Die Ansagen des Fitnesstrainers klingen harmlos. „Dann laufen wir mal ein paar Bahnen“, sagt Henrik Kuchno. Das Thermometer auf dem Waldsportplatz von Reichenwalde zeigt 36 Grad, die Spieler von Hertha BSC arbeiten bereits seit 65 Minuten auf dem Platz.
Die „paar Bahnen“ entpuppen sich dann als Laufeinheit mit fünf Mal 800 Metern, aufgeteilt in drei verschiedene Intervalle – also richtig harte Arbeit. „Augen zu und durch“, beschreibt Sami Allagui seine Gefühle dabei. Der in Düsseldorf Geborene hat 28 Länderspiele für Tunesien absolviert.

Im Gegensatz zu den meisten Kollegen, die die Hitze als belastend empfinden, sagt Allagui: „In Afrika habe ich unter wirklichen extremen Bedingungen gespielt.“ Soll heißen: Ihn werfe so ein sommerliches Hoch in Brandenburg nicht um.
„Ich bin wieder zuhause“
Allagui ist auch sonst eine eher ungewöhnliche Personalie beim Hauptstadtklub. „Ich bin wieder da, ich bin hier zuhause“, sagt er selbst. Ein Jahr war er nämlich an Liga-Konkurrent FSV Mainz ausgeliehen gewesen, dort aber nur zu 19 Spielen gekommen, bis auf zwei alles nur Teilzeit-Einsätze.
Die Karriere schien also ins Trudeln geraten, seit Herthas Ex-Trainer Jos Luhukay im vorigen Sommer mitteilte, dass er keine regelmäßigen Einsätze garantiere. Pal Dardai, mittlerweile Cheftrainer bei Hertha, sieht das anders. „Ich hätte Sami nicht ausgeliehen“, sagte er dem „Kicker“. Er sehe Allagui auch nicht im rechten Mittelfeld (wie Luhukay), sondern als Stürmer.
„Sami ist dort immer anspielbar, kann die Bälle klatschen lassen. Außerdem ist er torgefährlich. Und davon haben wir nicht so viele Spieler.“ Zwischen 2012 und 2014 war Allagui in 55 Spielen auf 15 Tore und 14 Vorlagen gekommen – das ist aller Ehren wert.
Allagui hat es wegen seines Spielstils jedoch immer schwer. Er ist weder graziler Techniker, noch begnadeter Freistoßschütze. Er bewegt sich oft unorthodox. An guten Tagen stürzt er die Gegner in Verzweiflung, manchmal wissen aber auch Kollegen nicht, was Allagui vorhat.
4-2-3-1 statt 4-1-4-1
Er selbst sagt: „Ich bin nicht der Typ, der zehn Übersteiger macht. Aber ich stehe für Effizienz. Und die hat in Berlin ein wenig gefehlt.“
Zudem will Dardai künftig ein neues System spielen lassen, statt 4-2-3-1 heißt es dann 4-1-4-1. Da er Allagui als Sturmspitze einsetzen will, konkurriert der Deutsch-Tunesier um die eine Position im Zentrum mit Salomon Kalou, Sandro Wagner und Julian Schieber.
Schieber laboriert an den Folgen einer Knie-OP, derzeit ist nicht abzusehen, wann er seinen Beruf wieder ausüben kann. Kalou steigt heute in die Saisonvorbereitung ein, mit anderen Länderspielfahrern wie Peter Pekarik (Slowakei), Valentin Stocker (Schweiz) und Per Skjelbred (Norwegen).
Es kann zudem sein, dass sich die Situation im Sturm noch ändert. Hertha hat Wagner, dessen Vertrag noch bis 2016 läuft, einen Wechsel nahegelegt. Dardai hofft, zum Ende der Transferfrist, wenn der eine oder andere Verein die einkalkulierte Champions-League-Qualifikation nicht erreicht hat, einen hochwertigen Stürmer verpflichten zu können.
Ronny muss aussteigen
So wie es Hertha 2008 mit Andrej Voronin (vom FC Liverpool) gelungen ist oder zuletzt mit Kalou (Lille). Allagui weiß, dass Veränderungen und Konkurrenzkampf zum Geschäft gehören. „Ich konzentriere mich darauf, dass ich gesund bleibe. Wir bereiten uns intensiv vor, um fit zu werden. Ich möchte dann möglichst viele Spiele machen.“
Unterdessen musste Ronny den Anstrengungen Tribut zollen, wegen Achillessehnen-Problemen stieg der Brasilianer bei der Einheit am Sonntagvormittag aus. Offiziell ist zudem der Abgang von Fabian Holland, 24. Das Hertha-Eigengewächs wechselt für eine geschätzte Ablöse von 300.000 Euro zum Liga-Aufsteiger SV Darmstadt. Dorthin war der Linksverteidiger bereits in der Vorsaison ausgeliehen worden.





