Gegen Köln

Morales sichert Hertha BSC in Köln den Zweitliga-Titel

Die Fußball-Profis von Hertha BSC haben sich nach dem Bundesliga-Aufstieg nun auch die Zweitliga-Meisterschaft gesichert. Lewan Kobiaschwili und Alfredo Morales trafen beim 2:1 gegen den 1. FC Köln.

Alfredo Morales tanzte ausgelassen vor der Gästekurve. Herthas Mittelfeldspieler, der am Sonntag 23 Jahre jung wurde, reckte dabei die geballten Fäuste in den Himmel und sprang von dem linken auf den rechten Fuß.

Er tat es den 3000 mitgereisten Berliner Anhängern gleich, die ihn und seine Teamkollegen nach dem Abpfiff der Partie gegen den 1. FC Köln in die Kurve gerufen hatten, um der Mannschaft ihren Respekt zu zollen.

Es war der Abschluss eines Tages, der nicht nur für das Geburtstagskind Morales, sondern für Hertha BSC im Allgemeinen ein paar schöne Gründe zum Feiern parat hatte. Die Herthaner gewinnen ihr letztes Auswärtsspiel der Saison gegen die Domstädter verdient mit 2:1 (1:0) und sichern sich damit am vorletzten Spieltag den Zweitliga-Meistertitel.

Damit nicht genug: Durch die drei Punkte haben sich die Berliner in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs geschrieben. Mit nunmehr 75 Zählern stellt Hertha den Punkterekord in Liga zwei ein. Nur Hannover 96 gelang 2001/02 eine ebenso herausragende Ausbeute im deutschen Unterhaus.

Damit haben die Blau-Weißen auch den bisherigen Vereinsrekord von 74 Punkten aus der Saison 2010/11 übertrumpft. Beim letzten Saisonspiel gegen Energie Cottbus am Sonntag kann das Team von Trainer Jos Luhukay gar einen neuen Liga-Bestwert aufstellen.

„Ich bin überglücklich. Titel zu holen, ist für einen Spieler und einen Verein das Schönste. Das haben wir uns durch die ganze Saison hindurch verdient“, sagte Morales nach der Partie. „So ein Tag, und dann noch Geburtstag haben, cooler geht es nicht.“

Luhukay lobt seine Mannschaft

Dass dieser Tag für Hertha am Ende überhaupt so richtig cool werden konnte, lag nicht zuletzt an Morales. Nach dem Führungstreffer von Levan Kobiashvili, der in der 36. Minute einen Foulelfmeter sicher verwandelte, erhöhte der gebürtige Berliner in der zweiten Hälfte durch einen Kopfballtreffer in bester Uwe-Seeler-Manier (55. Minute).

Marcel Ndjeng hatte einen Freistoß von Linksaußen scharf in den Strafraum getreten. Dort stieg Morales hoch und verlängerte den Ball mit dem Scheitel ins lange Eck. Es war Morales’ allererster Treffer im Profibereich überhaupt. „Dieses Tor widme ich meiner Frau, meinem Sohn und allen Menschen, die an diesem Tag an mich gedacht haben“, sagte Morales später gerührt.

Sein Trainer hatte seine Emotionen nach dem Titelgewinn schneller wieder unter Kontrolle: „Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenlob aussprechen. Dass wir nach dem Aufstieg trotzdem so stark weitergespielt haben, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind für die Bundesliga.“ Der Gewinn der Meisterschale sei die „Krönung einer langen und schweren Saison“.

Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hatte Luhukay seine Mannschaft im Vergleich zum 3:2 gegen Aue in der Vorwoche auf vier Positionen verändert. Rechts in der Viererkette ersetzte Ndjeng den gelbgesperrten Peter Pekarik, links spielte Kobiashvili für Nico Schulz, und Christoph Janker durfte für Roman Hubnik in der Innenverteidigung beginnen. Den ebenfalls gelbgesperrten Spielmacher Ronny vertrat der wiedergenesene Peer Kluge, der gemeinsam mit Morales im offensiven Mittelfeld das Spiel gestalten sollte.

Doch das Fehlen des besten Vorbereiters der Liga machte sich bemerkbar. Den Berlinern fehlten zunächst die Ideen. Schnell nahmen die Kölner das Spiel in die Hand und kamen durch Anthony Ujah, der urplötzlich allein vor Herthas Torwart Thomas Kraft auftauchte, aber an diesem hängen blieb, zur ersten Chance (22.). Drei Minuten später war es wieder Ujah, der Kraft mit einem artistischen Fallrückzieher zur Parade zwang.

Doch mitten hinein in die Druckphase der Kölner schnappte sich Änis Ben-Hatira am Strafraum den Ball, drehte sich zweimal um die eigene Achse und wurde von Miso Brecko gefoult. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kobiashvili (36.). Es war der erste Saisontreffer für den 35 Jahre alten Georgier. Nur 50 Sekunden nach der Pause hätte Ben-Hatira schon für die Entscheidung sorgen müssen, doch der 24-Jährige drückte den holpernden Ball aus drei Metern am leeren Tor vorbei.

Auf der anderen Seite machte es Matthias Lehmann für die Kölner nicht besser. Auch er scheiterte aus drei Metern am leeren Tor (50.). Nach dem 2:0 durch Morales bäumte sich die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski noch einmal auf und kam durch einen feinen Schlenzer von Christian Clemens aus 20 Metern zum Anschluss. Weil Hertha aber mit dem starken John Anthony Brooks im Abwehrzentrum und Fabian Lustenberger davor gut verteidigte und Köln an der eigenen Abschlussschwäche scheiterte, freute sich Hertha am Ende über den 22. Saisonsieg. Der neue Zweitliga-Meister hat nun neun Punkte Vorsprung vor Verfolger Braunschweig auf Platz zwei.

„Wenn man sich die Tabelle ansieht, ist das Wahnsinn“, schwärmte Cheftrainer Luhukay. „Wir haben eine beeindruckende Saison gespielt und können den Punkterekord verbessern. Gelingt uns das, wird man noch in Jahren darüber sprechen.“