An die kreisfreie Stadt Dessau haben sie bei Hertha BSC positive Erinnerungen. 2001 gewannen die Berliner dort unter Jürgen Röber im Ligapokal gegen Bayer Leverkusen. Die Torschützen beim 2:1 im Paul-Greifzu-Stadion: Marcelinho und Sebastian Deisler. Es war der Auftakt in eine starke Saison, die mit Rang vier in der Bundesliga enden sollte. Zwölf Jahre später wird der Hauptstadtklub die Stippvisite nach Sachsen-Anhalt eher unter „ferner liefen“ verbuchen. Im fünften Testspiel der Vorbereitung gab es ein mühsames 1:0 gegen RB Leipzig. Den Treffer des Tages erzielte Adrian Ramos per Hacke auf Vorlage von Ronny in der 49. Minute.
Lustenberger rückt in die Abwehr
Es sollte einer der wenigen Höhepunkte in einem Spiel bleiben, das hauptsächlich im Vorfeld für Aufsehen gesorgt hatte. Aus Protest gegen den „Kommerzklub“ aus Leipzig hatten viele Hertha-Fans auf die 130 Kilometer Anreise zur kurzerhand als Benefizspiel umfunktionierten Partie verzichtet. Trotzdem waren die Sympathien auf den Rängen gleichmäßig verteilt. „Das Verhältnis von Hertha- und RB-Fans liegt in Dessau etwa bei 50:50“, sagte Ralph Hirsch, Sportdirektor vom Amt für Bildung und Sport.
Doch wolle man die Fans aus der Region nicht an RB verlieren, müsse Hertha etwas mehr Werbung machen. Das funktionierte aus sportlicher Sicht zunächst weniger. „Wir sind schwer ins Spiel gekommen, aber der Rasen war auch schwer zu bespielen“, sagte Jos Luhukay. Herthas Trainer hatte sein Team zunächst mit einer 4-2-3-1-Formation aufs Feld geschickt. Fabian Lustenberger rückte vom defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung, als Sturmspitze fungierte Pierre-Michel Lasogga.
Zu Beginn dominiert der Außenseiter aus Leipzig
Eine schnelle Überbrückung des Mittelfelds mit höchstens zwei Pässen, kluge Pässe in die Tiefe, Aktionen aus der Bewegung heraus – all das hatte Luhukay unter der Woche gefordert. Doch vier Wochen vor dem Bundesligastart fielen seine Männer weniger durch die Umsetzung dieser Vorgaben als durch ihre knalligen gelb-orangenen Auswärtstrikots auf. Die Anfangsphase gehört eindeutig Red Bull. Schon nach einer Minute kam der für 600.000 Euro geholte Däne Yussuf Poulsen zu einer Chance – sein Ball strich links am Tor von Thomas Kraft vorbei. Es war nicht die einzige gute Aktion des 18-Jährigen, immer wieder sorgte er in der Berliner Defensive für Unruhe.
RB sieht die Dritte Liga nur als Durchgangsstation
Für die Leipziger war es die Generalprobe zum Auftakt in der Dritten Liga kommenden Freitag. Das Ziel des Retortenklubs aus Sachsen ist eindeutig: „Ab durch die Dritte.“ Soll heißen: Auf dem Weg Richtung Bundesliga darf Liga drei nicht mehr als eine Zwischenstation sein. Dementsprechend ernst nahm der Aufsteiger den mittsommerlichen Kick. „Das Hertha-Spiel ist schon ein Fingerzeig in Richtung erster Spieltag. Gegen einen Bundesligisten ist man noch einen Tick fokussierter“, sagte Trainer Alexander Zorniger vor der Partie. Anders als Luhukay brachte der Bullen-Trainer vor 4183 Zuschauern seine zukünftige Stammelf, darunter mit Stürmer Daniel Frahn einen ehemaligen Herthaner.
Doppel-Chance für Ben Sahar
Die Berliner dagegen wirkten müde nach einer Woche, in der Luhukay das Tempo im Training deutlich angezogen hatte. Sinnbildlich dafür die 17. Minute: Nach einer schönen Kombination über links stand Änis Ben-Hatira am Flügel vollkommen frei – und spielte seinen Pass einigermaßen uninspiriert ins Niemandsland des Strafraums. Die einzigen echten Chancen hatte Ben Sahar nach einer guten halben Stunde auf dem Fuß. Doch der Israeli schoss erst Richtung RB-Keeper Fabio Coltorti und zwei Minuten später über das Tor.
Wagner vergibt mehrere Chancen
In Hälfte zwei wechselte Luhukay komplett durch. Hany Mukhtar und Ronny agierten auf der Doppel-Sechs, im Sturm bildeten Sandro Wagner und Adrian Ramos eine Doppelspitze. Vor allem Mukhtar machte seine Sache gut. Hinten sicher, belebte er zudem die Offensive. „Die Sechs ist eigentlich nicht seine Position, aber er ist flexibel“, sagte Luhukay. Weniger zufrieden war der 50-Jährige mit der Chancenverwertung von Wagner: „Das war ein bisschen unglücklich.“
Die Gagen kommen Flutopfern zugute
Doch wie das so ist mit Benefizspielen, gab es am Ende nur Gewinner. Hertha, das in der Vorbereitung weiter ungeschlagen ist. RB Leipzig, das den Betrieb in der dritten Liga mit Selbstvertrauen aufnehmen darf. Die Flutopfer, welche die Einnahmen aus dem Spiel gespendet bekommen. Und natürlich die Fans von Hertha BSC. Manager Michael Preetz hat bereits angekündigt, dass dies das letzte Testspiel gegen RB Leipzig war.
Am kommenden Dienstag testet Hertha unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Form gegen Wisla Krakau (Amateurstadion).





