Bundesliga

Spiel der tapferen Hertha wird bei den Bayern nicht belohnt

Nur mit Mühe hat Bayern München gegen das couragiert aufspielende Team von Hertha BSC den 3:2-Sieg eingefahren. So forsch war in der Allianz Arena schon längere Zeit kein Gegner aufgetreten.

Foto: Matthias Schrader / AP

Pep Guardiola war beeindruckt. Der spanische Cheftrainer des FC Bayern saß in den Katakomben der Allianz Arena in München und lauschte, wie sein Kollege Jos Luhukay auf der Pressekonferenz mit einem Lächeln über die 2:3 (1:1)-Niederlage seiner Mannschaft von Hertha BSC sprach. Schade sei sie, sagte der Niederländer, man habe ein gutes Auswärtsspiel gemacht.

Guardiola stockte, suchte kurz nach Worten und sagte diesen Satz, der vieles über die Geschichte dieser Partie aussagt: „Glückwunsch Jos, Hertha ist die beste Mannschaft, gegen die wir bisher in dieser Saison gespielt haben.“

Spätestens jetzt dürfte sich diese letztlich dennoch verdiente Niederlage vom Sonnabend auch ein bisschen wie ein Sieg für Luhukay angefühlt haben. „Meine Mannschaft hat Vertrauen ausgestrahlt und war mutig. Da kann man viel Positives mitnehmen“, sagte der 50-Jährige fast ein bisschen ermutigt vom großen Lob Guardiolas. Linksverteidiger Johannes van den Bergh sagte: „Das ist ärgerlich. Wir haben gut gespielt und hätten einen Punkt mitnehmen sollen.“

Die Bayern siegten auch im 15. Heimspiel in Folge und sind nun seit 35 Spielen wettbewerbsübergreifend ungeschlagen. Dabei hatte es zunächst gar nicht danach ausgesehen.

Erste Berliner Führung in München seit neun Jahren

Gerade erst hatte Schiedsrichter Michael Weiner die Begegnung angepfiffen, da lag der Ball bereits im Netz. Doch anders als in den Jahren zuvor, als die Blau-Weißen regelmäßig gegen den deutschen Rekordmeister schon nach wenigen Minuten hinten lagen und dann hohe Pleiten einstecken mussten, jubelten diesmal die knapp 5000 mitgereisten Hertha-Anhänger.

Per Skjelbred hatte eine Ecke scharf in den Münchner Strafraum geschlagen. Adrian Ramos, vom Ex-Herthaner Jerome Boateng sträflich allein gelassen, stieg hoch und köpfte ins lange Eck ein (4.). Es war die erste Berliner Führung in München seit neun Jahren. Damals hatte Marcelinho das 1:0 erzielt (Endstand 1:1). Dies war der letzte Punktgewinn der Herthaner in der bayerischen Landeshauptstadt.

Sollte das hier etwa erneut möglich sein? Oder sogar mehr? Nach zehn Spielminuten rieben sich die 71.000 Zuschauer in der Allianz Arena verwundert die Augen, als der agile Tolga Cigerci, den Luhukay für Sami Allagui aufgestellt hatte, steil auf Änis Ben-Hatira passte und dieser die Frechheit besaß, Nationaltorwart Manuel Neuer aus 25 Metern zu überlupfen. Einzig der Querbalken hatte etwas dagegen, dass der Aufsteiger sogar mit zwei Toren in Front lag. „Da hätten wir das Spiel fast auf den Kopf gestellt“, sagte Luhukay.

Guardiola muss früh wechseln

Guardiola musste bereits nach 24 Minuten zweimal wechseln: Toni Kroos und Arjen Robben gingen angeschlagen vom Feld. Für sie kamen Mario Götze und Mario Mandzukic. Dieser unfreiwillige Wechsel zahlte sich aus für den FC Bayern. Und wie: Franck Ribery schlug einen Freistoß von rechtsaußen weich in den Berliner Strafraum. Torwart Thomas Kraft unterlief die Flanke, und Mandzukic hatte so keine Mühe mehr, zum Ausgleich einzuköpfen (30.). Dabei blieb es bis zur Pause.

Kaum hatte Weiner das Spiel wieder angepfiffen, da hätte Hertha die Bayern fast schon wieder überrumpelt: Ein schneller Konter über Ben-Hatira und Ramos brachte den Ball zu Cigerci, dessen Schuss Bastian Schweinsteiger gerade noch abwehren konnte (47.).

Nun aber waren die Bayern endgültig aus ihrem Phlegma erwacht. Und das Muster wiederholte sich: Ein Freistoß – diesmal von Schweinsteiger – flog in den Berliner Strafraum, Mandzukic schraubte sich erneut hoch und köpfte das 2:1 ins lange Eck (50.). Kraft, der bis 2011 beim FC Bayern gespielt hatte, sah erneut nicht glücklich aus. Als vier Minuten später Götze mit der Schläfe eine Flanke zum 3:1 ins Tor bugsierte, schien die Begegnung in der ausverkauften Arena den erwarteten Verlauf für den hohen Favoriten zu nehmen.

Wer nun dachte, Hertha würde sich seinem Schicksal ergeben, der irrte. Über Nico Schulz, der für Levan Kobiashvili spielte, landete der Ball bei Ramos, dessen Schuss Ben-Hatira aus fünf Metern unter die Latte verlängerte. Nun lag der Aufsteiger nur noch 2:3 zurück (58.).

Es war das erste Mal, dass Bayern in dieser Bundesliga-Saison zwei Gegentore kassierte. Dass Hertha hier noch mal aufmucken wollte, machte auch der 20-Meter-Schuss von Ramos deutlich, der knapp über das Münchner Gebälk flog (64.). Guardiola reagierte und wechselte defensiv: Der blasse Angreifer Thomas Müller ging, Defensivallrounder Javier Martinez kam. Luhukay machte genau das Gegenteil: Er nahm Linksverteidiger van den Bergh und Ben-Hatira vom Feld, ließ den erst 18 Jahre alten Hany Mukhtar sein Bundesliga-Debüt feiern und brachte zusätzlich den offensiven Sami Allagui ins Spiel (77.).

Hertha drückte und hatte in der Schlussphase Pech, als Weiner ein klares Foul von David Alaba an den frei vorm Tor aufgetauchten Ramos übersah. Pech hatten auch die Bayern, dass Kraft beim feinen Hackentrick von Ribery auf dem Posten war (83.). Europas Fußballer des Jahres in Reihen der Bayern hat durch den Sieg einen neuen Bundesligarekord aufgestellt: Er ist nun seit 39 Spielen ungeschlagen und löst damit Holger Hieronymus vom Hamburger SV ab. Dass Hertha sich teuer beim Champions-League-Sieger verkauft hatte, fand auch der Franzose: „Berlin hat heute einfach sehr gut gespielt. Es war sehr schwierig. Zum Glück haben wir gewonnen.“