Interview

Herthas Per Skjelbred – „Der HSV hatte keinen Plan mit mir“

Per Skjelbred wurde beim HSV nie glücklich. Bei Hertha ist er gesetzt. Vor dem Abstiegsduell gegen den Ex-Klub spricht der Norweger über Probleme mit einem Trainer in Hamburg und Herthas Entwicklung.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Am Freitag (20.30 Uhr) tritt Hertha BSC beim Tabellennachbarn Hamburger SV an, der Norweger Per Skjelbred, 27, hat für beide Klubs schon gespielt. Im Interview spricht Herthas Mittelfeldspieler über Unruhe beim HSV, seine neue Rolle als Führungsspieler bei Hertha und einen wiederentdeckten Teamgeist auf dem Platz.

Berliner Morgenpost: Warum funktionieren Sie nun bei Hertha, während Sie beim HSV nicht funktionierten, Herr Skjelbred?

Per Skjelbred: Es war eine andere Situation beim HSV. Ich kam aus Norwegen, keiner kannte meinen Namen. Dazu gab es zu Beginn ein Problem zwischen mir und dem Trainer Thorsten Fink. Er hatte mich nicht geholt, sondern Michael Oenning. Der war aber schnell wieder weg, und Fink sagte mir: ‚Per, ich kenne dich nicht. Ich brauche Zeit, um zu sehen, was du kannst.’ Bei ihm habe ich kaum gespielt. Das war eine sehr schwere Zeit für mich. Später wurde es etwas besser, aber nie richtig gut.

Sie haben bei Hertha in den beiden Spielzeiten bisher 45 Partie bestritten und standen nur einmal nicht in der Startelf, wenn sie gesund waren. In Hamburg waren Sie meist nur Ersatzspieler.

Das hat viel mit dem Vertrauen zutun, was ich vom Trainer bekommen habe. Ich habe mich bei Hertha sofort anders gefühlt und mir nicht mehr so viele Gedanken gemacht. Beim HSV hatte ich das Vertrauen zu selten.

Haben Sie deshalb ein schlechtes Gefühl, wenn Sie an den HSV zurückdenken?

Überhaupt nicht. Schwamm drüber. Das Fußballgeschäft läuft nun einmal so. Ich habe immer noch viele Freunde im Team – wie zum Beispiel Dennis Diekmeier. Wir treffen uns manchmal mit unseren Familien. Unsere Frauen sind befreundet.

Beim HSV wird aktuell viel über die Integration von ausländischen Spielern gesprochen. Wie war das damals bei Ihnen?

Ok. Wir hatten viele Ausländer. Der HSV hat uns eine Deutschlehrerin besorgt. Aber wegen meiner Familie konnte ich selten teilnehmen. Am Ende sprach ich lustiger Weise trotzdem besser Deutsch als die anderen Zugänge.

Gab es im Sommer echte Bemühungen des HSV, Sie zu behalten, nachdem Sie in Berlin eine gute Saison gespielt hatten?

Nein. Ich kam von Hertha zurück zum HSV. Dort war nach der überstandenen Relegation alles im Umbruch. Ich habe gefragt: ‚Was ist euer Plan mit mir?’ Aber keiner hatte einen, weil sie erst einmal auf den neuen Sportchef Dietmar Beiersdorfer warten wollten. Da habe ich gesagt: ‚Ok, dann bin ich weg.’ Ich konnte nicht so lange warten, weil meine Familie in Berlin war. Außerdem wollte ich unbedingt bei Hertha bleiben.

Der HSV spielt erneut gegen den Abstieg. Haben Sie damit gerechnet?

Keiner hat damit gerechnet. Ich kann nicht sagen, woran das liegt: Sie haben eigentlich gute Spieler, eine tolle Stadt. Der HSV müsste normalerweise zu den besten fünf Teams in der Liga gehören.

