Interview

„Wir haben in dieser Saison all unsere Ziele erreicht“

Vor dem Ende einer für Hertha BSC und ihn selbst als Manager existenziellen Zweitligaspielzeit zieht der 45-Jährige Bilanz. Ein Gespräch über die kommende Bundesligasaison sowie Ab- und Zugänge.

Foto: Anke Fleig/SVEN SIMON / picture alliance

Mit dem Heimspiel gegen Energie Cottbus am Sonntag (13.30 Uhr/Liveticker bei morgenpost.de) endet für Hertha BSC eine in vielerlei Hinsicht besondere Saison. Nach dem Abstieg im vergangenen Jahr stand niemand mehr in der Kritik als Hertha-Manager Michael Preetz. Im Interview zieht der 45-Jährige Bilanz und spricht über geplante Transfers für die Bundesliga.

Berliner Morgenpost: Herr Preetz, wie fällt Ihr Fazit der Saison aus?

Michael Preetz: Wir haben in dieser Saison all unsere Ziele erreicht. Wir sind aufgestiegen und Meister geworden. Wie die Mannschaft das erreicht hat, war imponierend. So souverän und überzeugend, wie ich noch keine Spielzeit in meiner Karriere erlebt habe. Wahrscheinlich kann man auch sagen: Eine solche Saison werden wir so schnell nicht wieder erleben.

Es war nicht nur für Hertha eine existenzielle Saison, sondern auch für Sie persönlich. Gab es einen Moment, in dem Sie Genugtuung empfunden haben?

Nein. Ich empfinde Freude und Stolz darüber, dass wir eine solche Saison gespielt haben. Ich habe in einer Phase Vertrauen bekommen, in der es leicht gewesen wäre, mir das Vertrauen zu entziehen. Als der sportliche Erfolg ausblieb, die mediale Berichterstattung katastrophal war, und wir am Tiefpunkt angekommen waren. Ich habe immer gesagt, dass zwischen den handelnden Personen Vertrauen herrschen muss. Dann wird sich auch Erfolg einstellen. In dieser Saison gab es dieses Vertrauensverhältnis nicht nur zwischen unserem Präsidenten Werner Gegenbauer und mir, sondern auch zwischen uns beiden und unserem Trainer Jos Luhukay. Das war der wesentliche Faktor für unseren Erfolg und für eine für Hertha-Verhältnisse sehr unaufgeregte Saison.

Kein bisschen persönliche Genugtuung?

Ich freue mich einfach für unseren Präsidenten, dass er damals richtig entschieden hat. Nun will ich das Vertrauen auch in der Bundesliga zurückzahlen. Der Aufstieg war erst das erste Etappenziel. Wir wollen uns in der ersten Liga festbeißen.

Was haben Sie aus dieser Saison gelernt?

Man lernt täglich dazu. Bestätigt hat sich für mich, dass Werte wichtig sind. Mit Luhukay haben wir einen Trainer verpflichtet, der das gleiche Wertesystem wie Preetz und Gegenbauer hat. Das war in der Vergangenheit nicht immer so.

Sie wollten Hertha wieder sympathischer machen. Ist Ihnen das gelungen?

Für diese Saison würde ich sagen ja. Ein wichtiger Aspekt dafür war, dass wir auch nach dem feststehenden Aufstieg weiter erfolgreich gespielt haben. Das muss man eigentlich noch höher einschätzen als die Meisterschaft. Wir haben viel Sympathie zurück gewonnen. Die wollten wir nicht wieder verspielen.

Dennoch liegt der Zuschauerschnitt mit knapp 40.000 Besuchern pro Spiel deutlich unter dem von vor zwei Jahren, als durchschnittlich 46.000 Zuschauer kamen.

Zuerst einmal sind wir stolz auf unseren Zuschauerschnitt. 40.000 in der Zweiten Liga kann sich sehen lassen. Aber woran misst man Sympathie? Nur an den Zuschauerzahlen oder auch an dem, was uns in der Stadt und ganz Deutschland entgegengebracht wird? Viele meiner Kollegen haben mir gesagt: In Berlin hat sich etwas entwickelt. Die Mannschaft ist unglaublich homogen. Das passt ja nicht zu dem Bild, das man landläufig von Hertha BSC hatte.

Sympathie gewinnt man auch durch das Etablieren von Nachwuchsspielern. Das ist Ihnen gelungen. Wem der Jungen trauen Sie die Bundesliga besonders zu?

Wir hoffen, dass es so viele wie möglich schaffen. Wir sind ein Ausbildungsverein. Das muss unser Ziel sein. Wir haben in dieser Saison schon zwei Schritte auf einmal gemacht und mit Hany Mukhtar auch einen ganz jungen Spieler eingebaut. Die Entwicklung der Jungen wird in der Bundesliga aber nicht zwangsläufig linear verlaufen, denn die Anforderungen sind deutlich höher. Wir haben vor allem mit John Anthony Brooks und Nico Schulz aber Spieler, die das Rüstzeug für die erste Liga mitbringen.

