Hertha BSC

Niemeyers Rückkehr wird zum Wettlauf mit der Zeit

Der Kapitän des Zweitliga-Meisters Hertha BSC will am Sonntag gegen Cottbus unbedingt dabei sein. Schließlich bekommt er dann als Erster die Meisterschale. Trainer Luhukay verspricht: Er wird spielen.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Mit einer Marzipantorte in Form der Zweitliga-Trophäe stand Peter Niemeyer am Rande des Trainingsplatzes. So konnte der Kapitän schon einmal üben für den Moment am Sonntag nach dem Spiel gegen Energie Cottbus, wenn er die als Felge verspotte Meisterschale überreicht bekommt.

Fans mit Sinn für die Gefühle des lange wegen einer schweren Gehirnerschütterung ausgefallenen Mannschaftsführers hatten Niemeyer die Torte geschenkt. Während das Team in den letzten Wochen die Früchte seiner Arbeit einsammelte, musste er diese Glücksmomente von außen miterleben. Deswegen setzt der Kapitän alles daran, am letzten Spieltag endlich wieder dabei sein zu dürfen.

Trainer Jos Luhukay hatte schon vor Wochen, als Punkterekorde noch keine Rolle spielten, gesagt: „Ich wünsche mir, dass Peter gegen Cottbus als Kapitän dabei sein kann. Er hat eine starke Saison gespielt und verpasste leider das Aufstiegsspiel gegen Sandhausen.“ Damit zeigte der Niederländer wie so oft in dieser Saison Gespür für den Teamgeist in der Mannschaft.

Kampfkraft und Einsatzfreude sind seine Markenzeichen

Außerdem weiß er, was er an seinem Kapitän hat. Niemeyers Spiel besticht nicht durch technische Raffinessen, sondern durch Kampfgeist und Einsatzfreude. Der defensive Mittelfeldspieler reißt seine Kollegen mit.

Dieser Spielweise hat Niemeyer auch seine Gehirnerschütterung zu verdanken. Mit vollem Tempo prallte er kurz nach Anpfiff in der Spitzenpartie gegen Eintracht Braunschweig mit Norman Theuerkauf zusammen, blieb bewusstlos liegen. Vom 3:0 gegen den Aufstiegsrivalen bekam er nichts mehr mit. Sein Abend endete im Virchow-Klinikum.

Fünf Wochen später gibt die medizinische Abteilung von Hertha weitestgehend grünes Licht. Die Behandlung ist abgeschlossen, der Kapitän darf voll mittrainieren. Die Entscheidung über einen Einsatz fällt Ende der Woche. Niemeyer gab sich anfangs zurückhaltend: „Wir wollen die Meisterschaft, und da wäre ich gern dabei.“

Den letzten Aufstieg erlebte Niemeyer nur in zivil

Gemeinsam mit der Mannschaft spielen und danach in Spielkleidung von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig die Trophäe für den Zweitliga-Titel entgegennehmen. Nicht in zivil irgendwie dabei sein. „Das hatte ich schon beim letzten Aufstieg vor zwei Jahren. Das muss ich nicht wieder haben“, sagte der Kapitän. Damals fiel er wegen Wadenproblemen aus.

Das Team zeigte sich auch ohne Niemeyer stabil, holte in seiner Abwesenheit fünf Siege und ein Unentschieden. Das war nicht immer so. Beim holprigen Saisonstart fuhr Hertha zwar Punkte ein, überzeugte aber selten. Deshalb spielte der Kapitän Anfang Oktober gegen 1860 München, obwohl seine Außenbanddehnung im Knie nicht auskuriert war.

Ein Einsatz mit kalkuliertem Risiko, schließlich folgte danach eine Länderspielpause. Die Löwen wurden 3:0 besiegt, Hertha rief erstmals das volle Potenzial ab, das in der Mannschaft steckte. „Die Schmerzen unterschreibt man mit dem ersten Vertrag“, sagte Niemeyer lapidar.

„Wir müssen uns mit seiner Rückkehr gedulden“

Ein halbes Jahr später muss der Hertha-Kapitän nicht abwägen zwischen sportlichem Erfolg und gesundheitlichem Risiko. Wohl wissend, dass er zum Start der Saisonvorbereitung am 23. Juni fit sein muss, nahm Trainer Jos Luhukay von Anfang an jeglichen Druck von ihm: „Wir müssen uns mit seiner Rückkehr gedulden, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche.“

Aber der Niederländer weiß um den Gefühlszustand seines Kapitäns und sagte gestern beim ersten Training nach dem Sieg gegen Köln: „Peter Niemeyer wird zum Einsatz kommen. Ob von Anfang an, das entscheiden die Ärzte.“

Eine kleine Möglichkeit besteht zwar noch, dass es nicht klappt, aber der Kapitän wischte diesen Gedanken beiseite: „Für mich ist das Glas halbvoll. Darüber denke ich nicht nach“, und verschwand mit der Marzipantorte in die Kabine.