Fußball

Hertha verlängert den Vertrag mit Erfolgstrainer Luhukay bis 2016

Jos Luhukay will noch nicht darüber sprechen, aber die Entscheidung steht längst fest: Hertha BSC und sein erfolgreicher Trainer sind sich über eine Zusammenarbeit bis 2016 einig. Nach Saisonende wird unterschrieben.

Foto: Schuh / dpa

Der Trainer rutschte auf seinem Stuhl ein wenig hin und her. „Es hört sich vielleicht doof an. Aber ich kann es nicht erwarten, dass der 23. Juni ist und die Arbeit anfängt.“ Gerade hatte Jos Luhukay ein flammendes Plädoyer gehalten, was er sich von Talenten aus dem eigenen Nachwuchs wünscht. „Es gibt nichts Schöneres für Michael und mich, als einen Berliner in die Startelf von Hertha zu bringen“, sagte er mit Blick auf den neben ihm sitzenden Manager Michael Preetz. Er hatte ein anspruchsvolles Profil skizziert: Was die Jungen können müssen, welche Fähigkeiten sie haben sollten. „Und genau so wichtig ist, was sie zu lassen haben in einer Stadt wie Berlin, wo es so viele Ablenkungen gibt.“ Und wenn die Jungen bereit sind, diesen Weg mitzugehen, „ihr Ego einzuordnen in die Gruppe, dann erhalten sie von mir alle Hilfe auf dem Weg zu einem Bundesliga-Spieler.“

Preetz überrascht den Trainer

Da waren sie in wenigen Sätzen zusammengefasst, die Schlüsselelemente, die Luhukay von seinen Profis erwartet: Konzentration aufs Wesentliche, Durchhaltevermögen. Respekt für die Kollegen. Verzicht auf die eine oder andere Verlockung des Lebens. Und Leidenschaft. Mit seiner Art hat Luhukay Hertha verzaubert. Obwohl sein Arbeitspapier beim Bundesliga-Aufsteiger noch bis Juni 2014 läuft, wird Hertha den Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2016 verlängern. Für Insider war diese Entwicklung seit Längerem abzusehen. Der Verein und der Trainer - beide Seiten sind sich einig.

Aber Luhukay hat darum gebeten, in der Angelegenheit nichts verlauten zu lassen, bis das letzte Saisonspiel absolviert ist. Der Trainer berichtete, wie er die erste Offerte aufgenommen hat, die ihm der Manager und Präsident Werner Gegenbauer im Januar im Trainingslager unterbreitet hatten. „Ich war überrascht. Schließlich hatten wir gerade ein halbes Jahr zusammengearbeitet.“ Luhukay bedankte sich, teilte seinen Vorgesetzten mit, dass er sich sehr freue. Die Angelegenheit aber gern solange vertagen möchte, bis das Saisonziel, der Aufsteig, tatsächlich erreicht sei.

Ein guter Verhandler in eigener Sache

Mittlerweile sind die Verhandlungen abgeschlossen. Auch wenn Luhukay sagt, es seien noch Details zu besprechen. Auf die Nachfrage, ob die Details ihn betreffen oder die Rahmenbedingungen bei Hertha, antwortet Luhukay: „Ich bin ein ganz schlechter Verhandler. Ich habe in meiner ganzen Karriere, alle Verhandlungen zusammen, keine zehn Minuten über meine Person gesprochen. Mir geht es um das Ganze, um den Verein.“

Einer, der bei diesen Gesprächen mit am Tisch gesessen hat, muss da schmunzeln. „Luhukay ist ein sehr guter Verhandler in eigener Sache. Er ist aber, anders als viele andere Trainer, sehr präzise und aufs Wesentliche konzentriert.“

Der Niederländer ist in Berlin gut angekommen

Mit dieser unaufgeregten, aber bestimmten Art ist Luhukay in Berlin gut angekommen. Die Skeptiker sind rasch verstummt. Die hatten zu Beginn seiner Amtszeit in Berlin, exakt vor einem Jahr, noch genörgelt: zu wenig Glamor, zu wenig Charisma, kein Trainer für einen Hauptstadt-Klub. Das sind Kategorien, die den Niederländer nicht im Ansatz interessieren. Sein Mentor aus Augsburger Tagen, Andreas Rettig, hatte vorhergesagt: „Jos hat einen Plan. Haltet ihm den Rücken frei und lasst ihn in Ruhe arbeiten. Wenn das gelingt, stehen Hertha tolle Jahre bevor.“ So ist es gekommen, zumindest in der ersten gemeinsamen Saison.

Ärmel hochkrempeln und arbeiten, solautete seine Devise. Mit seinen Vorhersagen überraschte er nicht nur die Öffentlichkeit. Sein Spruch „Ab Oktober werden wir nur noch sehr schwer zu schlagen zu sein“ wurde ihm zunächst als Überheblichkeit ausgelegt. Doch genauso kam es. Nach der ersten Niederlage (1:3 in Frankfurt) blieb Hertha über 21 Spiele ungeschlagen. Diese Art der Vorhersagen wirkte auch intern. Kapitän Peter Niemeyer sagte: „Wenn es genauso kommt wie vorhergesagt, ist die Mannschaft bereit, mit dem Trainer durch dick und dünn zu gehen.“

Luhukay hat es verstanden, Teamgeist zu schaffen

Auch die nächsten Voraussagen von „Mastermind“ Luhukay trafen ein: Die Übernahme der Tabellenführung Ende Februar, die Hertha seither nicht mehr abgab. Das vorzeitige Erreichen des Aufstieges. Die Zweitliga-Meisterschaft wurde am vergangenen Sonntag perfekt gemacht mit einem 2:1 in Köln.

Während Hertha marschierte, hatten die Aufstiegs-Rivalen Probleme. So war es die größte Herausforderung für den Trainer, das Miteinander im Kader zu moderieren mit den vielen ehrgeizigen Rückkehrern, hier seien nur Maik Franz, Pierre-Michel Lasogga und Änis Ben-Hatira genannt. Doch Luhukay schaffte es, alle einzubinden. Der Zusammenhalt in der Truppe ist auch ohne Trainer gut. Was sich darin zeigte, dass fast alle Spieler zu Wochenbeginn einen gemeinsamen Kurztrip nach Prag unternahmen.

Momentan einer der interessantesten Trainer auf dem Markt

Mit der vorzeitigen Verlängerung bringt der Verein dem Trainer nicht nur Vertrauen entgegen. Luhukay ist einer der interessantesten Trainer auf dem Markt. Die Unterschrift von Luhukay verspricht Hertha auch die ersehnte Kontinuität, egal, ob Bundesliga-Rivalen wie im Moment Werder Bremen mal einen neuen Übungsleiter brauchen.