Wie kann Hertha den Schwung aus der erfolgreichen Zweitligasaison mitnehmen?

In dieser Saison haben wir viele Dinge richtig gemacht: Wir waren schnell eine kompakte Mannschaft, hatten Teamgeist, und die Jungs waren sehr fokussiert auf unsere Ziele. Zudem haben sie gelernt, dem Druck standzuhalten, was früher nicht immer der Fall war. Unsere erste Bürgerpflicht muss sein, dass wir all das, was in diesem Jahr funktioniert hat, bewahren und versuchen, es noch zu optimieren. Die erste Liga verlangt schnelleres Spiel, schnelleres Umschalten und vor allem höhere Gedankenschnelligkeit. Das wird jeder verinnerlichen müssen. Ich bin mir aber sicher: Wir werden eine gute Rolle in der Bundesliga spielen.

Nach den Aufstiegen mit Mönchengladbach und Augsburg startete Luhukay jeweils schwer in die Saison. Das führte 2008 in Mönchengladbach zu seiner Entlassung. 2011 blieb er zu Beginn acht Spiele ohne Sieg. Macht Ihnen das Sorgen?

Nein! Wir sind total von den fachlichen und menschlichen Qualitäten von Jos Luhukay überzeugt.

Mit Sebastian Langkamp ist der erste Neue da. Die Rede war immer von drei bis vier Zugängen für die Startformation. Wird Hertha sich auch in der Breite verstärken?

Es ist es gut möglich, dass wir uns auch noch in der Breite verstärken werden.

Mit Alfredo Morales haben sie bereits den ersten Spieler ziehen lassen. Welche Profis werden Sie noch abgegeben?

Fest steht, dass wir weitere Spieler abgeben werden, denn Verträge laufen aus. Wie es weiter geht, hängt von den Gesprächen ab, die wir nach der Saison mit den entsprechenden Spielern führen werden.

Sie haben mit Langkamp bereits einen Verteidiger geholt. Mit Johannes van den Bergh wird ein weiterer kommen. Was wird aus den Abwehrspielern Roman Hubnik und Felix Bastians? Beide gelten als Streichkandidaten bei Hertha.

Es ist kein Geheimnis, dass beide nicht zufrieden sind. Wir sehen es so, dass die Perspektiven für beide in der Zukunft nicht besser werden. Wir werden mit beiden sprechen und versuchen, Lösungen zu finden.

Was geschieht mit den Spielern, die Sie ausgeliehen haben: Marco Djuricin, Fanol Perdedaj und Daniel Beichler?

Alle drei Ausleihen hatten nicht den Effekt, dass die Spieler gestärkt zu uns zurückkehren. Djuricin hat in Regensburg nur wenig gespielt, und wir haben bereits vier Stürmer für eine einzige Position. Das ist also aussichtslos. Ebenso wie bei Beichler. Bei Perdedaj sind wir hin und her gerissen, denn er ist ein toller Junge mit einem unglaublichen Kämpferherz. Aber auch hier gibt es keine Perspektive für den Spieler.

Pierre-Michel Lasogga hat in dieser Saison wenig gespielt und ist unzufrieden. Verkaufen Sie ihn, wenn ein entsprechendes Angebot kommt?

Pierre war lange verletzt und kam zu einer Mannschaft, die eine fantastische Hinrunde gespielt hat. Zudem ist die Konkurrenzsituation im Sturm bei uns enorm. Deshalb konnte er in dieser Saison nicht so viel spielen, wie er sich das gewünscht hätte. Aber wir haben Geduld mit ihm und planen ihn fest für die nächste Saison ein.

Müssten Sie denn Spieler verkaufen, um neue zu kaufen?

Transfererlöse sind eine Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Aber darüber hinaus gibt es weitere Einnahmequellen, wie etwa Sponsoring-Erträge. Dennoch ist es nicht so, dass wir einen Spieler wie Pierre unbedingt verkaufen müssen.

Kann es sich Hertha überhaupt leisten, einen unzufriedenen Lasogga zu halten?

Wir müssen uns vor allem leisten, dass wir einen Kader haben, der konkurrenzfähig ist. Und dazu braucht es nicht nur elf Spieler.

Die Vertragsverlängerung mit Luhukay steht kurz bevor. Ihr Präsident hat darüber hinaus angekündigt, dass auch eine Verlängerung Ihres Vertrags demnächst möglich ist.

Das beschäftigt mich derzeit überhaupt nicht. Wir sind im Moment in der Hochphase der Saisonplanung für die Bundesliga. Ich lasse das auf mich zukommen.

Sie haben ein positives Fazit unter dieses Saison gezogen. Was muss passieren, damit Sie das auch am Ende der nächsten Saison sagen können?

Wenn wir auch übernächstes Jahr wieder in der Bundesliga dabei sind. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber auch ein machbares. Wir werden uns darüber hinaus aber nicht dagegen wehren, wenn es ein bisschen mehr wird.