Es hatte etwas von Kindergeburtstag. Toni Kroos und Franck Ribéry knobelten per „Schnick Schnack Schnuck“ aus, wer den bereitliegenden Freistoß treten darf. Für Hertha BSC war es eine Demütigung – 0:3 lagen die Berliner in jener Partie im März 2012 schon nach 19 Minuten zurück. Am Ende unterlag der Hauptstadt-Klub mit 0:6. Sechs Mal in Folge hat Hertha zuletzt gegen den FC Bayern verloren, mit einer Ausnahme waren die Blau-Weißen in keiner Partie konkurrenzfähig.
Am Sonnabend tritt der Branchenprimus wieder in Berlin an (15.30 Uhr, Olympiastadion). Und bestätigt auch in dieser Saison seine Ausnahmestellung. Die Bayern sind als einziges deutsches Profi-Team ungeschlagen, marschieren nach dem ersten Saisondrittel mit sieben Punkten vor dem Rest der Liga.
Die Gastgeber versuchen, mit Blick auf den Gegner die richtige Tonlage zu finden. Hertha-Trainer Jos Luhukay sagt: „Die Bayern tun dem deutschen Fußball gut. Sie sind gut für den Stellenwert der Bundesliga. Darüber hinaus sind sie erfolgreich in der Champions League. Es ist für uns alle in der Liga eine gute Sache, was die Bayern machen.“
Klare Rollenverteilung
Herthas holländischer Außenstürmer Roy Beerens, im Sommer aus Alkmaar gekommen, sagt: „Deshalb wollte ich in die Bundesliga, um gegen solche Gegner zu spielen. Die Bayern sind in Europa das Maß der Dinge.“
So klar die Rollenverteilung zwischen dem Rekordmeister und den Berlinern ist, neben der Anerkennung gibt es einen trotzigen Unterton. Manager Michael Preetz, 47, hat in seiner Karriere sechs Mal gegen die Bayern gewonnen. „Meine aktive Zeit liegt etwas zurück, das lässt sich nicht mehr vergleichen“, sagt Preetz. „Aber eines ist klar: Wir treten an, um zu gewinnen.“
Trainer Luhukay kann wenig anfangen mit der Einstellung, dass die Partie gegen die Bayern das leichteste Spiel des Jahres sei. „Wir haben nichts zu verlieren? Das sehe ich nicht so.“ Luhukay verwies auf das ausverkaufte Olympiastadion, dessen Kapazität gegen die Bayern (und gegen Dortmund am 13. Dezember) mit Zusatztribünen auf 76.197 aufgestockt wurde.
Hertha muss den Respekt ablegen
„Ich möchte, dass die Zuschauer mit Freude und Genugtuung nach Hause gehen. Wir müssen die Initiative suchen, mutig und mit Überzeugung spielen.“ Ihm sei wichtig, „was meine Mannschaft an Gegenwehr bieten kann“, die Art und Weise ihres Auftritts.
Luhukay erinnert an den Fall, der unbedingt vermieden werden soll. Im März 2014 hat Hertha daheim 1:3 verloren gegen Lahm, Schweinsteiger und Co. „Wir hatten 20 Prozent Ballbesitz, die Bayern 80“, sagt Luhukay, „wenn das so läuft, wird das nichts. Wir müssen unbedingt den Respekt ablegen.“
Hertha und die Herkulesaufgabe gegen den deutschen Rekordmeister. Wie das gehen könnte, hat Hertha (weitgehend) schon mal bewiesen. Im Oktober 2013 in München hatten die Berliner couragiert gespielt, waren rasch in Führung gegangen (Adrian Ramos, 4. Minute). Dann traf Änis Ben-Hatira noch die Latte.
Der letzte Sieg datiert von 2009
In der Nachspielzeit legte David Alaba als letzter Mann Ramos – gegen jeden anderen Klub hätte es in der Szene die Rote Karte für den Verteidiger und Elfmeter gegeben. Sei’s drum, Hertha unterlag 2:3. Kommentar von Pep Guardiola damals: „Das war die beste Mannschaft, gegen die wir bisher gespielt haben.“
Von der Leichtigkeit, mit der Hertha im vergangenen Herbst aufgetreten war, ist der aktuelle Jahrgang um einiges entfernt. Nach wie vor sucht die Mannschaft um Interimskapitän Per Skjelbred nach Stabilität, rangiert auf Platz 13. Und schaut mit Blick auf das schwere Restprogramm bis Weihnachten (Bayern, Gladbach, BVB, Frankfurt, Hoffenheim) in der Tabelle eher nach unten als nach oben.
Skjelbred sagt: „Das ist ein Bonusspiel. Wir müssen uns einfach was zutrauen.“ So wie im Februar 2009, als dank eines Doppelpacks von Andrej Voronin ein viel umjubeltes 2:1 gegen die Bayern gelang.





