sich nach dem Training in Bad Saarow in der Eistonne, ganz ohne Wetteinsatz

Foto: Ottmar Winter

Bad Saarow –.  Die gute Nachricht für Hertha BSC lautet: Die Tage oben ohne sind vorbei. Alle Anzeichen deuten darauf, dass der Fußball-Bundesligist zeitnah den Wettanbieter Bet-at-home als neuen Brustsponsor vorstellen wird. Das wurde der Berliner Morgenpost aus zuverlässiger Quelle bestätigt. Damit haben die Blau-Weißen rechtzeitig vor dem Saisonstart Mitte August die Lücke gefüllt, die durch den Ausstieg der Deutschen Bahn zum 30. Juni entstanden war.

Offiziell war vom Hauptstadtklub, der derzeit bei brütender Hitze im Konditionstrainingslager am Scharmützelsee trainiert, nur zu erfahren: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Und wenn es etwas zu vermelden gibt, werden wir das tun.“

Partner X-Tip muss erst noch zustimmen

So wie dieser Zeitung berichtet wurde, ist sich Hertha mit dem neuen Hauptsponsor einig. Allerdings gibt es noch keinen offiziellen Vollzug, weil der Klub seit 2014 einen Vertrag als Exklusivpartner hat mit X-Tip-Sportwetten. Hertha sichert solchen Sponsoren die Branchen-Exklusivität zu, ebenso ein sogenanntes Matching Right.

Eine Sonderklausel, nach der das Unternehmen gefragt werden muss, ob es bereit ist, zu den Konditionen, die mit dem neuen Hauptsponsor vereinbart sind, dessen Vertrag zu übernehmen. Eine Reaktion von X-Tip steht noch aus. Es gilt intern jedoch als unwahrscheinlich, dass der Exklusivpartner von seinem Recht Gebrauch macht.

Sponsoren-Geld geht heute meist an Topklubs

Die schlechte Nachricht für Hertha ist, dass der Klub sich auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor den Marktmechanismen beugen muss. Während die Marke Bundesliga boomt und bei der nächsten Verhandlungsrunde für die neuen TV-Verträge von 2017 bis 2020 erneut Rekordmarken erwartet werden (auch dank zweier neuer Anstoßzeiten), tut sich Hertha schwer, von diesem Boom zu profitieren. Die Blau-Weißen haben seit Jahren nicht mehr sportlich positiv überrascht. Irgendwann kann es da der Hauptstadt-Bonus allein auch nicht mehr herausreißen. Zumal der Trend in der Wirtschaft ohnehin dahin geht, Sponsoring-Millionen nicht mehr mit der Gießkanne über der Bundesliga zu verteilen, sondern sich gezielt auf Topklubs zu konzentrieren.

Opel sprang wieder ab

Seit vielen Monaten waren Hertha und Sportrechtevermarkter Sportfive unterwegs. Ein Wettanbieter war ursprünglich nicht der Wunschpartner. Eigentlich hätte es etwas hippes, in die Zukunft gerichtetes sein sollen - wie das Unternehmen Rocket Internet, mit dem intensiv geflirtet wurde. Oder ein Marken-Schwergewicht wie Opel. Dem Vernehmen nach waren die Verhandlungen mit dem Automobilhersteller so weit fortgeschritten, dass bereits über Kataloge nachgedacht wurde, in denen Opel den Hertha-Mitgliedern sensationell günstige Leasingraten anbieten wollte.

Geworden ist es nun ein Wettanbieter, der für drei Jahre auf die Hertha-Brust gehen wird. Die bet-at-home -Gruppe verfügt über Gesellschaften in Deutschland, Österreich, Malta sowie Gibraltar. Laut Auskunft auf der eigenen Internetseite umfasst die Produktpalette Sportwetten, inklusive Hundewetten, Casino, Live-Casino, Games und Poker. Bet-at-home ist als Sponsor im Sport seit Jahren aktiv, aktuell etwa als Partner beim FC Schalke oder Austria Wien. Die Branche ist zwar milliardenschwer, genießt jedoch nicht den besten Ruf. Immerhin führt Bet-at-Home, anders als andere Anbieter, fünf Prozent der Wetteinsätze als Steuer an den deutschen Fiskus ab.

Das Bundesverfassungsgericht hat 2010 in einem Urteil zum Glücksspielvertrag darauf verwiesen, dass es gelte, Spielsucht zu bekämpfen sowie die Entstehung zu verhindern und vor allem Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten. Auch juristisch ist das Thema Glücksspiel in Deutschland und Europa seit vielen Jahren umstritten. Für ein Wettunternehmen ist das Brustsponsoring bei einem Profiklub ein lohnendes Ziel. Der Bundesliga-Fußball findet in einem Umfeld statt, das für Millionen von Fans positiv besetzt ist.

Bis zu 18 Millionen Euro

Hertha, so scheint es, konnte sein angestrebtes Finanzvolumen wohl nur mit einem Wettanbieter erreichen. Die „Bild“ berichtete von bis zu sechs Millionen Euro, die der Klub pro Saison einstreichen kann. Das macht bei einem Drei-Jahres-Vertrag bis zu 18 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Bahn überwies Hertha für das abgelaufene Spieljahr vier Millionen. Branchenprimus FC Bayern erhält von der Telekom 30 Millionen – pro Jahr.

Im Vertrag mit den Blau-Weißen sind auch Prämien ausgehandelt. Die werden gemeinhin verbunden mit Meisterschaft, Pokalsieg oder dem Erreichen von internationalen Wettbewerben. Mit solchen Erfolgen kann Hertha schon länger nicht mehr aufwarten. Die vergangene Saison wurde als Tabellen-15. abgeschlossen.

Sonderprämien ausgehandelt

Dennoch konnte der Verein dem Vernehmen nach Prämien aushandeln für den Fall des Bundesliga-Klassenerhaltes sowie für das Erreichen einer realistischen Punktzahl. Wenn dem so ist, wäre es eher unüblich, spricht aber für das Verhandlungsgeschick der Hertha-Beteiligten. Und dafür, wie groß das Interesse des Wettanbieters ist, in der schönen bunten Bundesliga-Welt an herausgehobener Stelle dabei zu sein.

Herthas sportliche Leitung, Manager Michael Preetz und Trainer Pal Dardai, hat mit dem neuen Hauptsponsor-Vertrag im Rücken mehr finanziellen Bewegungsspielraum bei der Suche nach neuem Personal. Bekanntlich will sich Hertha im Sturm, im offensiven Mittelfeld sowie in der Innenverteidigung für das Spieljahr 2015/16 verstärken. Das Transferfenster ist bis zum 31. August geöffnet.