Auch Heiko Westermann hat gerade gesagt, dass der HSV eigentlich viel besser sei, als ein Abstiegskandidat.

Tja, aber es gibt eine andere Realität. Bei Hertha haben wir ja auch Probleme gehabt. Zu meiner Zeit in Hamburg gab es immer sehr viel Druck aus dem Umfeld – von den Nachbarn, und selbst wenn ich bei Rewe einkaufen ging. Das gibt es zwar auch in Berlin, aber hier kommt mir das weniger aggressiv vor. Vielleicht, weil die Stadt größer ist und man seine Anonymität behält.

Wie würden Sie Herthas Entwicklung unter Pal Dardai beschreiben?

Pal Dardai ist ein richtig tougher Typ. Er hat uns als Team wieder mehr zusammengeführt. In der Kabine waren wir auch vorher eine Einheit, aber auf dem Platz manchmal nicht. Das haben wir nun geschafft. Vorher hatten wir längere Zeit Probleme in unserem Spiel. Da war es sehr schwer, wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden. Ich glaube aber, wir haben ihn nun gefunden, auch wenn noch nicht alles funktioniert.

Das Team läuft pro Spiel fünf Kilometer mehr als unter Jos Luhukay und hat viel bessere Zweikampfwerte. Wie ist das zu erklären?

Schwer zu sagen. Das Potenzial war immer da in der Mannschaft, wir haben es nur nicht geschafft, es dauerhaft rauszukitzeln. Wir sind ein Team, das erst einmal defensiv stabil stehen will. Dafür muss man viel rennen.

Das ist ja Ihre Qualität. Sie und Valentin Stocker laufen am meisten. Man könnte sagen, Sie seien der perfekte Abstiegskämpfer.

Das klingt natürlich nicht so schön, stimmt aber ein bisschen. Ich passe zu Teams, die einen hohen Aufwand betreiben. Ich habe von zu Hause mitgekriegt, immer alles rauszuhauen, was ich habe. Danke Mama. (lacht). Aktuell brauchen wir solche Spieler, die Gas geben.

Für Sie hat sich in dieser Saison vieles verändert was Ihre Rolle in den Teams betrifft, für die Sie spielen. Sie sind nun Kapitän der norwegischen Nationalmannschaft und bei Hertha waren sie auch schon Vizekapitän.

Für mich ist das irre – eine riesige Ehre. Ich bin jetzt gereift. Das hat auch mit der schwierigen Zeit in Hamburg zutun. Ich habe mir den Respekt erarbeitet. Ich weiß nun, worauf es ankommt und kann das weitergeben.

Hertha hat weiter Probleme in der Offensive. Wie lässt sich das bei einer Mannschaft lösen, die immer auch defensiv viel Aufwand betreiben muss?

Das ist schwer. Wir könnten defensiv noch besser stehen und offensiv mehr probieren. Aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen. Im Moment müssen wir alle defensiv denken. Erst wenn das klappt, können wir vorn die Hunde von der Leine lassen.

Ein weiteres Problem war, dass das Team keine Konstanz hatte. Jetzt haben Sie drei Spiele nicht verloren...

...das ist schön, reicht aber nicht. Wir denken in kleinen Schritten. Wir schauen, was wir im letzten Spiel falsch gemacht haben und wollen das beim nächsten verbessern. Nur so kommt irgendwann die gewünschte Konstanz.

Sie haben bisher zweimal gegen den HSV gespielt, zweimal hat Hertha 3:0 gewonnen.

Das darf gern so weitergehen. (lacht). Auch wenn es schade wäre für den HSV. Ich hoffe, dass Hertha und der HSV in der Liga bleiben. Wir werden das schaffen. Hoffentlich auch der HSV.

Hängt Ihr Herz noch am HSV, auch wenn Ihre Zeit dort schwierig war?

Nein. Ich bin jetzt Herthaner. Da gibt es keinen Platz mehr für die Vergangenheit. So einfach ist das.