Mitgliederversammlung

Hertha-Mitglieder fordern den Rücktritt von Manager Preetz

Michael Preetz am Pranger: Auf der Mitgliederversammlung des Hauptstadtklubs erlebt der Hertha-Manager einen ungemütlichen Abend. Rückendeckung bekommt er von Präsident Gegenbauer.

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Einen ungemütlichen Abend verbrachte Michael Preetz bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC. Der Manager wurde mehrfach von Mitgliedern gefragt, warum er nicht endlich zurücktrete. Zudem wurde Präsident Werner Gegenbauer gefragt, warum er eigentlich Preetz für den geeigneten Manager von Hertha halte.

Die schwierige Saison und ihre Ursachen waren Hauptthemen der von 1541 Mitgliedern besuchten Versammlung im CityCube Berlin. Preetz überzeugte nur Teile der Mitglieder mit seiner Argumentation, die lautete: „Ich werde den Teufel tun und mich dafür schämen, dass wir das Saisonziel erreicht haben.“ Hertha hat drei Jahre in Folge mit dem Wiederaufstieg 2013 und dem Klassenerhalt 2014 und 2015 die selbst gesteckten Vorgaben geschafft.

Bei der Aussprache dominierten zunächst die Emotionen. So gab es viel Applaus für ein Mitglied, das forderte: „Ich würde dringend überlegen, mal die Position des Geschäftsführers Sport zu überdenken.“ Ein anderes Mitglied fragte: „Treten Sie von sich aus zurück, Herr Preetz?“ Jemand anderes fragte, womit Preetz eigentlich begründete, dass er weiter im Amt bleibe.

Vertrag für Dardai noch in Arbeit

Es dauerte rund zweieinhalb Stunden, bis die Emotionen etwas runter gingen. Präsident Werner Gegenbauer trat jeglichen Forderungen entschieden entgegen. „Ich bin selbstverständlich der Meinung, dass wir in der Geschäftsführung mit Michael Preetz und Ingo Schiller und Thomas Herrich gut aufgestellt sind.“ Nach erneuten Nachfragen sagte Gegenbauer: „Ich halte Michael Preetz nach wie vor für den richtigen Mann am richtigen Platz.“

Was dem Präsidenten wichtiger war, war der Blick auf die Zusammenhänge. Bei den Möglichkeiten, die Hertha hat, werde auch die Zielstellung für die kommende Saison 2015/16 ähnlich sein wie im abgelaufenen Spieljahr. „Schlussendlich werden wir kommende Saison zwischen Platz zehn und dem Relegationsplatz rauskommen“, sagte Gegenbauer, „das spiegelt die Möglichkeiten von Hertha wider.“ Manager Preetz sagte: „Wir stehen in einem harten Wettbewerb. Sie sehen, dass die Traditionsvereine es schwer haben in der Liga sich zu behaupten. Ich habe mit keiner Silbe gesagt, dass wir zufrieden sind oder dass alles super wäre.“

Zu Beginn der Versammlung hatte sich die Mannschaft mit Trainer Pal Dardai den Mitgliedern gezeigt. Dardai sagte: „Danke für die Geduld, die ihr gezeigt habt. Ohne eure Unterstützung, ohne die positive Stimmung in der Stadt wäre es nicht möglich gewesen, die Klasse zu halten.“ Dardai wird sich am heutigen Mittwoch mit Preetz zusammensetzen. Ziel ist es, einen Cheftrainer-Vertrag aufzusetzen. Preetz sagte: „Es war immer unsere Absicht, mit Pal und Rainer Widmayer weiterzumachen. Wir sind überzeugt von den Qualitäten.“

Finanziell ist Hertha so gut aufstellt wie seit Jahren nicht. Zum 30. Juni wird der Verein erstmals seit Jahrzehnten die zinstragenden Verbindlichkeiten auf Null senken. Zum Vergleich: Im Juni 2014 lag der Vergleichswert bei 24,4 Millionen Euro. Möglich geworden ist die Entwicklung durch den Einstieg des Finanzinvestors KKR (New York) im Februar 2014. In der Folge hat Hertha die Finanzen umstrukturiert.

37,5 Millionen Euro für Personal

Die Bundesliga-Saison 2015/16 geht der Klub mit folgender Planung an: Hertha rechnet mit 40 Punkten sowie einem Aufkommen von im Schnitt 49.300 Besuchern im Olympiastadion. Für Heiterkeit sorgte die Ansage von Schiller, im DFB-Pokal gehe Hertha vom Erreichen der dritten Runde aus. Hintergrund: Hertha wird seit Jahrzehnten von einer „Pokal-Allergie“ geplagt und pflegt regelmäßig in einer der ersten beiden Runden an unterklassigen Klubs zu scheitern. Vorgesehen für das kommende Spieljahr sind Ausgaben von 78,4 Millionen Euro. Der größte Posten im Budget ist der Aufwand fürs Personal mit 37,5 Millionen Euro.

Über den Nachfolger von Brustsponsor Deutsche Bahn, die ihr Engagement nach neun Jahren zum 30. Juni beendet, ist noch keine Entscheidung gefallen. An Einnahme aus dem Bereich TV/Radio/Medien erwartet Hertha 27,5 Millionen. Die Berliner rangieren derzeit in der TV-Geldrangliste der Liga auf Platz 15. Hier kann sich Hertha noch um einen Rang verbessern. Dann, wenn der Karlsruher SC, Dritter der Zweiten Liga, sich in der Relegation gegen den HSV durchsetzt, den Bundesliga-16.

Das Minutenprotokoll der Hertha-Mitgliederversammlung

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