Ärger um Kalou

Strafanzeige gegen Herthas Kalou wegen TV-Beitrag

Der Stürmer soll in einem RBB-Beitrag die Berliner Mauer beschädigt haben. Weil diese unter Denkmalschutz steht, stellt die Künstlerinitiative East Side Gallery Strafanzeige. Kalou widerspricht.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Herthas Stürmerstar Salomon Kalou hat Ärger. Gegen den Ivorer soll nach einem Berichter des „Berliner Kurier“ Strafanzeige gestellt worden sein, weil der 29-Jährige für einen TV-Beitrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) mit Hammer und einem Schraubenzieher als Meißel die East Side Gallery, dem mit Graffiti gestalteten, längsten noch erhaltenen Streifen der Berliner Mauer in der Mühlenstraße, beschädigt haben soll.

Die East Side Gallery allerdings steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Und der Verein Künstlerinitiative East Side Gallery, bei dem die Urheberrechte der Graffiti und die Nutzungsrechte liegen, ist daher empört. „Das ist eine Zerstörung des kulturellen Erbes, das wir für die Nachfolgegeneration schützen müssen. Das muss bestraft werden“, sagt Kani Alavi, 1. Vorsitzender der Künstlerinitiative, der Morgenpost.

Die East Side Gallery wurde 2009 für 2,5 Millionen Euro saniert. Alavi nennt den RBB, der den Beitrag gedreht hatte, „Mittäter und Verursacher“. Dennoch will er Kalou vor Gericht sehen: „Nur weil Kalou ein Promienter ist, machen wir keine Unterschiede. Selbst wenn US-Präsident Barack Obama das getan hätte, würden wir ihn verklagen“, so Alavi. Am Montag inspizierte Alavi mit Kollegen die Stelle am Mauerstreifen.

Klub schaltet seine Anwälte ein

Der TV-Beitrag wurde bereits Ende des vergangenen Jahres aufgezeichnet und Mitte Dezember bei einem Spiel im Olympiastadion gezeigt. Weil aber auch am Sonnabend in der ARD-„Sportschau“ ein Ausschnitt gezeigt wurde, bekam dies ein großes Publikum mit. Moderator Gerhard Delling sagte: „Da hat er sich doch tatsächlich ein Stück aus der Mauer rausgeschlagen – der alten, schönen Berliner Mauer.“ Das brachte ihm selbst Ärger ein, weil man Delling vorwarf, die Verbrechen, die an der Mauer begangen wurden, zu bagatellisieren.

Hertha hat die Angelegenheit an die Vereinsanwälte übergeben und äußert sich dazu nicht weiter. Die Anwälte wollen gegen die Berichterstattung vorgehen, denn die Szene sei lediglich nachgestellt worden, der kolportierte Vorwurf der Sachbeschädigung entbehre jeder Grundlage. Kalou habe kein Stück aus der Mauer herausgeschlagen.

RBB-Sprecher Justus Demmer erklärte: „Nach unserem Wissen gab es dabei keine Schäden am Denkmal, das war auch nicht Ziel der Aktion. Solche Drehs an der ehemaligen Mauer sollen sich nicht wiederholen, deshalb prüfen wir den gesamten Vorgang jetzt noch einmal im Detail, auch mit Blick auf die juristische Seite des Falls.“