Bundesliga

Für Herthas Marcel Ndjeng wird jeder Einsatz wichtig

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Jörn Lange

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Der Vertrag des 32 Jahre alten Allrounders läuft zum Saisonende aus. Umso mehr hofft Marcel Ndjeng bei Hertha BSC auf Chancen, um sich zu empfehlen. Gegen Köln könnte er nun in die Startelf rutschen.

90 Minuten waren ihm nicht genug. Also schnappte sich Marcel Ndjeng nach Herthas Vormittagstraining am Mittwoch ein paar Freistoßdummys (sie imitieren im Fußballtraining Gegenspieler), arrangierte sie zu einer Mauer und schoss mit seinen Teamkollegen Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi minutenlang Freistöße aufs Tor. Mal mit Wucht ins Torwarteck, mal gefühlvoll über die im Weg stehenden Pappkameraden, mal knapp an ihnen vorbei.

Ndjengs Arbeitsethos vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Sonnabend im Olympiastadion (15.30 Uhr) ist bemerkenswert. Vielleicht ist der mit 32 Jahren älteste Spieler im Team inspiriert durch das Hinspiel. Im November gelang ihm sein bislang einziges Saisontor zum 2:1-Endstand, per Freistoß wohlgemerkt. „Das waren keine unwichtigen Punkte“, sagt der Rechtsfuß. Nach dem Pokals-Aus in Bielefeld und Pleiten gegen Paderborn und Hannover glich sein Siegtreffer einem Befreiungsschlag.

Für Ndjeng geht es in den verbleibenden sechs Saisonspielen um mehr als den Klassenerhalt. Er spielt um seine Zukunft. Sein Vertrag ist der einzige bei Hertha, der im Sommer ausläuft. „Wenn es dazu kommt, dass ich bleibe“, sagt Ndjeng, „freue ich mich zu einhundert Prozent.“ Manager Michael Preetz, der seinen Vertrag vor der Saison um ein Jahr verlängerte, hat angedeutet, dass er den Verhandlungen offen gegenübersteht; Co-Trainer Rainer Widmayer hält ihn für einen „richtig guten Spieler“.

Roy Beerens droht auszufallen

Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit, Vielseitigkeit – Ndjeng bringt vieles von dem mit, was sich ein Trainer von seinen Spielern wünscht. Zur Stammkraft in der Bundesliga hat es trotzdem nicht gereicht. Das war unter Jos Luhukay, der Ndjeng bei vier verschiedenen Vereinen trainierte, nicht anders als unter Dardai. Seine Rolle ist unverändert. Wenn er gebraucht wird, liefert er in der Regel eine solide Leistung ab.

14 Einsätze kann der gebürtige Bonner in dieser Saison vorweisen. Neun Mal spielte er durch, nicht selten profitierte er dabei von den Ausfällen seiner Kollegen. „Wenn Not am Mann ist, werde ich reingeschmissen“, weiß er, „darauf stelle ich mich ein.“ Nun könnte es wieder soweit kommen. Rechtsaußen Roy Beerens schmerzt das Sprunggelenk, Dardai sagt, es sehe nicht gut aus.

Umso größer ist bei Ndjeng die Hoffnung auf einen Einsatz in der Startelf. Er weiß um seine Situation, weiß, dass er jede Chance braucht, um zu zeigen, dass es immer noch wertvoll sein kann für Hertha. So, wie damals in Köln. „Das kann man am Wochenende ja vielleicht wiederholen“, sagt Ndjeng mit einem Lächeln. Die Probe am Mittwoch sah recht vielversprechend aus.