Hertha BSC

Großes Finale für die Ronny-Show am Sonntag gegen Cottbus

Als Aufsteiger in die Bundesliga steht Hertha längst fest, als Zweitliga-Meister auch. Nun wollen die Berliner ihrem besten Spieler Ronny auch noch den Gewinn der Torjägerkanone ermöglichen.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Fast sieht es so aus, als ob Ronny im Training vor dem Zweitliga-Spiel gegen Energie Cottbus am Sonntag (13.30 Uhr, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) die Ärmel hochgekrempelt hat. Dabei hat er aufgrund der sommerlichen Temperaturen ein ärmelloses Trikot angezogen.

Doch die optische Täuschung passt, denn neben der bereits vorbereiteten Meisterparty für die beste Mannschaft des Bundesliga-Unterhauses geht es für den Hertha-Regisseur in der letzten Saison-Partie noch um einen persönlichen Titel. Mit nur einem Tor kann der Brasilianer mit Braunschweigs Angreifer Domi Kumbela gleichziehen und seine überragende Spielzeit mit der Auszeichnung als Torschützenkönig krönen.

Konkurrent Kumbela fällt aus

Ronny übt sich in Bescheidenheit. Obwohl selbst sehr ehrgeizig, sagte er schon vor seiner Gelbsperre im vergangenen Spiel gegen Köln zur Diskussion um die Torjägerkrone: „Ich stehe nicht im Mittelpunkt, Hertha steht im Zentrum.“ Doch nur ein Tor trennt ihn von Kumbela, der mit 19 Treffern die Rangliste anführt.

Der Braunschweiger Stürmer kann nicht mehr angreifen, weil er mit einem Sehnenabriss im Oberschenkel verletzt ausfällt. Am Dienstag wurde er operiert. Von hinten drängen noch Kaiserslauterns Mo Idrissou und St. Paulis Daniel Ginczek mit jeweils 17 Toren nach. Die beiden Klubs spielen am letzten Spieltag gegeneinander.

Als Top-Scorer schon unangefochten die Nummer eins

Ronny hat also freie Bahn und kann mit eigenen Treffern die Krone holen. Auch wenn er nach außen den Teamgedanken hervorhebt, wissen seine Mitspieler, was sie an dem Brasilianer haben. Mit seinen 18 Treffern und 14 Vorlagen hat er einen überragenden Anteil an der besten Zweitliga-Saison der Hertha-Geschichte. Mit 32 Punkten ist Ronny der unangefochtene Top-Scorer der Liga mit sechs Zählern Vorsprung.

Die Mannschaft weiß natürlich um die Angelegenheit. Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng gibt die Richtung an, wie das Team helfen will. „Das ist selbstverständlich ein Anreiz für Ronny. Wenn gegen Cottbus jemand von uns alleine vor dem Tor stehen sollte, wird er sich umschauen, ob Ronny frei steht. Denn auch dieser Titel soll in Berlin bleiben.“

Torjägerkanone fehlt noch in der Hertha-Geschichte

Die Hertha-Profis haben nach dem feststehenden Aufstieg Gefallen am Sammeln von Rekorden und Auszeichnungen gefunden und lassen nicht locker. Die Torjägerkanone für den besten Schützen der Zweiten Liga, auch wenn diese Auszeichnung nicht wie in der Bundesliga tatsächlich als Skulptur vergeben wird, fehlt Hertha in der eigenen Geschichte. Nur Leo Bunk von Blau Weiß 90 (26 Tore in der Saison 1985/86) und Norbert Stolzenburg von Tennis Borussia (27 Tore in 1975/76) holten diese imaginäre Auszeichnung an die Spree.

>>>Herthas Weg zum Aufstieg: Die interaktive Timeline<<<

Die Leistungen von Ronny werden auch international registriert. So sorgte ein Bericht der russischen Zeitung Istwestjia in dieser Woche für einigen Wirbel. Dort wurde ein Interesse von Erstligist Spartak Moskau an der Verpflichtung des Hertha-Spielmachers vermeldet. Die Zeitung zitierte Ronnys Berater Dino Lamberti mit den Worten: „Wir hatten eine sachliche Besprechung mit Klubverantwortlichen, die uns gute finanzielle Bedingungen boten. Doch wir haben uns Bedenkzeit auserbeten. Es geht vor allem um den persönlichen Wunsch des Spielers, der im Europapokal spielen möchte. Eine endgültige Entscheidung fällt zum Saisonende.“

Berater Lamberti: Wir haben nie miteinander gesprochen

Mal abgesehen davon, dass Spartak Moskau als aktueller Tabellensiebter der russischen Liga nicht europäisch spielen würde, dementierte Lamberti gegenüber der Morgenpost das Zitat scharf. „Ich habe nie mit dieser Zeitung gesprochen“, so der Schweizer Spielerberater. Auch bei Hertha sorgte die Meldung nur für Kopfschütteln. Manager Michael Preetz bezeichnete den Bericht als „Unfug“.

Ein Abwerben des Brasilianers wäre ökonomisch ohnehin ein aberwitziges Unterfangen. Schließlich hat Ronny erst Anfang April seine Unterschrift unter einen Vertrag bei Hertha bis 2017 gesetzt. Auch wenn wirtschaftliche Überlegungen bei russischen Vereinen wie Spartak, das vom Öl-Konzern Lukoil finanziell versorgt wird, nicht immer rational ausfallen. Spartak sucht händeringend einen Spieler im zentralen Mittelfeld.

Werbevertrag bei Nike als Belohnung für starke Saison

Für Ronny hat der Wirbel auch eine gute Seite. Schließlich ist das quasi im Vorbeigehen ein Beweis seines gestiegenen Markt-Wertes: Der drückt sich aktuell in einem geplanten individuellen Werbevertrag mit dem Sportartikelhersteller Nike aus. Der Hertha-Ausrüster will sich für einen sechsstelligen Betrag die Dienste des Brasilianers als Produkt-Model sichern. Der Kontrakt soll ebenso wie sein Arbeitspapier in Berlin bis 2017 gültig sein. Ähnliche Vereinbarungen hatten bei Hertha vorher nur der Brasilianer Marcelinho (2001 bis 2006 in Berlin) und Nationalspieler Arne Friedrich (2002 bis 2010). Nicht einmal Ronnys Bruder Raffael kam in seinen vier Jahren als Lenker des Berliner Spiels (2008 bis 2012) in den Genuss eines privaten Deals mit Nike.

Deshalb würde der Titel des Torschützenkönigs in die aktuelle Entwicklung des Brasilianers passen. In dieser Spielzeit gelang ihm plötzlich all das, was ihm in den zwei Jahren zuvor nicht geglückt war. Statt überflüssiger Pfunde auf den Rippen werden jetzt seine Treffer und Assists gezählt. Zu allem Glück fehlt nur noch die finale Ronny-Show am Sonntag im Olympiastadion.

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