Bundesliga

Hertha-Trainer Jos Luhukay verschärft das Tempo

Jos Luhukay rüffelt die Spieler des Aufsteigers im Training, um sie an die höhere Geschwindigkeit in der Bundesliga zu gewöhnen. „Schneller. Ausruhen könnt ihr nachher“, heißt es nun.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Nicht nur der Wind wehte den Hertha-Profis beim Training um die Ohren. Auch die lautstarken Worte von Trainer Jos Luhukay pfiffen über den Platz. Der Coach trimmt seine Spieler auf die Bundesliga und macht auch vor klaren Worten nicht Halt.

Zugang Alexander Baumjohann musste sich nach einem verunglückten Pass anhören: „Alex, das ist Harakiri! Ich will keine Ballverluste in der eigenen Hälfte. Damit kann keiner etwas anfangen.“ Mit dem Rücken zur Angriffsrichtung versuchte der aus Kaiserslautern gekommene Mittelfeldspieler einen No-Look-Pass zu spielen.

Eine Aktion, die zum Frust des Trainers weit in der eigenen Hälfte stattfand. Luhukay predigt seit Beginn der Vorbereitung eine andere Spielweise, mit der Hertha in der Bundesliga den Klassenerhalt schaffen und den von Manager Michael Preetz zitierten Fahrstuhl zwischen erster und Zweiter Liga endlich verlassen soll.

„Da lachen sich doch die Gegner kaputt“

Wieder ein Zwischenruf während einer komplexen Angriffsübung, dieses Mal ist Sandro Wagner der Adressat: „Schneller zum Tor! Du bist Stürmer!“ Weniger später rügte der Coach Wagner und John Brooks: „Ihr könnt im Angriff nicht beide im Angriff auf die gleiche Stelle laufen. Da lachen sich doch die Verteidiger kaputt.“

Der Niederländer ist weit davon entfernt, seine Spieler in aller Öffentlichkeit herunterzumachen. Doch er ist ein Freund klarer Worte. Die Profis bei Hertha schätzen diese Transparenz an ihrem Coach. „Es geht um Ernsthaftigkeit und das, was uns in der Bundesliga erwartet. Damit kann man nicht früh genug anfangen“, erklärt Luhukay offen. „Wir haben gar nicht so viel Zeit in der Vorbereitung. Da ist jeder Tag voll mit Übungen.“

Die Bundesliga fordert mehr Aufmerksamkeit

Die erfolgreiche Zweitliga-Saison, in der Hertha einen Vereinsrekord nach dem nächsten knackte, soll raus aus den Köpfen. Bundesliga, das ist wie für Kinder der Übergang von der Grundschule auf die Oberschule. Was vorher war, zählt nicht mehr. Der Niederländer weiß das: „Das Tempo ist höher. Das Umschalten der Gegner ist viel schneller. Bei allem Respekt vor der Zweiten Liga, aber uns erwartet etwas anderes.“

Ein Grundrezept ist für jeden Aufsteiger die Verteidigung. Da macht Hertha keine Ausnahme. Als im Trainingskick die Spieler nach einem Angriff zu langsam zurücktraben, wird Luhukay wieder laut: „Nicht im Spaziergang zurück! In der Bundesliga geht der Gegenangriff schnell.“ Die Mannschaft soll kompakt stehen, die Räume eng machen. Der Gegner soll so wenig Platz wie möglich für Kombinationen bekommen. Deshalb achtet der Trainer darauf, dass die Positionen schnell wieder eingenommen werden.

Das Ziel Klassenerhalt möchte Luhukay nicht einfach ermauern. Der Trainer macht deutlich, dass sein Team nach vorne attraktiven Fußball spielen soll. Das Rezept ist klar: Gegen den Ball unangenehm verteidigen. Und bei Ballbesitz mit steilen oder diagonalen Pässen das Spiel schnell machen.

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Deshalb beschränkt er den Ballbesitz der Profis in Übungsspielen auf nur zwei Ballkontakte. Erst 30 Meter vor dem gegnerischen Tor haben seine Spieler freie Wahl. „Diese Begrenzung auf zwei Berührungen funktioniert nur, wenn die Spieler Qualität zeigen. Das erfordert Handlungsschnelligkeit bei der Ballannahme, bei der auch schon die möglichen Anspielsituationen im Blick sein müssen“, sagte der Trainer.

Qualität und Schnelligkeit. Diese Worte fallen im Moment im Hertha-Training am häufigsten. Als Linksaußen Nico Schulz (20) nach einem eingeübten Angriff die Flanke in den Strafraum verzieht, wird Luhukay erneut laut, ermahnt den Spieler aus dem eigenen Nachwuchs: „Nico, ohne gute Flanke war die ganze Arbeit vorher umsonst!“

Wer träge ist, kassiert Gegentore

Die ständige Bewegung hat für den Niederländer noch einen anderen Zweck, als nur das Offensivspiel zu beleben. Der Gegner soll sich anstrengen, wenn er gegen Hertha antritt. Luhukay bringt das auf die einfache Formel: „Je träger wir sind, desto weniger muss der Gegner investieren. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern.“

Denn da ist noch eine Statistik, die es dem Coach angetan hat. In der Zweiten Liga war Hertha mit 22 Toren das Team, das in der Schlussviertelstunde einer Partie am häufigsten traf. Der Trainer führt das darauf zurück, dass der Gegner vorher beschäftigt wurde und dessen Konzentration nachließ. „Selbst wenn wir uns in 75 Minuten nicht viele Chancen erarbeiten konnten, haben wir in der Ermüdungsphase zugeschlagen.“

Damit seine Spieler das Rezept verinnerlichen, treibt Jos Luhukay sie im Training an. Selbst bei Passübungen ruft er ihnen zu: „Schnell wieder zurücklaufen! Ausruhen können wir uns nachher.“