Hertha BSC

Hertha-Trainer Pal Dardai - „Ich heule nicht rum“

Der Hertha-Trainer weist eine Mitschuld an den Verletzungen von Tolga Cigerci und Änis Ben-Hatira von sich. Der Tunesier hat einen Muskelfaserriss. Dardai setzt im Spiel gegen Paderborn auf Haraguchi.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Hiobsbotschaften wirkten nach. Die Ausfälle von Tolga Cigerci (bis Saisonende) und Änis Ben-Hatira (voraussichtlich drei bis vier Wochen) sorgen bei Hertha weiter für schlechte Stimmung. „Das Problem mit Änis ist hausgemacht“, ärgerte sich Manager Michael Preetz. Der Bundesligist hatte den Offensivspieler gebeten, auf eine Fernost-Reise mit der tunesischen Nationalmannschaft zu verzichten. „Änis war nicht bei 100 Prozent“, sagte Preetz über die Auftritte im März des zuvor zwei Monate verletzten Offensivspielers.

Doch statt in Berlin an seiner Fitness zu arbeiten, hatte Ben-Hatira zwei strapaziöse Interkontinental-Reisen absolviert, gegen Japan (0:2) und China (1:1) in der Startelf gestanden – und kehrt nun mit einem Muskelfaserriss zurück. Kopfschütteln auch bei Trainer Pal Dardai über Ben-Hatira: „Ich finde das nicht schön.“

Anders liegt die Sache bei Cigerci. Hier argumentiert Hertha aus der Defensive. Der Mittelfeldspieler, der erst Anfang März nach neunmonatiger Verletzungspause zurückgekehrt war, fällt wegen eines Haarrisses im Knochen bis Mitte Mai aus. Das ergab eine Untersuchung bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München.

„Nein, den Schuh ziehe ich mir nicht an, dass wir zu früh zu viel in die Belastung gegangen sind“, sagte Dardai. Er verwies auf die umfangreiche ärztliche Betreuung, auf regelmäßige Blutuntersuchungen und ausgefeilte individuelle Konditionsprogramme: „Da sind wir in Deutschland gut aufgestellt.“

Ein Polster von fünf Punkten

Manager Preetz sagte: „Sicher kann man streiten, ob die Einsätze gegen Stuttgart und Schalke zu lang waren für Tolga.“ Aber die Untersuchung habe ergeben, dass Cigerci eine Fehlbelastung durch eine Schonhaltung hatte, die sich nach seiner langen Verletzungspause ergeben habe. Zusätzlich hat er am Montag beim Training einen Schlag auf den Fuß bekommen, dort, wo am Dienstag der Haarriss im Knochen festgestellt worden war.

Vor allem die Qualitäten von Cigerci werden Hertha fehlen, etwa wenn es im wegweisenden Spiel im Kampf um den Klassenerhalt am Ostersonntag gegen den SC Paderborn geht (17.30 Uhr, Olympiastadion). „Tolga ist ein Spieler für den nächsten Schritt, wenn wir mit mehr Ballbesitz und mehr Dominanz spielen wollen“, sagte Dardai. „Ich heule aber nicht rum. Wir konzentrieren uns auf die Spieler, die da sind.“

Als erste Konsequenz der Diskussion um die Verletzten erhielt Per Skjelbred einen zusätzlichen Tag, um eine Muskelverhärtung auszukurieren. Die hatte er sich im Länderspiel mit Norwegen in Kroatien zugezogen (1:5). Dardai: „Ich habe Per gesagt, dass es nicht so wichtig ist, ob er Donnerstag oder Freitag zurückkommt. Wichtig ist, dass er gesund ist.“

Hertha (29 Punkte) hat sich nach zuletzt vier Spielen ohne Niederlage ein kleines Polster von fünf Punkten auf den Tabellenvorletzten Paderborn (24) erarbeitet. Ein Sieg wäre ein großer Schritt. Allerdings warnt Dardai: „Paderborn ist eine gute Mannschaft. Sie sind fit und treten immer als Team auf.“

Robuste und unbequeme Paderborner

Zudem weigert sich der kecke Neuling den vermeintlichen Gesetzen der Branche zu folgen. So schoss der SCP Anfang November nach einem 3:1 über Hertha bis auf Platz sieben hoch. Seither wird Paderborn jedoch durchgereicht. In diesem Jahr steht die Bilanz bei einem Sieg, zwei Remis und sechs Niederlagen. Doch keine Spur von Frust in Westfalen.

Fröhlich bedankt sich der SCP nach dem 0:6 gegen die Bayern oder dem 0:3 gegen Leverkusen. Es sei toll, so hochkarätige Mannschaften als Gegner begrüßen zu dürfen. Trainer Andre Breitenreiter hat seinem Team eine Piraten-Mentalität eingeimpft: „Niemand setzt auf uns, das ist aber egal.“ Robust und unbequem tritt der SC Paderborn auf.

Bei Hertha wissen sie, dass sie immer noch in der bedrohten Zone stecken. Die Fans treibt die Sehnsucht nach schönerem Fußball, Hertha muss erst mal die neuen Ausfälle kompensieren. Die Position von Cigerci soll Per Skjelbred übernehmen.

Für Ben-Hatira kommen auf der linken Außenbahn Nico Schulz und Genki Haraguchi infrage. „Beide sind gut drauf“, sagte Dardai, ließ aber durchblicken, wen er aufbieten wird. „Genki ist die offensivere Variante. Wir haben ein Heimspiel und wollen gewinnen.“