Bundesliga

Nach dem Sieg gegen Paderborn steht Dardai vor Beförderung

Die Rettung ist nah: Der lange glücklose Valentin Stocker hat Hertha BSC beste Aussichten im Abstiegskampf beschert. Sein Trainer Pal Dardai steht vor seiner Beförderung zum dauerhaften Chefcoach.

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Von Feiertagsstimmung wollten sie nicht viel wissen bei Hertha BSC. Trainer Pal Dardai gewährte seinen Profis zwar einen freien Montag zum „verspäteten Eiersuchen“. Ab Dienstag aber, betonte der Ungar, gelte die Aufmerksamkeit zu 100 Prozent dem „sehr, sehr wichtigen Spiel“ in Hannover. Dass Paderborns Coach Andre Breitenreiter dem Berliner Fußball-Bundesligisten nach dessen 2:0 (0:0) gegen die Ostwestfalen schon zum Klassenerhalt gratulierte, passte weder Dardai noch Michael Preetz so recht in den Kram. Ein paar Punkte werde man schließlich noch brauchen, sagte der Manager.

Das stimmt nicht unbedingt. 32 Zähler hat Hertha nach dem 27. Spieltag auf dem Konto. In sechs der vergangenen sieben Spielzeiten reichte das, um der Bundesliga erhalten zu bleiben. Rang elf, sieben Zähler Vorsprung auf Relegationsplatz 16 – der Fußballgott müsste schon tief in die Trickkiste greifen, um Hertha doch noch in Liga zwei zu schubsen. Wenig verwunderlich also, dass am Sonntag eine Welle der Erleichterung durch das Olympiastadion schwappte.

Bis es so weit war, mussten sich die Berliner jedoch lange gedulden. 68 Minuten verkam das fußballerische Armdrücken mit dem Tabellenvorletzten zu einer äußerst zähen Veranstaltung. In der ersten Halbzeit beschränkten sich die Paderborner darauf, unverdrossen ihre Beine in den Weg zu stellen. Hertha zeigte deutlich mehr Engagement, tat sich gegen einen defensiv ausgerichteten Gegner aber gewohnt schwer. Um zur Pause fünf Berliner und zwei Paderborner Torschüsse zu registrieren, mussten die Statistiker viel Wohlwollen an den Tag legen.

Es war ein scheußlich anzusehender Kick, der aber in dem Moment vergessen war, den Preetz später als „Befreiung“ beschrieb. Paderborns Torwart Lukas Kruse hatte einen Freistoß von Marvin Plattenhardt an die Latte gelenkt, gegen den Nachschuss von Valentin Stocker war er jedoch machtlos. Ein Tor, das zur Ästhetik der Partie passte. „Solche Spiele“, meinte Breitenreiter, „werden immer durch Standards entschieden.“

Erstes Tor für Valentin Stocker

Die 44.031 Zuschauer im Olympiastadion konnten damit gut leben. Sie feierten Stocker genauso frenetisch wie seine Kollegen auf dem Rasen. Der quirlige Schweizer, bis dahin zwar bemüht, aber bestenfalls glücklos, rutschte auf dem Allerwertesten zur Eckfahne, schrie seine Freude heraus und zeigte seine Fäuste. Für ihn war sein Treffer mehr als ein Tor gegen einen Zweitliga-Anwärter. Es war sein erstes Tor für Hertha überhaupt, nach zuvor 18 erfolglosen Anläufen.

„Man merkt, dass Valentin immer besser in Fahrt kommt“, sagte Landsmann Fabian Lustenberger. „Diesmal ist ihm der Ball so vor die Füße gefallen, dass er ihn reinmachen konnte. Dieses Glück hatte er bislang nicht.“ Für Preetz war Stockers Premierentreffer die logische Fortführung der vergangenen Wochen. Stocker habe bislang „viel initiiert“, sagte der frühere Torjäger, „jetzt hat er endlich selbst getroffen. Er hat lange darauf gewartet und sich den perfekten Zeitpunkt dafür ausgesucht.“

Stocker selbst nutzte die Gelegenheit für einen Blick in den Rückspiegel. Der 25-Jährige erinnerte an die „schwierige Zeit“ im Sommer, als der WM-Teilnehmer von den Medien als „Königstransfer“ gefeiert wurde. An die schweren Beine nach dem Turnier in Brasilien und den verkorksten Start unter Jos Luhukay, der Stocker zunächst in Herthas Regionalligateam beordert hatte und ihn erst am siebten Spieltag in die Startelf der Profis hievte. Warum er nicht verzweifelt sei? Weil es immer Hochs und Tiefs gebe. Stocker macht sich keine Illusionen. Er weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen. An seiner Erleichterung änderte das nichts. „Ich genieße den Moment sehr“, gab er zu. In der Länderspielpause hatte er schon erstmals seit viereinhalb Jahren für die Schweiz getroffen.

Stockers persönliche Befreiung – sie war auch Herthas Befreiung. Paderborn, nach nur einem Sieg aus 16 Spielen unter Druck, blieb in Rückstand liegend keine andere Wahl, als mehr zu wagen. Das schaffte Raum für Konter. Vier Mal rannten Salomon Kalou (77., 82.), Nico Schulz (85.) und Genki Haraguchi (87.) erfolglos auf das Tor zu, ehe Schulz den Ball nach Pass von Peter Pekarik per Direktabnahme ins Netz drosch. Auch für ihn, der erst in der 74. Minute eingewechselt worden war, war es das erste Bundesligator – und das vier Tage nach seinem 22. Geburtstag. Das schönere Geschenk seien allerdings die drei Punkte gewesen, meinte Schulz. Davon, dass Hertha nun durch sei, wollte aber auch er nicht sprechen.

Seit fünf Spielen ungeschlagen

Stattdessen sprach er über Pal Dardai. „Wenn es erfolgreich weitergeht, weiß ich nicht, ob man etwas ändern muss“, sagte das Eigengewächs. Tatsächlich kann sich Hertha nun, da das Abstiegsgespenst aus der Hauptstadt vertrieben ist, der Zukunftsplanung widmen. Momentan gibt es wenige Gründe, einen anderen als Dardai auf den Cheftrainer-Stuhl zu setzen. Der 39-Jährige hat es geschafft, der Mannschaft einen bedingungslosen Kampfgeist einzuimpfen und Hertha zu stabilisieren – die Berliner sind seit fünf Spielen ungeschlagen. Und den Rückhalt der Fans hat er als Rekordspieler des Klubs ohnehin.

Michael Preetz will sich in der Trainerfrage nicht drängen lassen. Er sagt: „Wir müssen weiterarbeiten und unser Ziel erreichen – den Klassenerhalt. Danach setzen wir uns zusammen.“ Nach einem Sieg in Hannover am Freitag dürften Manager und Coach wohl eine längere Zusammenkunft haben. Dann sicher auch in Feiertagslaune.